- VonStefan Gehreschließen
Hamms wohl bekanntester Auswanderer, Gerd Willenberg, hat dramatische Wochen hinter sich. Ein Grund dafür, dass es Mr. Halloween an Halloween 2023 ruhiger angehen lässt.
Herringen – Nach einem dramatischen Sommer kann sich Gerd Willenberg wieder sorgenfrei das Geschehen in seiner alten Heimat verfolgen, das ihn in diesen Tagen besonders interessiert: Den „Machern“ des Halloween-Hauses an der Martinstraße, wo auch ein Teil des Equipments „seines“ Halloween-Hauses von der Jägerstraße zu sehen ist, wünscht er für die kommenden Tage alles Gute und viele Spenden für die WA-Aktion „Menschen in Not“.
Aus Gesprächen mit den Verantwortlichen wisse er, dass diese wieder viel Zeit in die Vorbereitungen gesteckt haben. Und angesichts der vielen Mühen seien „nur“ acht Öffnungstage fast schon zu kurz, findet Willenberg, dessen Grusel-Spektakel immer rund drei Wochen gedauert hat.
Er selbst gönnt sich in diesem Jahr eine Auszeit und wird in seiner Wahl-Heimat Kanada kein Halloween-Haus betreiben. Er habe den Kopf einfach nicht frei dafür, sagt Willenberg in Anspielung auf die Ereignisse dieses Sommers, die ihn fast Haus und Hof gekostet hätten. Denn Kanada erlebte in diesem Jahr die verheerendste Waldbrandsaison seit Beginn der Aufzeichnungen. Besonders betroffen war die Region um den Shuswap Lake, in der Willenberg seit rund dreieinhalb Jahren lebt.
Hier sowie in der gesamten Provinz British Columbia wurde am 18. August der Notstand ausgerufen, nachdem Trockengewitter und starke Winde die Brände angefacht hatten. Touristische Reisen in den betroffenen Gebieten wurden untersagt, da die Unterkünfte für Einsatzkräfte und Evakuierte freigehalten werden sollten. Auch Willenberg nahm in seinem Haus in Blind Bay Freunde auf, die ihr Haus verlassen mussten. „Und aktuell wohnen dort zwei Menschen, die beim Wiederaufbau der Infrastruktur rund um den See helfen.“
Waldbrände in Kanada: Autos waren schon gepackt
Willenberg selbst ist in diesem Jahr von Blind Bay ins rund 20 Kilometer entfernte Eagle Bay umgezogen, wo er zwei Seecontainer in ein kleines Haus umgebaut hat. „Ein Van und ein Pick Up waren gepackt“, erinnert sich Willenberg. Die Flammen hätten schon das Nordufer des Sees erreicht und seien nur noch wenige Kilometer von Blind Bay und Eagle Bay entfernt gewesen, so Willenberg, dem vor allem der Funkenflug große Sorgen bereitet hat. „Bei uns hat es am Ende zwar nicht gebrannt. Ein großes Problem war aber der Qualm, der zu uns rübergezogen ist – vor allem nach Blind Bay.“ Über Wochen habe ein beißender Brandgeruch in der Luft gelegen, so Willenberg.
Ihm gibt es zu denken, dass sich die Zahl der Waldbrände in Kanada in den letzten Jahren erhöht hat. „Brände hat es zwar auch schon früher gegeben, aber nicht so dramatisch wie in diesem Jahr.“ Dank zurückgehender Temperaturen und Regen habe sich die Situation mittlerweile deutlich entspannt. Aber Willenberg fragt sich: „Was ist im nächsten Jahr?“ Da mache man sich schon Gedanken. Sollte es 2024 erneut zu Waldbränden kommen und er um Haus und Hof, vielleicht sogar um sein Leben fürchten, werde er darüber nachdenken, das Land zu verlassen. Eine Alternative wäre Schweden. „Oder ich verbringe den Sommer in weniger gefährdeten Gebieten in Kanada.“
Die Folgen der Waldbrände waren auch in Europa zu spüren.