- VonFrank Lahmeschließen
Vor zwei Jahren wurde die gesamte Ukraine von Russland angegriffen. Seitdem herrscht in dem Land Ausnahmezustand, viele Menschen flohen — auch nach Hamm.
Hamm – Zwei junge Mütter mit ihren insgesamt fünf kleinen Kindern: Sie waren 2022 die ersten Ukraine-Flüchtlinge, die Hamm erreichten. Als Putin heute vor zwei Jahren einen 60 Kilometer langen Panzerkonvoi auf Kiew zurollen ließ, fiel bei ihnen die Entscheidung zur Flucht. Eine Woche später, am 2. März 2022, erreichten die Frauen mit ihren Sprösslingen die Stadt. Bekannte aus Deutschland hatten sie mit Privatautos abgeholt und bei Bekannten einquartiert.
„Wer kommt, wird einen Platz zum Schlafen und Verpflegung bekommen – das ist überhaupt keine Frage“, hatte Oberbürgermeister Marc Herter tags zuvor verkündet. 350 Plätze in den Hammer Übergangseinrichtungen waren da bereits in Windeseile für ukrainische Kriegsflüchtlinge hergerichtet worden. Viele, sehr viele Hammer wollten helfen, etwas spenden oder sich sonst wie nützlich machen. Die Stadt hatte eine Hotline eingerichtet, bei der die Drähte glühten. Medizinisches Personal, Übersetzer – vor allem aber Privatleute, die Wohnraum anzubieten hatten, meldeten sich.
Zwei Jahre Krieg in der Ukraine: Über 2000 Menschen flohen nach Hamm, viele blieben
Insgesamt kamen 2231 Menschen aus der Ukraine nach Hamm. Der überwiegende Teil waren Frauen mit ihren Kindern. Wie die Stadt mitteilt, haben 558 Menschen aus der Ukraine die Stadt inzwischen wieder verlassen. Sie seien entweder in ihre Heimat zurückgekehrt oder in andere Städte umgezogen. Aktuell seien es somit noch 1673 ukrainische Flüchtlinge, die in Hamm beherbergt sind.
Die allermeisten kamen in den ersten Monaten des Angriffskrieges nach Deutschland und nach Hamm. Im Jahr 2023 war die Welle schon erheblich abgeebbt. Wie es aus dem Rathaus weiter heißt, seien da lediglich noch 207 Ukrainer in Hamm angekommen; 43 davon lebten bereits nicht mehr in der Stadt. In diesem Jahr seien bislang erst neun Ukrainer nach Hamm gekommen.
Arbeitsquote der Geflüchteten liegt in Hamm unter dem Bundesschnitt
Die Erwerbsquote unter den in Hamm lebenden ukrainischen Kriegsflüchtlingen liegt unter dem Bundesschnitt. Das hatte der WA Anfang Januar 2024 berichtet. Maximal 12,5 Prozent gingen hier einer Arbeit nach, bundesweit waren es 17 Prozent. Miteingerechnet waren bei den Zahlen des Jobcenters auch diejenigen Ukrainer, die schon vor Kriegsbeginn nach Hamm gekommen waren. Das waren im Februar 2022 gerade einmal 110 Menschen. Weitere 72 hatten eine doppelte Staatsbürgerschaft.
Vitaliy Berestyan ist vor Jahren aus der Ukraine nach Hamm gekommen. Seitdem der Krieg dort tobt, fährt er immer wieder ins Krisengebiet und bringt Hilfsgüter vorbei. Bald will er wieder aufbrechen.
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