Betroffene berichten

„Hingehalten“: Mieter beschweren sich über Zustände in LEG-Wohnungen

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In Hamm vermietet die LEG aktuell 4000 Wohnungen.
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In Hamm klagen immer mehr Mieter öffentlich über die Zustände in ihren LEG-Wohnungen. Vier von ihnen haben der Redaktion exemplarisch ihre Situation geschildert.

Hamm – Hohe Wellen hat ein WA-Bericht über eine Familie geschlagen, die drei Wochen lang mit einem Loch im Badezimmer lebte und bemängelte, dass von der LEG als Vermieter des Hauses an der Friesenstraße keine Anstalten zur Reparatur unternommen worden seien. Mittlerweile ist das Immobilienunternehmen am Daberg tätig geworden (hier klicken), doch im Internet sowie auf Facebook hatte es unter dem Artikel Kritik gehagelt, dass lange Wartezeiten bei Reparaturen für LEG-Mieter gang und gäbe seien. Besonders empörten sich die Schreiber über den Satz von LEG-Sprecher Mischa Lenz: „Generell beheben wir nötige Reparaturen innerhalb von drei bis fünf Werktagen.“ Das würde vielfach länger dauern, hieß es in den Kommentarspalten.

Der Westfälische Anzeiger hat sich nun von vier Mietern in Hamm exemplarisch ihre Situation schildern lassen. Gemeinsam ist ein einige Zeit zurückliegender Schadensfall, der bis heute noch nicht behoben ist – zumindest nicht endgültig. (Lesen Sie auch: „Viele Betroffene: Defekte Heizung sorgt für kalte Wohnungen“)

Zunächst einmal präzisiert Veronika Böhm, Kollegin von Lenz in der Unternehmenskommunikation der LEG, dessen Aussage. „Der Löwenanteil aller Kleinreparaturen, nämlich knapp 70 Prozent, wird nach der Schadensannahme innerhalb von fünf Arbeitstagen behoben, innerhalb von zehn Arbeitstagen sind dies bereits zirka 85 Prozent. Längere Bearbeitungszeiten seien überwiegend auf gesonderte Kundenwunschtermine beziehungsweise Sondersituationen hinsichtlich des Reparaturschadens zurückzuführen“, so Böhm. Darüber hinaus betreffe die aktuelle Situation mit langen Lieferzeiten, Materialengpässen und Handwerkermangel auch die LEG. „Darauf haben wir leider keinen Einfluss.“ Man tue aber alles, um Reparaturen und Instandhaltungen zügig anzustoßen.

„Wir verstehen die Frustration unserer Mieter“

„Dennoch verstehen wir die Frustration unserer Mieter, wenn sich Reparaturen in ihrer Wahrnehmung verzögern – schließlich geht es um ihre Wohnung“, sagt Böhm. Bei über 4800 Wohnungen in Hamm könnte die LEG alle Anliegen „nicht immer in der gewünschten Geschwindigkeit“ nachkommen, zumal Notfälle priorisiert werden müssten.

Die LEG habe zudem verschiedene Möglichkeiten der Kontaktaufnahme in beide Richtungen eingerichtet, vom telefonisch und per Mail erreichbaren zentralen Kundenservice mit Rückrufservice, um Warteschleifen zu vermeiden, einen Rückrufbutton auf der Website und dem LEG-Mieterportal als App.

Bei den befragten Mietern entsteht allerdings der Eindruck, dass „wochenlang gar nichts passiert“, wie Andrea Seiffert meint. Alle Gefragten hätten mehrfach wegen des Schadens bei der LEG angerufen und ihre Nachbarn auch, wenn diese mitbetroffen waren. Bei den Hotlines gebe es meist lange Wartezeiten und „man hat jedes Mal jemand anderes in der Leitung“, sagt Silke Bandowski. Die Mitarbeiter seien zwar nett, aber ihnen müsse der Fall immer wieder neu erklärt werden. Man höre dann nicht, wie es vorangeht, wurde mehrfach gesagt, während die LEG-Sprecherin erklärt, dass vollumfänglich zum Beispiel über Treppenaushänge oder per E-Mail und SMS, falls diese hinterlegt wurden, informiert werde.

