VonDaniel Schröderschließen
Die Soester Kreishaus-Kantine „Amtsschimmel“ muss schließen. Die Spätfolgen der Corona-Pandemie sind für das Pächter-Ehepaar nicht mehr zu stemmen.
Soest – Im „Amtsschimmel“, der Kantine im Erdgeschoss des Soester Kreishauses, geht am 13. September der Ofen aus. In der Kantine selbst wird es danach weitergehen: Unklar ist allerdings noch, wann und mit welchem Angebot.
„Ja, die Kreishaus-Kantine ‘Zum Amtsschimmel’ schließt“, bestätigt Kreis-Sprecherin Susanne Schulte-Nölle gegenüber unserer Redaktion. „Letzter Betriebstag ist der 13. September. Aktuell wird die Kantine noch von dem Pächter-Ehepaar Bettina und Patrick Neubert betrieben. Die beiden sind selbst von dem Pachtvertrag zurückgetreten“, so Schulte-Nölle.
Arbeit und Einsatz lohnen sich nicht mehr
Und das offenbar aus gutem Grund: „Seit Corona sind meine Frau und ich hier nur noch zu zweit, mit einer Zweieinhalbstunden-Aushilfe. Das reicht nicht, es ist einfach zu viel Arbeit“, erklärt Kantinen-Chef Patrick Neubert. Bei immer größer werdenden Herausforderungen lohnen sich Arbeit und Einsatz nicht mehr, wie noch vor der Pandemie. „Wir waren vorher zu fünft. Jetzt leisten wir die Stundenanzahl zu zweit. Meine Frau ist Restaurant-Fachfrau und steht täglich in der Küche und macht Salate oder schmiert Brötchen. Das kann man mal eine Zeit lang machen, aber nicht auf Dauer. Wenn man das vier Jahre lang zu zweit so macht, dann schlaucht das sehr. Bei 60 Wochenstunden pro Kopf bleibt keine Zeit mehr für Hobbys, bei denen man sich vorher einen Ausgleich schaffen konnte.“
„Amtsschimmel“ schließt: „Das Homeoffice haut extrem rein“
Ein Aspekt, der unmittelbaren Corona-Zusammenhang hat, brach dem „Amtsschimmel“ und seiner Wirtschaftlichkeit letztlich das Genick: „Corona sorgte nicht nur dafür, dass die Mitarbeiter abgehauen sind und nicht mehr wiederkamen. Das Homeoffice haut extrem rein, auch die Mehrwertsteuererhöhung können wir nicht auffangen. Es ist ein unrentables Geschäft geworden. Selbst wenn ich also einen Mitarbeiter fände – ich könnte ihn nicht bezahlen.“
Dass ums Homeoffice aus Sicht der Kreisverwaltung kein Weg führt, versteht der Kantinen-Chef: „Die Bewerber wollen zwei Tage die Woche von zu Hause aus arbeiten. Es ist ein Teufelskreis: Die Verwaltung braucht gute Mitarbeiter, muss ein attraktiver Arbeitgeber sein. Ich verstehe das. Doch für uns bedeutet es im Umkehrschluss, dass zwei Tage pro Woche ausfallen“, schildert Patrick Neubert und prophezeit: „Es wird immer Homeoffice geben. In der Zukunft vermutlich noch mehr. So wird es immer schwieriger.“
2010 hatten die Neuberts aus Ense die Kreishaus-Kantine übernommen: „Es war wirklich eine schöne Arbeit, es hat immer Spaß gemacht, wir haben Freunde gefunden und tolle Bekanntschaften gemacht. Doch jetzt sind die Gegebenheiten so wie sie sind. Für Familienunternehmen wird es immer schwerer werden. Jetzt übernimmt eine große Firma die Kantine. Neubert dankt der Verwaltung: „Die haben immer zu uns gestanden, wir hatten ein sehr, sehr, sehr gutes Verhältnis.“
Dussmann übernimmt: Noch ist unklar, wann und wie es weitergeht
Für den Weiterbetrieb der Kantine habe es „mehrere Bewerber gegeben“, erklärt Susanne Schulte-Nölle. Den Zuschlag bekam die Firma Dussmann Service Deutschland GmbH mit Hauptsitz an der Friedrichstraße in Berlin. Die Kreis-Sprecherin erklärt, dass noch unklar sei, wann der Kantinenbetrieb nach dem „Amtsschimmel“-Ende wieder startet und wie das Angebot dann aussehen wird. Diese Fragen seien „Bestandteil weiterer Gespräche“. Klar sei: „Die Kantine soll auch künftig sowohl für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kreishauses als auch für alle Bürgerinnen und Bürger geöffnet sein.“
Für uns ist ein Lebenstraum kaputtgegangen.
Wie es beruflich für Patrick und Bettina Neubert weitergeht, ist noch ungewiss. Eines wissen beide aber jetzt schon: „Noch sind wir in einem Alter, in dem wir vielleicht noch etwas Neues finden. Wir machen erstmal Urlaub, den brauchen wir, der Akku ist leer. Für uns ist ein Lebenstraum kaputtgegangen. Ich denke, wir müssen erstmal den Puls runterfahren, das Ganze sacken lassen und Kräfte sammeln“, sagt Patrick Neubert, während er auf 25 Arbeitstage in der Kreishaus-Kantine blickt, die noch vor ihm und seiner Frau liegen.
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