VonVolker Grieseschließen
Der letzte Monat des Jahres 2023 hatte es in sich für die Werdohler Wirtschaft: Gleich drei mittelständische Unternehmen haben Insolvenz anmelden müssen. Fast 100 Arbeitsplätze sind dadurch bedroht.
Werdohl – Der Dezember war kein guter Monat für die Werdohler Wirtschaft: Gleich drei mittelständische Unternehmen haben Insolvenz anmelden müssen. Hinzu kam noch die Insolvenz des Alurad-Herstellers Superior Industries, der in Werdohl produziert.
Friedrich Keim Kunststoffbearbeitung
65 Arbeitsplätze sind durch die Insolvenz der Firma Friedrich Keim Kunststoffbearbeitung und -veredlung GmbH in Versevörde bedroht. Das Amtsgericht Hagen hat am 7. Dezember das vorläufige Insolvenzverfahren über das Vermögen des von der Neuenraderin Barbara Förster als Geschäftsführerin geleiteten Unternehmens angeordnet.
Der Geschäftsbetrieb laufe vorerst weiter, teilte die Kanzlei des zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellten Rechtsanwalts Thorsten Klepper (Hagen) mit. Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten seien für die nächsten drei Monate über die Insolvenzgeldvorfinanzierung gesichert. Kündigungen seien bisher nicht ausgesprochen worden. Über die Gründe für die Insolvenz wollte sich die Kanzlei nicht äußern. Klepper prüfe derzeit die Sanierungsaussichten, hieß es weiter. Er sei „zuversichtlich, das Unternehmen wieder saniert am Markt etablieren zu können“.
Das von der Neuenraderin Barbara Förster als Geschäftsführerin geleitete Unternehmen wurde 1920 gegründet und bearbeitete zunächst Metalloberflächen. 1964 führte es als eine der ersten Galvaniken die Galvanisierung von Kunststoffen ein, beschichtet seitdem also Kunststoffe mit dünnen Überzügen aus Chrom, Kupfer und Nickel. Friedrich Keim beliefert Kunden in der Automobil- und Luftfahrtindustrie, in der Sanitär-, der Elektro- und der Möbelbranche. Auch Leuchten und Haushaltsartikel erhalten durch die Spezialisten in Sachen Kunststoffveredlung ihren Glanz.
AKG Alu-Kokillenguss GmbH
Insolvenz anmelden musste auch die AKG Alu-Kokillenguss GmbH. Das an der Vorthstraße angesiedelte Unternehmen hatte am 14. Dezember den Gang zum Insolvenzgericht antreten müssen, nachdem die November-Löhne nicht mehr gezahlt werden konnten. Der Lüdenscheider Rechtsanwalt Martin Buchheister, der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden ist, sprach von einem rapiden Auftragsrückgang, ausgelöst durch die vom Ukrainekrieg und die Inflation beeinträchtigte allgemeine wirtschaftliche Lage als Hauptgrund für die finanzielle Schieflage des Unternehmens. Auch die gestiegenen Energiekosten hätten ihren Anteil an der Misere.
Die Lohnzahlung an die 17 Mitarbeiter des Unternehmens seien aber durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit bis Ende Januar erst einmal gesichert. „Wir versuchen jetzt, eine positive Lösung zu finden“, sagte Buchheister weiter. Erste Gespräche mit möglichen Investoren seien bereits geführt worden, weitere sollten folgen. „Im Moment wird bei AKG voll gearbeitet“, berichtete Buchheister. Wie es für das Unternehmen weitergehe, sei aber derzeit noch völlig offen.
Buchheister ist bereits zum zweiten Mal Insolvenzverwalter der AKG Alu-Kokillenguss. Bereits Anfang 2012 war das Unternehmens schon einmal in wirtschaftliche Turbulenzen geraten, nachdem ihm die Hausbank die Kreditlinie gekappt hatte.
Die AKG, die mit acht Schmelz- und zehn Gießanlagen einen Jahresumsatz von rund 2,5 Millionen Euro macht, blickt auf eine mehr als 90-jährige Unternehmensgeschichte zurück. Sie ging 2001 aus der 1933 von Walter Rahmer gegründeten Metallwarenfabrik hervor, die durch den Einstieg von Gerhard Jansen nach dem Zweiten Weltkrieg zur Leichtmetallgießerei Rahmer&Jansen KG wurde. Der Hydraulik-Bereich von Rahmer&Jansen wurde 2003 von der Lovejoy Inc. aus Illinois/USA übernommen und wird seitdem als Raja Lovejoy weitergeführt.
Die AKG, deren Geschäftsführer und hundertprozentiger Gesellschafter der 54-jährige Lünener Thomas Meier ist, produziert Alu-Gussteile für den Armaturen- und Getriebebau sowie Sonderpumpen für die Elektroindustrie, Automotive und den Maschinen- und Apparatebau.
Schumacher GmbH
In finanzielle Turbulenzen ist auch das Zerspanungsunternehmen Schumacher GmbH geraten. Das nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ausgesprochene Wirtschaftsembargo gegen Russland nannte Geschäftsführer Olaf Schumacher als einen Grund für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in die sein Unternehmen geraten sei. Außerdem habe ein potenzieller Kunde einen Großauftrag an einen chinesischen Konkurrenten vergeben, und obendrein habe sein Unternehmen auch noch einen weiteren Großauftrag in Deutschland verloren.
Infolge der wirtschaftlichen Probleme habe er in den vergangenen Monaten schon zehn Beschäftigten die Kündigung aussprechen müssen, sagte Schumacher weiter. Derzeit seien noch zwölf Mitarbeiter am Standort an der Gewerbestraße beschäftigt.
Die Schumacher GmbH wurde 1999 als reines Handelsunternehmen in Plettenberg gegründet. Drei Jahre später wurden die ersten beiden CNC-Drehmaschinen angeschafft und Lieferanten zur Produktion von Drehteilen zur Verfügung gestellt. Ab 2010 investierte Schumacher in einen eigenen Maschinenpark. 2017 zog das Unternehmen nach Werdohl um, wo Schumacher eine leerstehende Halle der Firma Menshen kaufte, und produziert seitdem auf 2500 Quadratmetern.
Die Insolvenz ist nicht die erste Krise, die Olaf Schumacher durchmachen muss. Schon seine einstige Handelsvertretung geriet im Krisenjahr 2009 in Turbulenzen, doch der Plettenberger machte aus der Not eine Tugend, indem er sich entschloss, die Teile, mit denen er bisher handelte, einfach selbst zu fertigen. Auch aus der jetzigen Krise möchte der 61-Jährige gelernte Zerspanungsmechaniker gestärkt hervorgehen. Er sei zuversichtlich, sein Unternehmen wieder in sicheres Fahrwasser manövrieren zu können, sagte Schumacher.