Nun zu den einzelnen Fällen:

Die lahmgelegte Tür an der Nordener Hütte

Der Fall: Vor etwa einem Jahr begann die Haustür an der Hausnummer 3 dauerhaft zu summen, als ob jemand den Türdrücker immerzu betätigt. „Es hat einen Monat nur gesummt. Ich konnte nicht schlafen. Das war richtig schlimm“, sagt Silke Bandowski, die im Erdgeschoss mit ihrem Schlafzimmer an der Haustür wohnt, zu dem penetranten Dauergeräusch. Nach rund einem Monat habe ein Handwerker die Haustür lahmgelegt, sodass in dem Haus mit fünf Etagen diese nicht mehr aus der Wohnung aufgedrückt werden könne. Nun würden ganz viele bei ihr schellen, weil sie unten wohne, oder ihre Mitmieter lassen die Haustür angelehnt. Einen Einbruch im Keller habe es deshalb auch schon gegeben. Im Verlauf der Zeit seien verschiedene Handwerker gekommen, die aber alle die Reparatur nicht vorgenommen hätten, weil es in einen anderen Bereich fiele.

Im Haus an der Nordener Hütte ist der Türsummer lahmgelegt.

Die Antwort der LEG: „Unser Handwerkerservice, die TSP, ist in der Vergangenheit wegen verschiedener Störungen wiederholt vorstellig geworden. Vorhandene Fehler wurden behoben. Nach der letzten Anfahrt durch einen Nachunternehmer wurde vor Ort kein Schaden mehr festgestellt. Auch eine weitere Störungsmeldung ist nicht bei uns eingegangen. Wir haben aber nun erneut eine Fachfirma zur Überprüfung beauftragt, um sicher zu gehen, dass die Mängel final behoben sind.“

Die ausgebaute Kellertür am Torneweg

Der Fall: Wie in diversen anderen Häusern geschehen, sollten auch hier die Kellertüren gegen Brandschutztüren ausgetauscht werden. „Vor einem Jahr“, sagt Mieter Ingo Jorga. „Rausgekloppt und weg war sie“, ergänzt Dirk Füser. Jetzt ist schon wieder Winter und das Loch zum Keller ist in dem alten Haus immer noch da. „Die ganzen Wände sind eiskalt. Ich habe einen Kühlschrank im Flur“, klagt Jorga. Weil es ziehe, müsse man auf voller Stärke heizen, um es warm zu bekommen, so Füser. Dass die LEG im Herbst ein Plakat im Flur mit dem Slogan „Verheiz dein Geld nicht“ und nur auf Stufe drei drehen, aufgehangen hat, empfinden beide als Hohn. Nach langem Warten kamen die Handwerker am Dienstag und bauten die neue Tür ein.

Am Torneweg hat es Monate lang wegen der fehlenden Kellertür gezogen.

Die Antwort der LEG: „Nach Beauftragung an einen Dienstleister wurden in mehreren Objekten neue Brandschutztüren eingebaut. Im Objekt am Torneweg 2 in Hamm kam es leider zu Verzögerungen aufgrund der Verfügbarkeiten des Dienstleisters, worauf wir nur bedingt Einfluss haben. Erst nach erneuter Aufforderung unsererseits wurde hier eine Nachbestellung ausgelöst, weshalb sich der Einbau über einen entsprechend langen Zeitraum hinzog.“

Der Riss in der Decke an der Adlerstraße

Der Fall: Ende September bemerkte Andrea Seiffert, dass die Decke im Kinderzimmer durchhängt und sich ein ein Meter langer Riss gebildet hatte. Erst sei es schnell gegangen: Ein Gas- und Wasserinstallateur sei nach der Meldung rausgekommen und habe festgestellt, dass kein Wasserschaden vorliege. Laut Seiffert geschah dann nichts mehr, außer dass ein Subunternehmen meldete, Ende Oktober vor Ort gewesen zu sei und niemanden angetroffen habe. „Ich war aber den ganzen Tag zuhause.“ Irgendwann fielen Teile des Putzes von der Decke herunter. Ein erneuter Anruf bei der LEG, wieder sei jemand gekommen, um vergeblich nach Wasser zu messen. Wochen danach schellte ein Handwerker (erst mal ohne Leiter), habe die Decke aber im zweiten Anlauf an einem Samstag repariert. Noch ist es aber nur notdürftig überstrichen.

