Hattingen

Einst wurde hier Stahl produziert – jetzt ist die Henrichshütte ein beliebtes Ausflugsziel

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150 Jahre lang wurde in der Henrichshütte in Hattingen Eisen verarbeitet. Hier gibt es den ältesten Hochofen im Revier und die Industrievergangenheit ist noch immer spürbar.

Hattingen – Wie ein Portal in eine andere Zeit wirkt das Gelände der Henrichshütte in Hattingen in NRW. Hier wurde bis 1987 Stahl produziert. Heute ist das Areal mit dem ältesten Hochofen im Revier ein Museum zum Anfassen – ähnlich wie das Bergwerk der Zeche Zollverein in Essen.

Ausflug zur Henrichshütte – und in die Welt der Stahlproduktion eintauchen

Zu seiner Blütezeit arbeiteten gut 10.000 Menschen in dem Stahlwerk nahe der Ruhr. Heute kann man den Weg von Erz, Koks und Kalk bis zum flüssigen Roheisen bei einem Rundgang durch das Gelände nachvollziehen.

Der führt hinauf auf den alten Hochofen. Von dort geht es über eine Treppe hinunter in die Gießhalle, das Herz der Hochofenanlage. Hier wurde das Eisen verarbeitet, das eine Temperatur von 1.400 Grad erreichen konnte.

Die Henrichshütte in Hattingen

► In den 1850ern war das Ruhrtal bereits industrialisierter Raum. In den Zechen wurde Braunkohle gefördert, die Ruhr diente als Transportstraße.

► Mit der Entdeckung von Eisenvorkommen boten sich in Hattingen günstige Voraussetzungen für ein modernes Eisenhüttenwerk, das die Familie des Grafen Henrich von Stolberg-Wernigerrode dort errichtete. Von dem Grafen soll das Areal auch seinen Namen bekommen haben.

► In seiner knapp 150-jährigen Geschichte wurde in Hattingen Eisen und Stahl erzeugt, gegossen, geschmiedet und gewalzt.

► Schienen und Radsätze für die Eisenbahn, Panzerbleche und Granaten wurden dort ebenso hergestellt wie Teile für die Weltraumindustrie.

►Mit dem Einbruch der Rohstahlproduktion in den 1970ern begann auch das Ende der Henrichshütte. 1983 wurden dort die ersten Anlagen stillgelegt. Die ersten Mitarbeiter verloren ihre Jobs.

► Als der damalige Besitzer Thyssen 1987 das Ende der Henrichshütte bekannt gab, löste das eine Welle von Protestaktionen in Hattingen aus. Mit dem endgültigen Aus fielen weitere 3000 Stellen weg.

► Neben einer Menschenkette gab es auch einen Hungerstreik einiger Frauen in Hattingen. Den Stopp des Stellenabbaus konnten die Proteste nicht verhindern. Aber es gab Einigungen für einen sozialverträglichen Abbau der Arbeitsplätze.

Die Henrichshütte ist heute ein Ausflugsziel für die ganze Familie

Auf dem Rundgang gibt es Videos und Fotos zu sehen, die ehemalige Mitarbeiter zeigen: Die berichten von ihrer Arbeit im Stahlwerk. Hundert von ihnen sind auf der Text-Collage „100 Hüttenleben“ am äußeren Zaun des Geländes zu sehen. Sie bilden eine Menschenkette und erinnern an den Protest gegen die Schließung des Werks im Jahr 1987.

Die Henrichshütte in Hattingen ist heute ein Industriemuseum.

Die Öffnungszeiten der Henrichshütte

► Dienstag bis Sonntag, sowie an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. (Der letzte Einlass ist um 17 Uhr.)

► Montags ist die Henrichshütte – außer an Feiertagen – geschlossen.

Neben dem Rundgang durch das Stahlwerk gibt es etwa den „grünen Weg“, der zeigen soll, wie die Natur nach der Schließung wieder ihren Weg auf das Gelände fand. Interessierte können dabei wilden Majoran entdecken, erfahren, wo dort Schmetterlinge und Turmfalken zu Hause sind und welche Tiere mit den Rohstoffen aus aller Welt nach Hattingen kamen.

Die Anfahrt zur Henrichshütte in Hattingen?

► Die Henrichshütte liegt an der Werksstraße 31-33 in 45527 Hattingen.

► Mit dem Auto ist die Henrichshütte über die Ausfahrt „Witten-Herbede“ auf der Autbahn A3 zu erreichen. Von dort geht es über die Blankenheimer Straße Richtung Hattingen. Von dort führen Hinweisschilder zur „Route der Industriekultur“ bzw. zum „LWL-Industriemuseum“.

► Mit dem Öffentlichen Nahverkehr erreicht man die Henrichshütte etwa vom Hauptbahnhof in Essen mit der Linie S3 bis Hattingen Mitte, von dort führen verschiedene Buslinien (554, SB38, 350 und SB37) zur Henrichshütte.

► Vom Hauptbahnhof in Bochum fahren die Buslinien 350 und SB37 zur Henrichshütte.

► Vom Busbahnhof Hattingen-Mitte gibt es S-Bahn-Verbindungen von und nach Essen und Oberhausen.

Kinder erfahren mehr über die Henrichshütte, wenn sie dem „Weg der Ratte“ folgen. Das blaue Maskottchen taucht immer wieder auf dem Gelände auf und zeigt an, dass es hier für Kinder etwas zu entdecken gibt.

Das Gelände der Henrichshütte in Hattingen lädt zu einer Zeitreise ein.

Kunst, Kino und besondere Rundgänge in der Henrichshütte in Hattingen

Neben den Dauerausstellungen zu Arbeit und Leben im Stahlwerk gibt in es in der Henrichshütte wechselnde Ausstellungen. Von Fotografie bis Kunst gibt es hier in wechselnden Abstände einiges zu sehen. Vom Restaurant in der Henrichshütte blicken Besucherinnen und Besucher in die historische Halle. Hier gibt es von Kaffee bis zum Mehrgänge-Menü ein breites Angebot.

Eintrittspreise für die Henrichshütte

►Erwachsene zahlen 5 Euro

►Erwachsene in Gruppen ab 16 Personen: 4,50 Euro

► Kinder und Jugendliche bis 17 sowie Schulklassen haben freien Eintritt

►Der ermäßigte Eintritt kostet 2,50 Euro. Darunter fallen unter anderem Studierende bis 30 Jahre, Auszubildende, Menschen mit einem Grad an Behinderung ab 50, Freiwilligendienstleistende und Menschen, die Sozialleistungen beziehen.

Bei Führungen können die Besucherinnen und Besucher das Gelände und seine Geschichte noch besser kennenlernen – sei es mit bei einem Rundgang mit Kopflampen am späten Abend oder beim Hüttenkino, wo auch mal ein Science-Fiction-Film zu sehen ist. (ebu)

Rubriklistenbild: © IMAGO/imageBROKER/Stefan Ziese

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