VonEva Burghardtschließen
Schloss Horst in Gelsenkirchen ist eines der ältesten Renaissance-Schlösser im Ruhrgebiet. Es war lange verfallen. Heute ist es nicht nur ein Ausflugsziel.
Gelsenkirchen – Mitten im Ruhrgebiet steht ein altes Schloss. Es ist fast 500 Jahre alt und war zu seiner Zeit architektonisch der letzte Schrei: das Schloss Horst in Gelsenkirchen (NRW). Es gilt als eines der ältesten und bedeutendsten Renaissance-Bauten des Ruhrgebiets. „Wiedergeburt“ bedeutet das französische Wort. Das beschreibt die Geschichte von Schloss Horst tatsächlich passender als gedacht: Viele Jahrzehnte war es nämlich verfallen, bevor es als Ausflugsziel und Veranstaltungsort wieder aufgebaut wurde.
Altes Schloss in Gelsenkirchen entstand im 16. Jahrhundert
In Gelsenkirchen gibt es einige kuriose Ausflugsziele, doch nur wenige sind so alt. Bis ins 12. Jahrhundert lässt sich die Geschichte des Adelssitzes zurückverfolgen, heißt es auf der Website vom Förderverein des Schlosses. Demnach lebten dort die Mitglieder der Adelsfamilie Horst, nach der das Schloss auch benannt ist. Zunächst stand dort nur eine „bescheide Hofanlage“, schreibt der Förderverein. Doch mit der Zeit und den Generationen soll dort eine prächtige Burg entstanden sein.
Dann kam der Adelsmann Rutger von Horst. Er soll die Burg im Jahr 1547 von seinem Vater geerbt haben und wollte sie nach seinen ganz eigenen Vorstellungen umgestalten. Wäre da nicht das Feuer im Jahr 1554 gewesen. Wie der Förderverein schreibt, wurde die Burganlage dabei wohl stark beschädigt.
Schloss Horst in Gelsenkirchen
► Wohl seit dem Ende des 12. Jahrhunderts steht in Gelsenkirchen-Horst ein Schloss.
► Mit den Jahren wurde die einfache Hofanlage zu einer Burg ausgebaut.
► Im Jahr 1547 erbte Rutger von Horst die Burg und wollte sie noch einmal umgestalten.
► Doch bei einem Feuer im Jahr 1554 wurde sie zerstört.
► Von Horst beschloss noch im selben Jahr, sie wieder aufbauen zu lassen – in einem besonderen Renaissance-Stil.
►Baumeister des neuen Schlosses war Arnt Johannsen toe Boecop aus den Niederlanden. Er war Baumeister der Stadt Arnheim.
►20 Jahre dauerte die Bauzeit, dann war das Schloss fertig und hatte für Westfalen eine „völlig neuartige Konzeption“ mit quadratischem Grundriss und besonderen Türmen.
►Weil der Untergrund des Landes an der Emscher zu weich war, verfiel das Schloss immer mehr.
► Erst Ende der 1990er wurde es durch den Einsatz eines Fördervereins wiedereröffnet.
►Heute finden auf Schloss Horst Hochzeiten und andere Veranstaltungen statt.
►Im angebundenen Museum ist das Leben zur Zeit des 16. Jahrhunderts in einer Ausstellung nachgestellt.
(Quelle: Förderverein Schloss Horst)
Burg in Gelsenkirchen fiel schon einmal einem Brand zum Opfer
Doch von dem Brand ließ sich der Rutger von Horst nicht unterkriegen und beschloss noch im selben Jahr, die Burg wieder aufzubauen. Sie sollte im Stil des niederländischen Manierismus entstehen, einer besonderen Bauart zur Zeit der Renaissance. Es dauerte 20 Jahre, bis der neue Bau fertig war. In Gelsenkirchen stand nun ein Schloss mit quadratischem Grundriss und zwei Ecktürmen – sogenannte „welsche Hauben“. Darunter versteht man eine besondere Form von Turmdächern. Sie sind geschwungen und ähneln einer Glocke.
Dazu gab es noch zwei höhere Gebäude im Nordwinkel und zwei eingeschossige Galeriegänge, die den Innenhof umschließen sollten. Der Förderverein von Schloss Horst spricht von einer „für Westfalen völlig neuartigem architektonischer Konzeption“ für die damalige Zeit.
Schloss Horst in Gelsenkirchen verfiel mit der Zeit immer mehr
Doch der prächtige Bau verfiel mit den Jahren immer mehr, „trotz intensiven Erhaltungsbemühungen der Eigentümer“, wie es auf der Website heißt. Schuld daran war unter anderem der Untergrund. Der war im Gebiet der Emscher nämlich besonders weich. Dafür war das Fundament der Anlage aber nicht geeignet.
Und so blieb nicht viel übrig von der Burg. Nach 1850 wurde ein Teil der Anlage noch von der Landwirtschaft genutzt. Bis in die 1970er diente sie für eine Weile als „Volkserholungsstätte“, wie der Förderverein schreibt. Doch danach erfolgte ein „erneuter Niedergang“. Erst in den 1980er gründete sich der Förderverein, der die Schlossanlage retten wollte.
Heute ist die Anlage in Gelsenkirchen ein Ort für Veranstaltungen und Ausflüge
Es dauerte mehr als zehn Jahre, dann stand Schloss Horst wieder. Am 13. August wurde es dann als „Kultur und Bürgerzentrum mit integriertem Standesamt und gepflegter Gastronomie der Öffentlichkeit übergeben“, schreibt der Verein. Und tatsächlich scheint die „Wiedergeburt“ dieses Mal erfolgreich gewesen zu sein. In dem Schloss finden regelmäßig Veranstaltungen sowie Hochzeiten statt. Damit ist Schloss Horst nur eine von vielen Burgen in NRW, die einen Ausflug wert sind.
Heute dort noch eine Ausstellung im Museum des Schlosses an dessen Entstehungszeit. Beim Rundgang durch die Räume des Schlosses bekommen Interessierte Antworten auf die Frage: Wie haben die Menschen im 16. Jahrhundert gelebt und gearbeitet? In dem Schloss sind außerdem die Stadtbibliothek und das Standesamt untergebracht. In dem großen Schlosspark gibt es einen Spielplatz für Kinder. (ebu)
Rubriklistenbild: © Hans Blossey/imago



