Betriebsversammlung

Insolvenz von Superior Industries: Kritik, aber auch ein Hoffnungsschimmer

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Die Beschäftigten von Superior Industries kamen am Freitag im Restaurant Vier Jahreszeiten zu einer Betriebsversammlung zusammen.
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Bei einer Betriebsversammlung des Felgenherstellers Superior Industries ist der Insolvenzverwalter des Unternehmens zur Zielscheibe der Kritik von Beschäftigten geworden. Es gab aber auch einen Hoffnungsschimmer für die Belegschaft.

Werdohl – Grund für die Kritik am Insolvenzverwalter war dessen öffentliche Stellungnahme in Bezug auf die Situation des Unternehmens. Lieser hatte in der vergangenen Woche das Bild eines schlecht geführten Unternehmens gezeichnet, in dem Investitionen schlecht geplant worden seien und das seit Jahren hohe Verluste einfahre.

Die Beschäftigten betonten dagegen nach Worten von Torsten Kasubke, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Märkischer Kreis, der an der Versammlung teilnahm, dass die Produktionskapazität derzeit „um ein Vielfaches höher als in den vergangenen Jahren“ und auch die Qualität der Produkte gestiegen sei. Für die Darstellung des Insolvenzverwalters habe er dagegen kein Verständnis, sagte Kasubke: „Ziel aller Beteiligten muss es doch sein, Standort und Arbeitsplätze zu sichern. Da hilft nicht der Blick zurück in die Vergangenheit. Alle Beteiligten sollten nun Gas geben. Darunter verstehe ich nicht, dass in der Öffentlichkeit Dinge behauptet werden, die mögliche Investoren eher abschrecken.“

Kein ernsthafter Verkaufswille?

Tatsächlich habe die Belegschaft auch in den letzten Monaten gezeigt, wie gut und schnell auch weiterhin in Dresel Felgen gefertigt werden könnten, betonte Kasubke und zweifelte am ernsthaften Verkaufswillen bei den bisherigen Eigentümern: „In Werdohl können im Drei-Schicht-Betrieb hohe Stückzahlen zu guten Preisen hergestellt werden, das haben die Kolleginnen und Kollegen in vielen Jahren bewiesen. Darauf hat der Arbeitgeber öffentlich und auch auf Betriebsversammlungen in all den Jahren immer wieder hingewiesen. Dass dies auf einmal nicht mehr so sein soll, ist merkwürdig.“ Es könne der Verdacht aufkommen, dass es dem Konzern ausschließlich um höhere Gewinne und Verlagerungen nach Osteuropa geht, sagte Kasubke. In diesem Fall solle das möglicherweise auch noch über das deutsche Insolvenzrecht subventioniert werden. Kasubke: „Man rechnet offenbar damit, dass drei Monatsgehälter und geringere mögliche Abfindungen auch noch mitgenommen werden können. Das wäre schäbig, deswegen werden wir uns gegen solche Pläne zur Wehr setzen.“

Keine kampflose Aufgabe

Auch die Beschäftigten des Werkes geben sich angesichts der drohenden Arbeitsplatzverluste kämpferisch. „Wir werden nicht kampflos den Standort aufgeben“, betonte der Betriebsratsvorsitzende Mustafa Senel. Es dürfte auch im Sinne der Gläubiger sein, wenn ein Investor gefunden wird, denn in der Regel ist ein Verkauf lukrativer als eine reine Abwicklung, so dass Gläubiger und Arbeitnehmer in einem Boot sitzen“, ergänzte Torsten Kasubke.

Ein Verkauf des Unternehmens ist auch noch keineswegs vom Tisch. In der Betriebsversammlung habe der Insolvenzverwalter von neuen Interessenten gesprochen, sagt Kasubke.

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