Duisburg in NRW

Stadt ist jetzt größer, weil 200 Meter dazugekommen sind

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Im Duisburger Hafen entsteht ein neues Terminal. Die Stadt will damit eine Schlüsselposition beim Thema Wasserstoff einnehmen. Damit das klappt, musste neues Land gewonnen werden.

Duisburg – Gerade geht alles so schnell, dass sogar Alexander Garbar manchmal auf der Baustelle nach dem Weg fragen muss. „Wenn man ein paar Tage nicht hier war, sieht es schon wieder anders aus“, sagt der Leiter der Unternehmensentwicklung vom Duisburger Hafen (Duisport), während der Bus zwischen Baumaschinen hindurch über die Buckelpiste der riesigen Baustelle rattert. Auf über 235.000 Quadratmetern entsteht auf der sogenannten Kohleinsel das Duisburg Gateway Terminal (DGT), Mitte 2024 soll es fertig sein: Künftig sollen im neuen Hafenabschnitt vor allem Wasserstoff und Derivate wie Ammoniak umgeschlagen werden. Im Zuge der bundesweit angestrebten Dekarbonisierung wird die Industrie die neuen Energieträger irgendwann dringend brauchen – und der Duisburger Hafen will die zentrale Rolle bei der Verteilung spielen. Damit das klappt, musste sogar neues Land geschaffen werden. Mitten in der Ruhr, kurz vor der Einmündung in den Rhein.

Neue Landzunge im Hafen von Duisburg

Im Duisburger Hafen ist ein neues Stück Land geschaffen worden. Am Ende der Landzunge soll künftig eine Brücke nach rechts über die Ruhr führen.

200 Meter ragt die neue Landzunge ins Hafenbecken am südlichen Ende der Insel, wo einst große Mengen Kohle gelagert wurden. Direkt nebenan hatte erst vor wenigen Monaten ein gewaltiges Feuer auf einem Schrottplatz für eine kilometerhohe Rauchsäule über Duisburg gesorgt. „Früher war hier noch Wasser“, erklärt Garbar. Das musste erst einmal abgepumpt werden, damit Fundamente gelegt werden konnten. Nach und nach haben Arbeiter dann auf Spundwände, die das Gebilde abdichten sollen, Erde und Kies aufgeschüttet. Insgesamt 360.000 Tonnen Verfüllboden, 1.500 Tonnen Spundwandstahl, 231 Stück Anker und 678 Tonnen Stahlrohre wurden hier verarbeitet.

Knapp zwei Jahre später ragt jetzt das neue Stück Land wie ein Schiffsbug in die Ruhr. „An der Spitze könnte man glatt die berühmte Titanic-Szene nachdrehen“, sagt Garbar.

Alexander Garbar, Leiter Unternehmensentwicklung bei Duisport, vor den frisch verlegten Gleisen am Gateway Terminal in Duisburg: Hier soll künftig unter anderem Wasserstoff per Schiff, Bahn und Lkw transportiert werden.

Lkw sollen direkt zur A40 in Duisburg geleitet werden

Grund für die Landgewinnung: der Bau einer Brücke. Zwar sollen die Güter zu 80 Prozent per Schiff und Bahn transportiert werden, aber auch Lkw spielen nach wie vor eine wichtige Rolle. In einem Einbahnstraßensystem sollen die künftig von der A59 aufs Gelände auffahren und auf der anderen Seite das Gateway in Richtung A40 wieder verlassen. So soll der Stadtverkehr in Duisburg möglichst wenig beeinträchtigt werden. Dafür ist eine neue Brücke im Süden der Insel nötig – hier lagert allerdings Gefahrgut in großen Tanks und Silos. Und das muss mindestens 50 Meter von Bauwerken wie Brücken entfernt sein, so will es die Landesbauordnung von NRW. „Gefahrgutlager kann man schlecht mal eben abbauen und woanders hinstellen“, erklärt Garbar. Die Lösung: Die Brücke wird weiter südlich gebaut, dafür musste neues Land aufgeschüttet werden. Kosten: Knapp neun Millionen Euro. „Wir nennen es gern unser teuerstes Stückchen Land“, sagt Alexander Garbar.

Duisburg Gateway Terminal: Zusätzliches Modul nur für Binnenschiffahrt

► Der Duisburger Hafen (Duisport) ist der größte Binnenhafen weltweit. Jedes Jahr werden dort über 20.000 Schiffe und 25.000 Züge abgefertigt sowie Millionen Container umgeschlagen.

► Zum zweiten Quartal 2024 soll das klimaneutral betriebene neue Duisburg Gateway Terminal fertig sein, Baubeginn war im März 2022.

► Das Containerterminal entsteht auf der ehemaligen Kohleinsel. Vor allem Wasserstoff und andere Flüssigstoffe sollen hier umgeschlagen werden.

► Der Transport läuft trimodal, heißt: die Waren kommen und gehen per Schiff, Schiene und Lkw.

► Das Terminal ist zum Teil vom Eisenbahnbundesamt gefördert. Die Abfertigung von Schienenfahrzeugen muss entsprechend immer Vorrang haben. Damit es dadurch keine Wartezeiten für den Schiffsbetrieb gibt, hat der Hafen zusätzlich ein eigenes Modul gebaut, das ausschließlich ankommende Binnenschiffe bedient.

Der Bau des neuen Gateways in Duisburg ist mit gewaltigen Investitionen verbunden, das Gesamtvolumen beträgt 125 Millionen Euro. Doch es ist eine Investition in die Zukunft, ist sich Garbar sicher. Tatsächlich hat der Hafen kaum eine andere Wahl, wenn er zukunftsfähig bleiben will. Seit Jahrzehnten ist der größte Binnenhafen der Welt als Energiedrehscheibe weit über die Grenzen der Region hinaus etabliert. Bislang ging es dabei allerdings zum Großteil um Schüttgut wie Kohle. Mit dem Kohleausstieg 2030 spielt die künftig aber keine große Rolle mehr, wie Garbar mit einem Vergleich deutlich macht: „In Spitzenzeiten, noch vor 15 Jahren, wurden hier 20 Mio. Tonnen Kohle pro Jahr umgeschlagen. Letztes Jahr waren es gerade mal 700.000 Tonnen.“ Mit dem Fokus auf erneuerbare Energien will man den Hafen wettbewerbsfähig halten.

Baustelle auf der alten Kohleinsel in Duisburg: Auf einer Fläche von mehr als 235.000 Quadratmetern entsteht ein klimaneutrales Gateway Terminal. Direkt nebenan ist die sogenannte Schrottinsel.

OB Link: „Duisburg wird eine Schlüsselrolle beim Thema Wasserstoff einnehmen“

Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link geht noch weiter. Er sagt: „Duisburg wird in den nächsten Jahren eine Schlüsselrolle beim Thema Wasserstoff einnehmen. Das ist eine Chance für das ganze Rheinland.“ Das neue Terminal Gateway soll zudem klimaneutral sein. Vor allem über Photovoltaikanlagen, aber auch über Batteriespeicher und eigens hergestellten Wasserstoff soll es sich autark versorgen können. Ein Anschluss ans Netz bestehe aber trotzdem. (pen)

Rubriklistenbild: © Peter Sieben/IDZRNRW

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