VonMartin von Braunschweigschließen
Sechs Monate nach der tödlichen Messerattacke in der Hochschule Hamm-Lippstadt sind die dramatischen Ereignisse den meisten Augenzeugen noch immer sehr präsent. Das wurde bei der Vernehmung der Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeiter vor dem Dortmunder Schwurgericht deutlich.
Dortmund/Hamm – Am Tattag, dem 10. Juni, lief an der Hochschule eine ganztägige Tagung. Entsprechend viele Personen waren in den Vorräumen, auf den Fluren und dem großen Hörsaal beschäftigt. Die ersten drei Messerattacken auf Studierende im Foyer bekamen jedoch die wenigsten sofort mit. „Ich bin erst aufmerksam geworden, als mein Freund neben mir plötzlich laut aufschrie“, erinnerte sich ein 22-jähriger Student vor Gericht. „Mein nächster Gedanke war dann: Renn’, so schnell du kannst.“ (Hier klicken für unsere Artikel zum Thema.)
Der Zeuge spurtete damals über die Flure der HSHL, warnte dabei jeden, der ihm entgegenkam, und erreichte schließlich die Freifläche vor dem Eingang. Erst da habe er bemerkt, dass noch mehrere Personen verletzt worden waren. Von dem letztlich tödlichen Angriff auf eine Gastdozentin im Hörsaal ahnte er allerdings noch nicht.
Diese Attacke bekamen zwei wissenschaftliche Mitarbeiter der Hochschule aus unmittelbarer Nähe mit. Beide saßen in der vierten Reihe, vor ihnen nur das spätere Opfer. Der Täter sei laut polternd durch die Tür gekommen, habe sich sofort auf die Frau zubewegt und dabei gerufen: „Jetzt ist Schluss! Jetzt bist du dran!“, so die Zeugen.
Bluttat an der HSHL: „Er hat versucht, sich aus meinem Griff zu entwinden“
Einem der Mitarbeiter gelang es, nach dem ersten Stich den Arm des Täters zu ergreifen und nicht mehr loszulassen. „Er hat versucht, sich aus meinem Griff zu entwinden, dabei aber keinen aktiven Angriff unternommen“, sagte der 26-Jährige den Richtern. Zusammen mit mehreren anderen Studenten habe man den Amokläufer schließlich zu Boden gebracht und bis zum Eintreffen der Polizei fixiert.
Der 34-jährige Beschuldigte verfolgte sämtliche Zeugenaussagen ohne jede äußere Regung. Er hat die Tat bereits gestanden und dabei erklärt, er habe sich an allen Personen an der Hochschule „rächen“ wollen. Der Mann leidet an paranoider Schizophrenie und bildet sich bis heute ein, dass er von einem ihm unbekannten „Clan“ verfolgt und mit dem Tod bedroht wird.
