Finale der Champions League

„Das wird einmalig“: Hammer BVB-Fans reisen nach Wembley - mit und ohne Ticket

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Im Wembley-Stadion steigt am 1. Juni das Finale der Champions League. Borussia Dortmund träumte dort schon 2013 vom großen Coup.
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Der Traum von Wembley lebt, beim BVB und bei den Hammer Dortmund-Fans, die zum Champions-League-Finale nach London fahren. Dafür nehmen sie einige Strapazen in Kauf.

Hamm – Am 1. Juni spielt Borussia Dortmund im größten Spiel auf Vereinsebene im Wembley-Stadion gegen Real Madrid um Europas Krone.

Hammer BVB-Fans reisen nach Wembley - mit und ohne Ticket

„Die Vorfreude ist sehr groß“, sagt Torben Schroeter. „Das wird ein schwarz-gelbes London. Die Dortmunder Fans sind ja ziemlich reisefreudig“, so der Bockum-Höveler vom Fanclub Schwatt-Gelbe Hammer. „Für mich ist das das Spiel mit dem großen Impact in meinem Leben bis jetzt“, bringt Luca Kemper von den Geithe Borussen die Bedeutung der Partie auf den Punkt. „Wenn du live im Stadion im Finale die Champions-League-Hymne hörst, das ist schon Gänsehaut. Mehr geht nicht“, so der Rhyneraner Arnd Beuning.

Daher nehmen die Hammer Fans einiges in Kauf, um nach London zu kommen. Schroeter und seine Fanclub-Kollegen fahren am Freitagmorgen mit zwei Pkw und der Fähre in die britische Hauptstadt. Die Bockum-Höveler hatten Glück, denn aus dem rund 70-köpfigen Fanclub hatten sich acht Mitglieder fürs Finale beworben – genauso viele Karten erhielten sie auch. So gab es keine enttäuschten Gesichter.

500.000 Anfragen waren beim BVB eingegangen

Das war nicht bei allen so. Beim BVB sind über 500.000 Anfragen für Finaltickets eingegangen, selbst für Englands Fußball-Tempel, der 90.000 Zuschauer fasst, viel zu viele. Aber auch andere der acht Hammer Fanclubs durften sich über Karten freuen. Die Zuteilung der Tickets durch den BVB geschah am vergangenen Samstagabend. „Ich habe ab 18 Uhr im Sekundentakt auf Aktualisierung von meinem Mail-Postfach gedrückt“, sagt Beuning. Gegen 22 Uhr kam die erlösende Nachricht: Sechs Karten gab es für die Schwarz-Gelben 09er. Bei zehn Bewerbungen für den London-Trip wurde nach Vereinstreue und -Engagement verteilt. Bei den Geithe Borussen wurden die zehn Tickets unter 34 interessierten Fans verlost.

Die 09er fahren am Samstag um 4 Uhr mit dem Bulli los, mittags geht die Fähre, gegen 15 Uhr wollen sie im Hotel sein. „Dann zum Stadion und alles aufsaugen, was passiert“, sagt Beuning zum Plan bis zum Anpfiff um 21 Uhr. Mit im Fahrzeug sitzt dann auch Kemper. Während seine Fanclub-Kollegen schon am Freitag anreisen, ist er froh über diese Mitfahrgelegenheit. Denn für ihn wird es eine kurze Nacht: Der 21-Jährige kommt erst am 31. Mai aus dem Kos-Urlaub zurück, landet gegen 22 Uhr in Düsseldorf. Dann geht es nach Hause, „eine Mütze Schlaf, Klamotten packen und los“.

Luca Kemper (rechts) hat schon eine Hand am Henkelpott – auch wenn es nur der Pokal von der Südtribünen-Meisterschaft mit den Geithe Borussen im vergangenen Jahr ist.

