Vier junge Männer angeklagt

Übergriff auf vier Polizisten auf der Meile endlich vor Gericht

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Vier Jahre nach einem Übergriff auf Polizisten auf der Meile in Hamm kommt der Fall jetzt vor Gericht. Er hatte damals für Aufsehen und Fragezeichen gesorgt.

Hamm – Es ist ein Verfahren im Zeichen der Zahl vier: vier Angeklagte, vier Verteidiger, vier Opfer und vier Jahre sind seit der Tat vergangen. Am 17. Oktober beginnt vor dem Amtsgericht Hamm der Prozess gegen vier junge Männer, die am 24. August 2019 vier Polizisten angegriffen haben sollen. Diese waren in Zivil und privat im Umfeld der Südstraße unterwegs. Die Angeklagten (heute 24, 25 und zweimal 23 Jahre alt) müssen sich wegen gemeinschaftlich gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Der Fall hatte damals Aufsehen erregt, unter anderem weil NRW-Innenminister Reul zum Beistandsbesuch nach Hamm geeilt war und weil Aussagen zu den Geschehnissen von einem Opfer wenig später anders als ursprünglich beschrieben dargestellt worden waren. Langwierige Ermittlungen schlossen sich an, Corona folgte und schließlich eine schwierige Terminierung wegen der Vielzahl der Beteiligten.

Die Szenerie auf der Nassauer Straße nach der Attacke im Sommer 2019.

Polizisten auf der Meile angegriffen: privat unterwegs

An jenem 24. August sollen die Angeklagten im Bereich der Südstraße auf die vier Polizisten getroffen sein, die privat unterwegs waren. Nach einer verbalen Auseinandersetzung zwischen einem der Angeklagten und einem Geschädigten soll dieser Angeklagte die Hilfe seiner Mitangeklagten angefordert haben. Weitere bisher unbekannt gebliebene Personen sollen beteiligt gewesen sein.

Die Angeklagten sowie die weiteren Mittäter sollen laut Anklage offensichtlich Streit gesucht und auf die Geschädigten eingeschlagen und getreten haben. Zunächst sollen sich diese noch zur Wehr gesetzt haben, seien jedoch zu Boden gegangen. Die Angeklagten sollen massiv gegen die Köpfe von zwei Geschädigten getreten haben. Eines der Opfer soll durch einen unbekannten Täter Schnittverletzungen am Bauch davongetragen haben.

Weitere Verhandlungstermine sind am 19. Oktober und 9. November. Über ein Dutzend Zeugen sollen gehört werden.

Polizisten auf der Meile angegriffen: Jugendstrafrecht greift

Weil drei der jungen Männer zum Tatzeitpunkt 2019 noch unter 21 Jahre alt waren, wird gegen sie nach Jugendstrafrecht verhandelt. Beim vierten Angeklagten, der bereits 21 Jahre alt war, ist nach Erwachsenenstrafrecht zu urteilen. Zwei der vier Angeklagten waren vorher schon strafrechtlich in Erscheinung getreten, unter anderem wegen vorsätzlicher Körperverletzung.

Das mögliche Strafmaß bei einer Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht reicht von sechs Monaten bis zu zehn Jahren, in minder schwerem Fall von drei Monaten bis fünf Jahre. Eine Freiheitsstrafe von drei Monaten kann auch in 90 Tagessätze umgewandelt werden.

Auf der Meile kam es auch in jüngster Zeit mehrfach zu blutigen Auseinandersetzungen. Meilenwirte, Stadt und Polizei wollen daran arbeiten, solche Vorfälle künftig zu verhindern. Ein Gespräch ist vereinbart.

Rubriklistenbild: © Karsten Plaß

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