- VonStefan Gehreschließen
Die Wut ist groß: Vermutlich in aller Seelenruhe haben Kupferdiebe die historische Fördermaschine im Hammerkopfturm ausgeschlachtet - nicht der erste Vorfall.
Herringen/Pelkum – Es müssen Profis am Werk gewesen sein, denn ein Schraubenschlüssel recht nicht aus, um Anlagen wie die tonnenschwere Fördermaschine im Hammerkopfturm der – ehemaligen – Zeche Heinrich Robert zu bearbeiten. Aber genau das haben Kupferdiebe gemacht. Sie haben die Maschine mithilfe von schwerem Gerät in aller Seelenruhe zerlegt.
Mindestens eine Tonne Kupfer ist ihnen nach Einschätzung des – künftigen – Eigentümers Jürgen Tempelmann dabei in die Hände gefallen. Nachdem der die RAG Montan Immobilien als Noch-Eigentümerin über den Diebstahl informiert hatte, wurden seitens des Unternehmens weitere Sicherungsmaßnahmen vorgenommen. Am Montag werde man für eine Bestandsaufnahme vor Ort sein und sich den Schaden anschauen, so Stephan Conrad, Sprecher der RAG Montan Immobilien, gegenüber unserer Zeitung.
Alle Blaulicht-News jeden Abend per Mail: Abonnieren Sie unseren kostenlosen Polizei-Report.
Mindestens eine Tonne Kupfer gestohlen - und Beute aus mindestens 65 Meter Höhe herabgeworfen
Den Schaden an der historischen Fördermaschine entdeckt hatte am Donnerstag ein Elektriker, der wegen eines Kabels der Weihnachtsbeleuchtung auf den Hammerkopfturm musste. „Es sah alles noch ziemlich frisch aus“, sagt Tempelmann. Er geht davon aus, dass die Kupferdiebe dort in den vergangenen Tagen beziehungsweise Nächten ihr Unwesen getrieben haben. Und: „Vor etwa zehn Tagen waren Denkmalschützer vor Ort, um die Fördermaschine zu fotografieren. Da war noch alles in Ordnung.“
Wie Tempelmann weiter ausführte, habe man nach Entdeckung des Einbruchs am Turm eine Kamera angebracht. Und in der Tat: Am Donnerstag zwischen 21 und 21.30 Uhr sowie am Freitag gegen 3 Uhr wurden von ihr verdächtige Personen aufgezeichnet. „Offenbar waren sie mit ihrer Arbeit noch nicht fertig.“ Sie dürften sich mehrere Tage auf dem Gelände aufgehalten haben. „Denn so einfach lässt sich die Fördermaschine nicht zerlegen.“
Um das Kupfer – und möglicherweise auch andere Materialien – abzutransportieren, haben die Kupferdiebe den einfachsten Weg gewählt und einiges aus den Fenstern in rund 65 Meter Höhe geworfen, wie Spuren belegen. Das dürfte einigen Krach verursacht haben, so Tempelmann.
Wut auf Heinrich Robert: Sorge ums CreativRevier Hamm
Er, die RAG und die Polizei hoffen, dass das Anwohner möglicherweise mitbekommen haben – Anwohner, die vielleicht gedacht haben, dass es sich um „normale“ Arbeiten auf dem Bergwerk handelt. Sie werden gebeten, sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen.
Es hat schon früher Beschädigungen gegeben, aber längst nicht so groß wie jetzt am Hammerkopfturm.
Für Tempelmann, der den noch unter Bergaufsicht stehenden Förderturm und andere Gebäude wie die Maschinenzentrale erst in einigen Jahren übernehmen wird, ist das alles sehr frustrierend. Einbrüche habe es in der Vergangenheit auch schon in das ehemalige Betriebsratsbüro, in die Maschinenzentrale sowie in das Maschinenhaus gegeben. Auch dort seien Diebe am Werk gewesen, habe es Beschädigungen gegeben. „Aber längst nicht so groß wie jetzt am Hammerkopfturm.“ Ganz abgesehen davon verschlechtere sich der Zustand einiger Gebäude, die er demnächst übernehmen soll, zusehends.
Besonders deutlich werde das an der Maschinenzentrale. Hier müsse dringend etwas getan werden, so Tempelmann, der nach dem Einbruch neben der Polizei und der RAG Montan Immobilien auch die Denkmalschützer und den Oberbürgermeister informiert hat. Er verspüre wenig Lust, in einigen Jahren nur noch Schrott zu übernehmen, fand der Investor deutliche Worte. Tempelmann selbst gehören bereits einige Gebäude im CreativRevier, Heinrich Robert darunter die Verwaltung und der Lichthof. Sie wurden mittlerweile aus der Bergaufsicht entlassen. Das sind die Pläne für das Creativ Revier.
RAG prüft, wie sie verhindern kann, dass Unbekannte einfach eindringen
Doch was tun? Nach Angaben von Stephan Conrad hat die RAG Montan Immobilien in den vergangenen Jahren hier sowie an anderen ehemaligen Zechenstandorten alles Mögliche getan, um die Gebäude vor illegalen Zutritten zu schützen. Er stellte in diesem Zusammenhang aber auch die Frage, ob es richtig ist, noch teilweise stillgelegte Anlagen durch verschiedene Veranstaltungen immer wieder in den Fokus zu rücken. Dadurch würden Personenkreise, die dort nicht erwünscht sind, überhaupt erst auf sie aufmerksam.
Zu dem aktuellen Schaden an der Fördermaschine konnte Conrad noch nichts sagen und verwies auf die Begehung durch Mitarbeiter der RAG Montan Immobilien am Montag.