Hat Hendrik Wüst seine CDU-Parteifreunde zulasten der A45-Brücke bevorzugt?
VonAlexander Schäfer
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Hat Hendrik Wüst (CDU) in seiner Zeit als NRW-Verkehrsminister die Wahlkreise von Parteifreunden und zulasten der maroden A45-Brücke bevorzugt? Ein Bericht legt das nahe.
Lüdenscheid/Düsseldorf – Die gesperrte A45-Brücke bei Lüdenscheid ist längst ein Politikum und wird kurzfristig erneut Thema im Verkehrsausschuss des Landtages von Nordrhein-Westfalen. Auf Antrag der SPD änderte sich am Dienstag (25. April) die Tagesordnung für Mittwoch (26. April). Die Sozialdemokraten haben eine sogenannte Dringliche Frage angemeldet: „Inwiefern hat der ehemalige Verkehrsminister Hendrik Wüst Kampagnen zu Straßenbauprojekten für CDU-Abgeordnete aus seinem Ministerbüro organisiert?“ Dabei geht es indirekt auch um die marode Brücke im Sauerland.
Politiker
Hendrik Wüst (CDU)
Position
NRW-Ministerpräsident
Geboren
19. Juli 1975 (Alter 47 Jahre), Rhede
Die Genossen verweisen in ihrer Anmeldung, die wa.de vorliegt, auf einen Bericht des Nachrichtenportals t-online. Demnach soll das NRW-Verkehrsministerium, das in der Zeit von 2017 bis 2021 unter Führung des heutigen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (CDU) stand, im Rahmen des „Masterplans zur Umsetzung des Fernstraßenbedarfsplans“ gezielte Öffentlichkeitsarbeit für Abgeordnete der CDU-Fraktion gesteuert haben.
Hat Hendrik Wüst seine CDU-Parteifreunde zulasten der A45-Brücke bevorzugt?
Wörtlich heißt es in dem Bericht: „Jährlich wurden Projekte nachträglich in den ‚Masterplan‘ aufgenommen. Und acht von zehn lagen in Wahlkreisen, für die CDU-Abgeordnete in den Landtag eingezogen waren. Damit wurde sogar geworben. Wüsts Büroleiter Thomas Dautzenberg orchestrierte die Öffentlichkeitsarbeit.“ Dabei sei, wie der SPD-Landtagsabgeordnete Gordan Dudas klarstellt, das Verkehrsministerium der parteipolitischen Neutralität verpflichtet. Dudas verlangt nun Klarheit darüber, ob das Verkehrsministerium Regierungs- und Parteihandeln miteinander vermischt habe.
Was hat das mit der A45-Brücke zu tun? T-Online wirft in seinem Bericht die Frage auf, ob Wüst Parteifreunde zulasten der Lüdenscheider Brücke – ohne Lobby, da in einem SPD-Wahlkreis gelegen – bevorzugte. Wüst hatte im Dezember 2022, am Jahrestag der Sperrung, gegenüber wa.de gesagt: „Priorisierungen von Projekten in einem solch sensiblen Bereich erfolgen aufgrund fachlicher Entscheidungen von Experten, die trifft man nicht politisch.“
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An dieser Aussage lässt die neue Berichterstattung nun zweifeln. „Aus t-online exklusiv vorliegenden Dokumenten des Verkehrsministeriums geht eindeutig hervor, dass die Politik bei der Priorisierung von Projekten eine Rolle spielte. Die Hausspitze unter Wüst machte Einfluss bei Planfeststellungsverfahren geltend, drang vereinzelt auf beschleunigte Prozesse – und wo Spielraum bestand, profitierten die Wahlkreise von CDU-Abgeordneten“, heißt es von t-online. Unter Verkehrsminister Wüst habe es durchaus von der Politik abgehangen, welche Projekte im Straßenbau angegangen wurden und welche nicht.
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In einer Sondersitzung des Verkehrsausschusses im Februar sagte Wüst mit Blick auf die Rahmedetalbrücke zu den Abgeordneten: „Ich kann Ihnen nicht bestätigen, dass das bei mir mit einem akuten Handlungsbedarf problematisiert worden wäre.“ Heißt das im Umkehrschluss, dass Wüst das Brückendesaster hätte verhindern können? Diese Frage will die Opposition im Landtag mit einem Untersuchungsausschuss beantworten. Am 4. Mai findet die erste Sitzung statt – drei Tage vor der geplanten Sprengung der Brücke am 7. Mai in Lüdenscheid.
A45-Brücke in Lüdenscheid:
Wie viel Sprengkraft für die politische Karriere von Wüst hat die jüngste Berichterstattung? In der Opposition geht man davon aus, dass der Untersuchungsausschuss noch mehr Unangenehmes für den NRW-Ministerpräsidenten ans Tageslicht bringen wird. „Ich schätze die Arbeit von Wüst als Verkehrsminister. Er hat nichts dem Zufall überlassen“, äußerte sich Christof Rasche am Dienstag gegenüber wa.de vielsagend. Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion war zu Zeiten von Wüst im Verkehrsministerium und später in der Staatskanzlei Koalitionspartner der CDU.
In der letzten Phase der schwarz-gelben Ehe vor der Landtagswahl soll, wie man aus alten Regierungskreisen hört, Wüst den Koalitionspartner häufiger links liegengelassen haben. Wüst habe seine Arbeit allein auf den Erfolg der CDU ausgerichtet.