Feuerstätten

Kamin und Computer: Neue Heizungen machen Schornsteinfeger nicht arbeitslos

+
Haben einen zukunftssicheren Beruf: Bezirksschornsteinfegermeister Björn Krause (Mitte) mit Gesellen Jan Kralemann (links) und Azubi Dimitri Boni.
  • schließen

Ist der Beruf des Schornsteinfegers ein Auslaufmodell angesichts der wachsenden Anzahl emissionsfreier Wärmepumpen und der Pläne der Bundesregierung zum Ausstieg aus Heizungen mit fossilen Energieträgern? „Im Gegenteil“, sagt Bezirksschornsteinfegermeister Björn Krause und nennt eine Vielzahl unterschiedlicher Aufgaben, die diesen Beruf so modern machen.

Hamm – Das Kaminkehren bleibt natürlich ein Schwerpunkt, denn: Kaminöfen zum Verbrennen von Scheitholz erlebten seit Beginn der Energiekrise einen regelrechten Boom: „Zum einen, weil das Holzfeuer ein wohliges Gefühl macht und zum anderen, weil es Versorgungssicherheit bietet“, sagt Krause. Denn Kaminöfen würden ja auch – anders als Wärmepumpen – funktionieren, wenn der Strom ausfällt.

Aktuell haben er und seine Mitarbeiter darum sogar etwas mehr Arbeit. Wenn nach und nach mehr Wärmepumpen installiert werden, werde sich das wieder ins Normalmaß regulieren. Ein Ende des Kaminkehrens sieht Krause auch deshalb nicht, weil die Pflicht zum Einsatz von mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energien bei neuen Heizungen ab 1. Januar 2024 im Umkehrschluss bedeutet, dass weiterhin bis zu 35 Prozent fossiler Energien genutzt werden können. „In vielen Altbauten funktioniert eine Luft-Wärmepumpe solo nicht, sie muss in vielen Fällen durch ein Gas- oder Ölgerät ergänzt werden“, sagt der Bezirksschornsteinfegermeister, dessen Kehrbezirk große Teile im Süden von Heessen und Hamm-Norden umfasst, insgesamt rund 2300 Liegenschaften.

Feinstaubverordnung greift ab 1. Januar 2025

Betreiber von Feuerstätten - also auch Besitzer von Kaminöfen - müssen acht geben auf die Feinstaubverordnung. Die ist laut Bezirksschornsteinfegermeister Björn Krause nicht neu: „Die gibt es schon seit 2010. Da wurden alle Feuerstätten überprüft, welche Feinstaubwerte sie haben und entsprechend eingestuft.“ Bis 2024 gibt es eine lange Übergangsregelung, die für die meisten Feuerstätten nun zum 31. Dezember 2024 greife. Ab 1. Januar 2025 müssen die Feinstaubwerte, die 2010 verordnet wurden, eingehalten werden. Etwa die Hälfte der Feuerstätten hält die Grenzwerte nach Schätzung von Björn Krause bereits jetzt ein: „Die andere Hälfte muss sich überlegen, was sie macht. Tatsächlich ist es so, dass die meisten Hausbesitzer keinen Filter nachrüsten, sondern gleich einen neuen Kaminofen anschaffen.“ Im Falle eines Falles könne auch eine – allerdings sehr aufwändige – Abgasuntersuchung durchgeführt werden.

Björn Krause weist auf ein sich wandelndes Berufsbild hin. Brandschutz gehöre beispielsweise dazu: Im Rahmen der Feuerstättenschau werde geprüft, welche Sicherheitsmaßnahmen angesichts einer gedämmten Fassade oder Bodenbelägen aus Holz oder Kunststoff im Innenraum notwendig sind. Auch wenn Wärmepumpen keinen Kamin benötigen, sind Schornsteinfeger trotzdem mit ihnen befasst. „Viele von uns sind ja gleichzeitig Energieberater“, sagt Krause, der ebenfalls diese Zusatzqualifikation hat. Viele Handwerker, die mit dem Abarbeiten ihrer Aufträge ausgelastet sind, würden ihn mit der Heizlastberechnung beauftragen. Die ist vorgeschrieben, wenn man Fördermittel beantragt.

Der Beruf wird „sauberer“

Der Kontakt mit Ruß nimmt ab, die Arbeit selbst wird „sauberer“ und findet oft am Computer statt. Auf die Montur mit ihren polierten Messingknöpfen, auf denen der heilige Florian als Schutzpatron gegen Feuergefahr abgebildet ist, möchte Krause trotzdem keinesfalls verzichten: „Wir legen viel Wert auf Tradition, und diese Montur hat einen hohen Wiedererkennungswert.“

Nachwuchs könne es insgesamt mehr geben, aber Krause hat mit Dimitri Boni einen Auszubildenden. Der 21-jährige Realschul-Absolvent ist auf der Bildungsmesse auf diesen Beruf aufmerksam geworden, hat sich im Internet weiter informiert und schließlich davon begeistern lassen. Geselle Jan Kralemann hat seine Ausbildung 2007 bei Krause begonnen und sie 2010 abgeschlossen: „Seitdem bin ich dabei.“

Kommentare