Rudelweise auf der Straße

Königsberger Straße: Paradies für Ratten? Mieter berichten

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Rund um den Komplex an der Königsberger Straße 4 bis 12 beklagen Mieter ein akutes Rattenproblem. 
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Mieter eines Wohnkomplexes in Hamm-Herringen beklagen ein großes Rattenproblem. Sie haben Angst, sich zu erkennen zu geben, und die Hausverwaltung ist auch für die Redaktion nicht erreichbar.

Herringen – Erst waren nur ein paar von ihnen im Innenhof, mittlerweile aber laufen die Ratten unverhohlen auf dem gesamten Gelände umher, rennen in Rudeln über die Straße – und vermehren sich offenbar munter. Ein Mieter des Mehrfamilienhauses an der Königsberger Straße 4-12 hatte sich an unsere Redaktion gewandt, um auf das Rattenproblem an seinem Wohnort aufmerksam zu machen.

„Besonders schlimm finde ich, dass die Kinder inmitten der Ratten spielen, das kann doch nicht gesund sein“, sagt der Senior, der eine Wohnung im Haus gemeinsam mit seiner Frau bewohnt. Aus Angst vor einer Konsequenzen der Vermietungsgesellschaft möchte er nicht namentlich in Erscheinung treten.

„Wir sind im Augenblick absolut hilflos. Wir haben zwar einen Hauswart, der alles in seiner Macht stehende tut, um das Problem in den Griff zu kriegen“, sagt er. Doch: „So richtig etwas gegen die Plage ausrichten, kann er nichts.“ Die Hausverwaltung in Dortmund sei für ihn und die anderen Mieter nicht erreichbar, auch das Ordnungsamt der Stadt unternehme nichts, sagt der Mieter, der seit etwa 15 Jahren in dem Gebäude wohnt.

Die Ratten dürften sich über unsachgemäß entsorgtem Müll und müllbeladenen Ecken freuen.

Hausverwaltung nicht erreichbar, Ordnungsamt schon

Die Hausverwaltung, die „RT Facility Management“ in Dortmund, war auch für unsere Redaktion nicht erreichbar. Trotz mehrerer telefonischer und schriftlicher Anfragen zur Problematik wollte sich das Unternehmen nicht zum Sachverhalt äußern. Anders das Hammer Ordnungsamt: „Die Beschwerden zu Ratten an der Königsberger Straße sind bei uns bekannt“, heißt es aus der Pressestelle der Stadt Hamm.

Weiter führt der Pressesprecher aus: „Als Verwaltung sind wir nur am Rande beteiligt. Dennoch war ein Kollege des Ordnungsamtes Ende November zur Begutachtung vor Ort.“ Dabei habe sich ergeben, dass die Garage für Müllbehälter sauber, der Boden betoniert und die Tür verschlossen und mit einem entsprechenden Hinweisschild versehen gewesen sei. „Trotz teils voller und zum Teil falsch befüllter Mülltonnen war der Eindruck, dass die Hausverwaltung einiges zur Bekämpfung der Ratten unternommen hat und die Maßnahmen Wirkung zeigen“, heißt es weiter. Man werde die Situation weiter im Blick behalten und bei Bedarf Kontakt zum Eigentümer aufnehmen.

Offene Müllcontainer sind auch für Ratten zugänglich.

Der Müll wird nun einfach vor die Garagen geworfen

Den Mietern in den Wohnungen bringt das im Augenblick nicht viel. „Aus Angst vor den Ratten fangen die Leute mittlerweile an, den Müll einfach vor die Garagen zu werfen“, sagt einer der Mieter. Dass dies das Problem nur verschärfe, verstehe sich von selbst. In einem Video, das der Redaktion vorliegt, zeigt sich das Ausmaß der Plage: Die Ratten kommen gleich zu mehreren aus den Gebäuden auf der Suche nach der nächsten Mahlzeit:

Das Problem scheint auch hausgemacht sein. Dafür sprechen beim Besuch unserer Redaktion teilweise offen stehende Müllgefäße, in denen auch Lebensmittel entsorgt werden (mitunter unsachgemäß in Wertstoffcontainern). Ringsum sind Rattenfallen zwar in großer Anzahl aufgestellt. Aktiv eingesetzt werden sie laut dem Mieter allerdings nicht mehr.

Ausziehen ist übrigens für den WA-Informanten keine Option: „Ich bin geborener Herringer und ein sturer Westfale. Ich gehe hier nicht weg“, sagt er. Und trotzdem: „Gegen die Ratten muss hier bald etwas wirksames passieren.“

Anderswo in Hamm steht aktuell die LEG am Mieterpranger. Die Bewohner beklagen, dass Schäden nicht zeitnah behoben werden. Manche fühlen sich hingehalten.

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