Ein Haus für die Schmerzpatienten

KMT-Neubau in zwei Monaten fertig - Positive Signale von Lauterbach

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Große, offene Trainingsfläche: Die Bauarbeiten im KMT-Neubau sollen bald abgeschlossen sein. Hier ist das Erdgeschoss zu sehen.
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In Hamm steht die Klinik für Manuelle Therapie (KMT) kurz vor der Vollendung ihres ambitionierten Neubauprojekts. Anfang Juli soll die Eröffnung sein, etwas später als geplant.

Hamm – Ein großer Teil der Klinikgeschäftsführer in Deutschland ist auf Karl Lauterbach nicht gut zu sprechen. Sie kritisieren die Reformvorschläge des Bundesgesundheitsministers als unausgegoren, erklären, die Bürokratie werde überhandnehmen, mehr Kliniken müssten schließen. Am Montag war Lauterbach in Hamm, zu einer Diskussionsrunde – und zu einem Besuch in der Klinik für Manuelle Therapie. Dort lobt man den SPD-Politiker nach dem Besuch: „Lauterbachs Art der Politik passt super zu uns“, sagte Karl Ehrmann am Dienstag - er ist Geschäftsführer der KMT.

Die KMT befindet sich im Umbruch. Für etwas mehr als 20 Millionen Euro baut die Klinik für Schmerzmedizin neu. Die etwa zweijährigen Bauarbeiten sollen in wenigen Wochen abgeschlossen sein, für den 3. Juli ist die offizielle Eröffnung geplant – etwa eineinhalb Monate später als zuletzt geplant.

„Wir sind ein Exot in der Krankenhauslandschaft“, sagt Dr. Jens Adermann, der Chefarzt der Klinik. Die KMT hat sich auf die Behandlung von Schmerzpatienten spezialisiert. 4500 Patienten behandelt sie pro Jahr ambulant, mehr als doppelt so viele wie noch vor zwei Jahren. Dazu kommen 3200 stationäre und teilstationäre Behandlungsfälle. Adermann geht davon aus, dass die Zahl weiter steigen wird – unter anderem durch die Alterung der Gesellschaft, aber auch durch psychischen Druck und weitere Faktoren. 28 Prozent der Deutschen berichten inzwischen über chronische Schmerzen, berichtet die Deutsche Schmerzgesellschaft.

Neubau an der Fährstraße: Das Hammer Architekturbüro Noweck und Pahmeyer hat das Gebäude entworfen. Im Erdgeschoss hat es große Trainingsflächen, die vom Eingang aus zu sehen sein sollen. In der zweiten und dritten Etage befinden sich Patientenzimmer. Nicht im Bild zu sehen ist ein Staffelgeschoss mit einem Gruppenraum.

„Die Pflege kann bei uns eine ärztliche Entscheidung kippen“

Die KMT ist auf die Behandlung solcher Patienten spezialisiert – doch eine eigene Leistungsgruppe „Schmerzmedizin“ gibt es in der Krankenhauslandschaft nicht. In den ursprünglichen Plänen für Lauterbachs Krankenhausreform seien Fachkliniken und die stationäre Schmerzmedizin nicht aufgetaucht, berichten Ehrmann und Adermann. Auch andere Fragen blieben offen: So haben Pflegekräfte in der KMT deutlich andere Rechte als in vielen anderen Krankenhäusern. „Die Pflege kann bei uns eine ärztliche Entscheidung kippen“, sagt Adermann. Darüber hinaus sorgt ein Mangel an Psychotherapeuten die Klinikleitung. „Das ist der Bereich, in dem wir den Fachkräftemangel am deutlichsten spüren“, sagt Adermann.

Der Minister habe bei all diesen Themen offen gewirkt. Er sähe die Notwendigkeit der stationären Schmerzmedizin, betonte auch später in der öffentlichen Diskussionsrunde, dass die Kompetenz von Pflegekräften stärker genutzt werden sollte, habe Ideen dafür, wie man dem Mangel an Psychotherapeuten entgegenwirken könnte.

Besuchte die KMT: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (Dritter von rechts), daneben (von links): Wolfgang Rometsch (SPD), der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Thews; Karl Ehrmann und Dr. Gerd Pickl-Gilberg (Beirat der KMT), der SPD-Landtagsabgeordnete Justus Moor und Jens Adermann.

„Er kam gut vorbereitet“, sagt Ehrmann. Lauterbach habe aktuelle Studien zur Schmerzmedizin gekannt, die Kennzahlen der Klinik im Kopf gehabt.

Rückhalt aus der Politik ist wichtig für das Krankenhaus mit seinen aktuell 290 Mitarbeitern auf knapp 170 Vollzeitstellen: Die Klinik mit dem Neubau werde man nur dann dauerhaft auskömmlich betreiben können, wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen, erklären die Klinikchefs.

„Im Altbau sind wir an unsere Grenzen gestoßen“

Das Großprojekt Neubau ist fast abgeschlossen. Die ersten Zimmer sind fertig eingerichtet, mit anthrazit-farbenen Möbeln auf den Zimmern für Wahlleistungs- und Privatpatienten, hellem Holzfurnier für die übrigen. Ein- und Zweibettzimmer entstehen in der zweiten und dritten Etage des Neubaus. „Das ist heute Standard“, sagt Adermann. Jedes Zimmer verfügt über ein eigenes Bad, Fenster mit Blick in den Kurpark und vieles mehr.

Vorgabe des Verbands der privaten Krankenversicherungen: So sehen die Möbel in Zimmern für Privat- und Wahlleistungs-Patienten aus ...
... und so in Zimmern für Kassenpatienten. Man wolle keinen Unterschied in der Behandlung machen, erklärt die Klinikleitung. Aber die Zimmerausstattung unterscheidet sich.

Im Erdgeschoss sind zwei große Trainingsräume eingerichtet: In einem werden Trainingsgeräte stehen, ringsum sind Behandlungsräume. In einem Zweiten ist ein Sportboden verlegt, weil dort Sportgruppen trainieren sollen. Im Dachgeschoss befindet sich ein Gruppenraum, in dem Patienten Seminare besuchen können.

„Im Altbau sind wir an unsere Grenzen gestoßen und konnten uns nicht mehr richtig weiterentwickeln“, sagt der Chefarzt. Mit dem Neubau sei man für die nächsten Jahre gut aufgestellt.

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