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Die Wohnsituation in Dortmund ist weiterhin angespannt. Jetzt sehen Experten vor allem ein Problem, das viele Lebensträume betrifft. Worum geht es?
Dortmund – Miete oder Eigentum? Diese Frage können sich 2023 scheinbar nur noch wenige stellen. Erst vor kurzem verkündete die Stadt Dortmund eine Hiobsbotschaft zum Thema Wohnungssuche. Jetzt zeigt ein Institut, warum auch der Traum von den eigenen vier Wänden oft unerreicht bleibt. Sie suchen aber auch nach Lösungen. RUHR24 berichtet.
„Düstere Prognose für Wohnmarkt“ – Eigentumsquote in Dortmund liegt bei 27,8 Prozent
„Schlechte Chancen auf ein Wohnen in den eigenen vier Wänden“, so lautet der erste Satz einer Pressemitteilung des Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) zum Wohnmarkt in Dortmund. Gemeinsam mit Forschern des Pestel-Instituts beschäftigten sie sich unter anderem mit Wohneigentum.
Der BDB schreibt: „In Dortmund gibt es rund 87.100 Wohnungen, für die keine Miete bezahlt werden muss.“ Damit läge die Eigentumsquote bei 27,8 Prozent. Die Zahlen des Pestel-Instituts liegen damit sogar über denen des Dortmunder Wohnungsmarktberichts 2022 (24 Prozent) und lassen einen positiven Trend vermuten. Die Experten liefern dennoch eine „düstere Prognose“ (mehr News aus Dortmund auf RUHR24).
„Wohneigentum auf der Rutschbahn“ – Baugenehmigungen in Dortmund gehen deutlich zurück
Laut Pestel-Institut befindet sich „das Wohneigentum in Dortmund weiter auf der Rutschbahn“. Ein Grund seien vor allem die Baugenehmigung, die innerhalb nur eines Jahres um 74 Prozent zurückgingen. Im ersten Halbjahr 2022 seien beispielsweise noch 128 Anträge für Ein- und Zweifamilienhäuser genehmigt worden. 2023 waren es zum gleichen Zeitpunkt nur 33 Genehmigungen. Aber warum?
„Wohneigentum scheitert am Geld“, ist die klare Antwort des BDB. Wegen hohen Zinsen und Baukosten sei Eigentum für viele unerschwinglich. Auch die teuren Klimaschutzauflagen seien nicht förderlich. Dabei spricht der Verband in der Pressemitteilung sogar von „platzenden Träumen in Serie“ und einer „Schockstarre“ auf dem Wohnungsmarkt in Dortmund. Aber was ist die Lösung?
„Völlig an der Lebensrealität vorbei“ – Institutsleiter fordert Milliarden-Paket
„Der Staat muss dringend ein effektives Programm auf die Beine stellen“, sagt Institutsleiter Matthias Günther. Der Forscher denkt dabei an ein milliardenschweres Darlehenspaket des Bundes. Damit soll der Neubau von Häusern und Eigentumswohnungen erleichtert werden. Das Institut schlägt vor, ein Bundes-Baudarlehen mit festem Niedrigzins (maximal 1,5 Prozent) für mindestens 20 Jahre einzuführen. Für die aktuelle Förderung hagelt es Kritik.
Seit Juni 2023 erhalten Familien finanzielle Hilfe vom Staat für den Haus- oder Wohnungskauf. Laut BDB geht das 350-Millionen-Euro-Paket aber „völlig an der Lebensrealität vorbei“. Die Unterstützung gelte nur für Menschen mit niedrigem Einkommen, die aber gleichzeitig genug Geld bräuchten, um Baukosten oder Grundstückspreise zu tragen. Zudem würde die Summe nicht den Bedarf an Eigenheimen decken.
Für Dortmund sieht das Pestel-Institut vor allem eine Lösung der Eigentumsproblematik. Der Neubau von Reihenhäusern sei „eine attraktive Variante fürs Wohnen im Eigentum“, weil sie geringere Baukosten und ein gutes Verhältnis von Wohn- und Grundstücksfläche bieten.
Trotzdem müsse der Staat mit einem Bundesdarlehen erst den Weg ebnen. Darauf dürften auch viele Dortmunder hoffen, die weiterhin von ihrem Eigenheim träumen.
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