An der Adlerstraße kam ein Teil des Deckenputzes herunter.

Die Antwort der LEG: „Nach Aufnahme eines Schadens kann nicht immer umgehend eine Reparatur erfolgen, da der Schaden vor Ort, wie in diesem Fall, zunächst auf die Ursache geprüft werden muss. So kann es leider durchaus sein, dass nach eingegangener Schadensmeldung mehrere Fachfirmen den Schaden begutachten müssen, um die Ursache sowie die Folgen richtig lokalisieren und eine gezielte Behebung durchführen zu können. Im Fall der Wohnung im Objekt an der Adlerstraße 22 sind nach der Feuchtigkeitsmessung die entstandenen Schäden beseitigt worden. Für die hier noch offenen „Schönheitsreparaturen“ wurde bereits ein Termin mit dem Mieter abgestimmt.“

Andrea Seiffert unter besagter Decke im Kinderzimmer.

Der defekte Fahrstuhl am Großen Sandweg

Der Fall: Mehrfach war der Fahrstuhl in sieben Etagen zuletzt immer mal wieder ausgefallen. Das wurde zügig behoben, seit September bewegt er sich aber endgültig nicht mehr. Eine Fachfirma kam, danach habe Stacy Graßmee verschiedene Angaben erhalten, wie es weitergeht. „Wir fühlen uns hingehalten“, sagt sie. Seit einiger Zeit hat der Vermieter eine Frau beauftragt, die von montags bis freitags sechs Stunden und am Samstag vier Stunden vor dem Fahrstuhl steht, um den Leuten beim Hinauftragen der Einkäufe und anderer schwerer Gegenstände zu helfen.

Die Antwort der LEG: „Der Aufzug ist tatsächlich störanfällig und es fanden in diesem Jahr bereits diverse Reparaturen statt. Im September wurde ein defektes Teil festgestellt, für welches in Kürze kein Ersatzteil erhältlich war. Wir arbeiten jedoch mit Hochdruck mit dem zuständigen Dienstleister zusammen, um das Ersatzteil schnellstmöglich zu beschaffen. Leider kommt es insbesondere bei defekten Bauteilen von Aufzügen aufgrund der langen Lieferzeit oft zu größeren Verzögerungen. Über die Reparaturdauer und mögliche zeitliche Änderungen informieren wir das betroffene Haus laufend über Aushänge.“ Anfang der Woche wurde der Fahrstuhl nun repariert und die Bewohner müssen nicht mehr die Treppe benutzen. Dafür gehen nach Angaben von Graßmee das Licht im Flur und die Klingel nicht mehr ...

Am Großen Sandweg ging seit September der Fahrstuhl nicht.

Nach Bericht tut sich was an der Friesenstraße

Nachdem ein großes Loch im Badezimmer, aus dem es eine Zeit lang getropft hatte, nach drei Wochen nicht geschlossen worden war und es dauerhaft muffig roch, wendete sich Familie Caki an den WA. Nach der Kontaktaufnahme ging es an der Friesenstraße zum Teil voran. Am Montag nach dem Erscheinen des Artikels in der Zeitung und auf wa.de wurde das Loch gestopft und die Wand kurz darauf verfliest, berichtete Derya Caki.

Doch damit hatte es sich dann auch schon, ärgert sich Derya Caki.

Der Abzug der Toilette war beschädigt worden, die zudem wackelte und dadurch leckte. Nach mehreren Anrufen sollte eine Reparatur am Mittwoch erfolgen. Die neuen Fliesen an der Fläche sind glänzend, während die alten matt sind. Noch sind an vielen Stellen Flecken zu sehen. Größer ist das Problem, dass noch Feuchtigkeit im fensterlosen Bad ist, weil deswegen niemand vorbeikam.

Beobachtet hat sie, dass „im Gebäude fleißig Mitarbeiter“ waren. Auch bei ihren Nachbarn und an den Rohren im Keller wurde wohl in den vergangenen Tagen fleißig gewerkelt.

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