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Schnelles Internet für alle: Darauf hat sich die Stadt Hamm festgelegt. Der Ausbau soll innerhalb der kommenden fünf Jahre erfolgen.
Hamm – Die Stadt Hamm entscheidet sich für Lichtgeschwindigkeit: Stadt und Deutsche GigaNetz GmbH haben den flächendeckenden Aufbau eines Glasfasernetzes für das Stadtgebiet vereinbart. Der Ausbau soll ohne Förderung eigenwirtschaftlich mit einer Zielmarke von fünf Jahren erfolgen. Mit im Boot: die Helinet als regionaler Anbieter, die ihren Kundenstamm ausbauen kann.
Weil die Deutsche GigaNetz bundesweit vorwiegend eigenwirtschaftlich den Ausbau des Glasfasernetzes vorantreibt, kommen auf die Stadt Hamm laut Oberbürgermeister Marc Herter und Jens Krause, im OB-Büro zuständig für die Digitalisierung im Stadtgebiet, keine Kosten zu.
Versorgung „weißer Flecken“ kostet Millionen
Diese lägen laut Herter in Bereichen, die für Stadt, Stadtwerke und Helinet absolut nicht leistbar wären. Beispiel: 3400 Anschlüsse im Zuge der Versorgung „weißer Flecken“ habe rund 40 Millionen Euro gekostet. Bei einem geschätzten zu versorgenden Anteil von rund 50 Prozent in Hamm wird die Deutsche GigaNetz in Hamm für den Netzausbau einen Betrag im dreistelligen Millionenbereich einsetzen.
„Moderne Kommunikationstechnologien sind für eine nachhaltige Stadtentwicklung heute ein wesentliches Element, da sie über die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit einer ganzen Region mit entscheiden“, sagte Herter. „Ein flächendeckendes Glasfasernetz ist die Technologiebasis der Zukunft und ermöglicht den Bürgerinnen und Bürgern über Generationen den Zugang zur digitalen Welt.“ Glasfaser sei die Technologie zumindest für die kommenden 50 Jahre, ergänzte Krause. Alternativen dazu zeichneten sich aktuell nicht ab.
Glasfasernetz: Wie es genau funktioniert
Glasfaserkabel übertragen Daten nicht als elektrische Signale über den viel zitierten „Klingeldraht“, sondern in Form von Licht. Das bedeute laut Deutsche GigaNetz nicht nur einen um 70 Prozent geringeren Stromverbrauch, sondern einen „um Dimensionen schnelleren“ Datentransfer als bei bestehender Infrastruktur.
Für Nutzer heißt das zum Beispiel: Wer sich als Haushalt am hinteren Ende der Übertragungskette jetzt immer wieder über ein Standbild bei der Lieblingsserie ärgert, wird sie mit Glasfaser ohne Aussetzer durchschauen können. Die gebuchte Leistung komme zu 100 Prozent an, verspricht die Deutsche GigaNetz.
Schnelles Internet in Hamm: Helinet mit an Bord - Insolvenz wohl vor Aufhebung
Das Unternehmen sei bestrebt, große Bündel mit von 7000 bis 10 000 Haushalten in einem Zuge zu erschließen, hieß es. Bürgern bleibt es am Ende aber frei, ob sie sich die letzten Meter bis ins Haus legen lassen wollen. Auch beim aktuell ausgeschriebenen geförderten Ausbau von Glasfaser in Gewerbegebieten will das Unternehmen mit einsteigen.
Vor Ort kooperiert die Deutsche GigaNetz in Marketing und Vertrieb mit der Helinet als regionalem Telekommunikationsanbieter. Die Helinet könne ihren Kundenstamm mit eigenen Paketen in der neuen Infrastruktur weiter ausbauen, sagte Geschäftsführer Dr. Thomas Vollert. Zudem tätige die Deutsche GigaNetz ein Invest in die Helinet. Über die Höhe gab es keine Angaben. Vollert betonte, es gehe nicht um den Erwerb von Anteilen, und die Finanzspritze sei auch nicht ausschlaggebend für die Aufhebung des Insolvenzverfahrens.
Wie wichtig der Ausbau ist zeigen auch Daten aus dem April 2023. In vielen Gebieten ist schnelles Internet noch immer nicht möglich.
Helinet-Insolvenz offenbar vor Aufhebung
Das Insolvenz-Verfahren der Helinet in Eigenverwaltung stehe kurz vor der Aufhebung, sagte Geschäftsführer Dr. Thomas Vollert. Alle dafür erforderlichen Vorbereitungen seien getroffen. Ist der Antrag bei Gericht gestellt, müsse man noch mit bis zu drei Monaten mit der formalen Aufhebung rechnen. Das ändere aber nichts daran, dass das Unternehmen den Betrieb schon jetzt gesichert und die Restrukturierung und Konsolidierung erfolgreich abgeschlossen habe. Alle Gläubiger würden bezahlt, das Unternehmen stehe in Zukunft aus eigener Kraft wieder positiv da.
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