VonThomas Machatzkeschließen
Für Kostal Auto Elektrik an der Bellmerei ist Schluss. Womöglich schon diese Woche. Wie es genau weitergeht, bleibt unklar. Insgesamt sind hunderte Mitarbeiter betroffen.
Lüdenscheid – Hier eine Insolvenz, dort ein Stellenabbau, dazu die nächsten Wirtschaftsprognosen, die keinen Aufschwung vorhersagen, und ein Geschäftsklimaindex, der aufzeigt, dass auch dieses „Klima“ schweren Zeiten entgegensieht. Deutschland im Herbst 2024 spielt den Wirtschaftsblues. In Lüdenscheid und der Region ist das nichts Fernes. Es ist omnipräsent.
Letzte Schicht schon diese Woche? Bei Kostal an der Bellmerei gehen die Lichter aus
Erst in dieser Woche gab es die nächste Hiobsbotschaft: Schrauben Betzer wird Stellen abbauen. Ein paar Kilometer weiter, an der Bellmerei, dem über Jahrzehnte größten Produktionsstandort der Stadt, ist man in diesem Prozess weiter. Beim Familienunternehmen Kostal verabschiedet sich die KAE-Produktion (Kostal Auto Elektrik) bekanntlich an Standorte im Ausland. Im Juni 2022 hat der Autozulieferer seine Pläne mitgeteilt. „Die Kostal Automobil Elektrik schließt bis Ende 2024 alle Produktionsstandorte im Märkischen Kreis“, hieß es seinerzeit. Nun steht „Ende 2024“ vor der Tür.
„Die Produktion in der Bellmerei bei Kostal wird voraussichtlich Ende des Jahres auslaufen“, antwortet Georg Exler, der beim Unternehmen für die Kommunikation zuständig ist und Presseanfragen bedient. „Somit werden uns dann die bis dahin noch tätigen Mitarbeiter verlassen, soweit es nicht gelungen ist, ihnen weitere Beschäftigungsmöglichkeiten in der Kostal-Gruppe zu eröffnen. Hinsichtlich der künftigen Nutzung der Produktionsflächen befinden wir uns in der Findungsphase, sodass diesbezüglich noch keine Entscheidungen getroffen wurden.“
Nichts Konkretes. Aus dem Umfeld an der Bellmerei heißt es, dass die letzte Schicht möglicherweise schon in dieser Woche anstehen könnte. Danach warten die Inventur und das Aufräumen. Zuletzt ist in Lüdenscheid dem Vernehmen nach ohnehin nur noch eine Fertigungslinie aktiv gewesen. Rund zehn Mitarbeiter in drei Schichten. Am Ende werden rund 430 Mitarbeiter gegangen sein an der Bellmerei, nicht nur in der Produktion. Mehr als die Hälfte davon sind schon zum 30. Juni gegangen. Manche sind bei der Kostal Kontakt Systeme GmbH (KKS) am Timberg untergekommen, andere bei der Kostal Industrie Elektrik (KIS) in Hagen. Nun scheiden noch etwa 150 aus, manche mit Aufhebungsverträgen, andere mit betriebsbedingten Kündigungen, und einige sind so alt, dass es auch eine Regelung auf dem Weg zur Rente gegeben hat.
Die IG Metall und der Betriebsrat haben getan, was möglich war. Und auch der große Autobauer Audi hat geholfen mit seinem Wunsch, dass in Meinerzhagen weiterproduziert wird. Am Standort in Meinerzhagen – das war 2022 auch noch etwas anders geplant – geht es auch 2025 noch weiter. Für Audi. Rund 50 Mitarbeiter sollen dort im Zweischicht-Betrieb weitermachen. Eigentlich hatte es eine Schicht tun sollen. Auch in Meinerzhagen sind noch einige Beschäftigte untergekommen. Mehr als gedacht sogar.
Warum schließt Kostal? Auf diese Frage wirft die Suchmaschine im Internet eine Antwort aus: „Eine strikte Kostenkontrolle und der Stellenabbau der Jahre 2018/19 sowie mehrere Effizienzprogramme hätten bisher beim Unternehmen nicht ausgereicht, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Produktionsstandorte nachhaltig zu sichern.“ Es ist eine Antwort aus dem Jahr 2022, die aktueller nicht sein könnte mit Blick auf die Gesamtentwicklung der Wirtschaft im Land.
Es ist eine traurige Entwicklung. Die Wirtschaft singt den Blues, und über der Bellmerei hängen dieser Tage die dunklen Regenwolken, die nicht besser passen könnten zur Szenerie. Was geschieht mit den großen Hallen? Das Unternehmen hält sich bedeckt, auch im Umfeld weiß man es nicht. Die Spekulationen um einen Umzug der Compleo-Produktion von Dortmund nach Lüdenscheid haben sich nicht bestätigt. Dafür soll ein Leiter der Produktion an der Bellmerei inzwischen beim von Kostal aufgekauften Unternehmen Compleo die Produktion leiten. Das Leben geht weiter. Offizielles aber gibt es nicht. Nur diese bleierne Schwere, die über allem liegt. Kostal geht den Weg, den viele gehen, noch rechtzeitig. Andere sind in die Insolvenz gesteuert. Kostal nicht. Das ist die gute Teilnachricht im trüben Herbst 2024 an einem Wirtschaftsstandort, dem gerade der Boden unter den Füßen wegbricht. Die Bellmerei ist da nur ein Beispiel für viele im ganzen Land.

