- VonStefan Gehreschließen
Rund 50 beleuchtete Trecker werden am 3. Advent durch Herringen und Pelkum fahren. Es ist jedoch keine reine „Vergnügungsfahrt“. Der Hintergrund ist ernst: Es geht um die Zukunft der Landwirtschaft.
Lerche/Sandbochum – Mit ihrer Lichterfahrt „Ein Funken Hoffnung“ am Sonntag, 17. Dezember, möchten die heimischen Landwirte den Menschen am Wegesrand zwar auch eine kleine Freude bereiten. Ihr Hauptanliegen ist aber ein anderes, wie Michael Köster vom Landwirtschaftlichen Ortsverein Pelkum-Lerche erklärt. „Für uns ist die Veranstaltung eine Demo, bei der wir auf die Probleme der Landwirte allgemein, insbesondere aber in Lerche und Sandbochum aufmerksam machen wollen“, so der Vorsitzende. Für die Lichterfahrt durch Pelkum und Herringen angemeldet worden seien 50 Fahrzeuge. Bereits an diesem Sonntag steigt im Hammer Osten eine Lichterfahrt.
Wie wichtig den Veranstaltern die Botschaft ist, betont auch Holger Milk. Zum Weihnachtsfest wünschten sich die heimischen Landwirte mehr Wertschätzung ihrer täglichen Arbeit als Beitrag zur Sicherung der Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen und günstigen Lebensmitteln aus heimischer Produktion. Das Hauptanliegen betreffe in diesem Jahr aber Hamm. „Naturschutz mit der Landwirtschaft und nicht gegen die Landwirtschaft“, so der Landwirt in Anspielung auf die geplante Ausweisung des Naturschutzgebiets Westliche Heidewälder.
Ein Funken Hoffnung: Naturschutz bremst Bewirtschaftung aus
Denn: Laut Milk erfolgt die nicht im Einvernehmen mit den betroffenen Landwirten. Dabei seien in erheblichem Umfang auch Ackerflächen in dem vorgesehenen Naturschutzgebiet betroffen.
Das Problem der Landwirte ist, dass nach Ausweisung des Naturschutzes auf diesen Flächen nicht mehr in vollem Umfang Landwirtschaft betrieben werden kann. Der sinnvolle und den Vorschriften entsprechende Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln werde komplett eingeschränkt, sagt er.
Ein Funken Hoffnung: Verschärfung durch neue EU-Verordnung
Als die Stadt Hamm den Beschluss gefasst hatte, das Naturschutzgebiet auszuweisen, waren diese Ackerflächen bereits mit in der Planung inbegriffen. „Aber zu diesem Zeitpunkt war eine Einschränkung der Nutzung noch nicht gegeben, daher regte sich auch kein großer Widerstand der Landwirte und Grundstückseigentümer“, so Milk. Später erst habe die EU eine Verordnung erlassen, wonach die landwirtschaftliche Nutzung in Naturschutzgebieten massiv eingeschränkt wird und einen Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln verbietet. Somit führe die Ausweisung des Naturschutzgebietes auf den betreffenden Ackerflächen zu erheblichen Nutzungsbeschränkungen und folglich zur starken Wertminderung der Flächen, was mit einer Enteignung gleichzusetzen ist. Milk: „Besonders fatal ist es, dass die Stadt diese veränderten Rahmenbedingungen komplett bestreitet und auch nicht kompromissbereit ist und eine Verkleinerung des Naturschutzgebiets ablehnt.“
Die Lichterfahrt 2023
Start der Lichterfahrt „Ein Funken Hoffnung“ ist am Sonntag, 17. Dezember, um 17 Uhr am Neuen Weg in Lerche. Folgende Route ist danach vorgesehen: Kerstheider Straße (17.05 Uhr), Kamener Straße (17.15 Uhr), Kleine Werlstraße (17.35 Uhr), Robert-Koch-Straße (17.40 Uhr), Wielandstraße (17.40 Uhr), Virchowstraße (17.45 Uhr), Große Werlstraße (17.50 Uhr), Wiescherhöfener Straße (17.55 Uhr), Wilhelm-Nabe-Straße (18 Uhr), Doenchstraße (18.10 Uhr), An der Spierkuhle (18.15 Uhr), Weetfelder Straße (18.20 Uhr), Kamener Straße (18.25 Uhr), Fangstraße (18.35 Uhr), Neufchâteaustraße (18.50 Uhr), Fritz-Husemann-Straße (18.55 Uhr), Ostfeldstraße (19 Uhr), Zum Torksfeld (19.10 Uhr), Fangstraße (19.15 Uhr), An den Kirchen (19.20 Uhr), Buschkampstraße (19.30 Uhr), Holzstraße (19.35 Uhr), August-Bebel-Straße (19.45 Uhr), Heidebach (19.50 Uhr), Karl-Marx-Straße (19.55 Uhr), Holzstraße (20 Uhr) und Sandbochumer Straße (20.05 Uhr). Die Veranstalter weisen darauf hin, dass es sich um Schätzzeiten +/- 20 Minuten handelt. Die genaue Route ist auch unter www.landwirtschaft-live.net/hamm einsehbar.
Ein Funken Hoffnung: „Betriebe in ihrer Existenz bedroht“
Durch dieses Vorgehen sehen Milk und seine Kollegen einzelne Betriebe in ihrer Existenz gefährdet, da die „gesamten bewirtschafteten Flächen komplett im Naturschutz liegen“. Aber auch andere Betriebe seien stark davon betroffen und müssten Ersatzflächen suchen. Das von der Stadt Hamm angebotene Flurbereinigungsverfahren schaffe hier nur langfristig Entlastung, während die Ausweisung ab dem nächsten Jahr greifen kann. „Womöglich liegen aber Ausgleichsflächen weit entfernt zu den betroffenen Betrieben in Sandbochum und Lerche, was einen erheblichen Mehraufwand bedeuten kann.“ Fraglich sei zugleich auch, dass die Stadt womöglich in die Haushaltssicherung rutscht und wer am Ende die Kosten des Flurbereinigungsverfahrens und den Erwerb von Flächen trägt.
Aus Sicht der Landwirtschaft werden hier unnötigerweise viele Flächen aus der Nahrungsmittelproduktion herausgenommen und Betriebe in ihrer Existenz bedroht. Mit einer kleineren und angepassten Ausweisung des Naturschutzgebiets könne das vermieden werden und zudem zu einer Entlastung des Haushalts führen, so Milk, der zudem darauf verweist, dass durch eine weiterhin mögliche Erweiterung des Inlogparcs sowie den Aus- und Weiterbau des Straßennetzes weitere wertvolle landwirtschaftliche Flächen verloren gehen würden. „Die Hammer Landwirte sind nicht gegen den Naturschutz, sondern möchten nicht allein die Kosten, in Form einer Einschränkung der Bewirtschaftung und somit einem Wertverlust ihrer Grundstücke, tragen. Sie möchten auf Augenhöhe mit der Stadt in die Planung einbezogen werden“, so die Botschaft.