„Ungeschreibliche Erlebnisse“ auch ohne Tickets

Nach Flügen haben die drei Hammer nur kurz gesucht. Der Preis sei zu hoch oder die verfügbaren Flughäfen zu weit weg, so Beuning. Kemper erzählt, dass kurz nachdem er wusste, dass er sein Ticket sicher war, pro Flug 500 Euro aufgerufen wurden. „Ich finde es sogar gemütlicher im Bulli“, freut sich Beuning ohnehin auf die Fahrt. Ein erstes Hotel hat Schroeter derweil schon nach dem Rückspiel-Erfolg im Viertelfinale gegen Atletico Madrid gebucht – am 16. April, aber mit Stornierungsoption natürlich. Am Freitagabend will er mit seinen Fanclub-Kollegen London erkunden, am Samstag mit den anderen Borussen gemeinsam vorfeiern.

„Da werden ganz viele Schwarz-Gelbe dabei sein, auch ohne Karten. Das wird eine ausgelassene Stimmung“, glaubt Arnd Beuning. Christian Ahlke und Matthias Chrismann sind zwei davon. Ahlke ging als Dauerkartenbesitzer bei der Verteilung leer aus, weiß aber aus seinen Erfahrungen bei DFB-Pokal-Endspielen in Berlin, dass sich die Fahrt auch ohne Ticket lohnt.

„Das werden unbeschreibliche Erlebnisse“, sagt der Heessener. „Dortmund im Finale, das wird einmalig“, glaubt Chrismann, der den Entschluss zum „Roadtrip“ schon nach dem Atletico-Spiel fasste. Nun geht es mit einem umgebauten Camper zu viert am Freitagnachmittag los. Früh am Samstagmorgen geht die Fähre ab Calais – eine Unterkunft hat das Quartett nicht. Tagsüber wollen sie sich unter die Borussen-Fans mischen. „Der BVB wird da wieder einiges vorbereiten“, meint Ahlke. Das Spiel wollen sie in einer Kneipe in der Nähe des Stadions schauen. Einige Pubs nehmen allerdings dafür schon Eintritt, erzählt Chrismann. Er musste sich ebenso wie Kemper - dem Brexit sei Dank - noch kurzfristig um einen Reisepass kümmern.

Christian Ahlke (links) und Matthias Chrismann fahren ohne Ticket nach London und wollen sich unter die Fans vor Ort mischen.

Im zweiten Anlauf klappt es mit Wembley - und dann mit dem eigenen Sohn

Schroeter hatte schon vor elf Jahren Karten für Wembley, als der BVB gegen Bayern München 1:2 unterlag. Doch er trat die Reise nicht an, weil seine Frau hochschwanger war. Nun schließt sich ein Kreis: „Jetzt nehme ich meinen Sohn Hannes mit“, wird es für die beiden ein besonderer Familienausflug. Wegen des Brückentags hat der Junior schulfrei.

Für Beuning ist es der zweite Trip nach London. „Das war einmalig“, sagt er über 2013. „Schon der Spielort bringt Gänsehaut. Wembley ist was Besonderes.“ Auch für Kemper: „Wembley ist ein Ort, wo jeder hin will, der Fußball liebt – und dann mit der eigenen Mannschaft...“

Torben Schroeter (rechts) war mit den „Schwatt-Gelben Hammern“ in dieser Saison mit dem BVB bereits in Mailand. Nach London kommen diese Fanclub-Kollegen aber nicht mit.

„In einem Spiel ist es möglich, Madrid zu schlagen“

Und aufm Platz? „ Mit Spielglück ist alles möglich, aber wir sind krasser Außenseiter“, sagt Schroeter. „Wir müssen noch mal eine Schüppe drauflegen, aber in einem Spiel ist es auch möglich, Madrid zu schlagen – und ich glaube daran“, meint Beuning. Nach Abpfiff wird je nach Ausgang entweder gefeiert oder es geht ins Hotel. Gegen Mittag wartet die Fähre. „Wenn es gut läuft, wollen wir noch was von der Feier in Dortmund mitnehmen“, hofft Kemper.

Das könnte zeitlich klappen. Um 16.09 Uhr soll dort am Sonntag im Erfolgsfall der Korso starten.

Arnd Beuning war schon beim DFB-Pokal-Endspiel in Berlin (Bild oben links) und 2013 sogar in Wembley.

Auch Bönener Dortmund-Fans sind auf dem Weg nach Wembley. Wer es hingegen nicht nach London schafft, der kann sich auf ganz viel Bier aus Dortmund in der Heimatstadt des BVB freuen.

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