VonMarkus Hannekenschließen
Kapelle Petra veröffentlicht mit „Hamm“ ein musikalisch und textlich starkes achtes Album. Die Band feiert die Banalitäten des Alltags - also das, was wirklich wichtig ist. Eine Rezension.
Hamm - Guido Scholz, Rainer Siepmann und Markus Schmidt könnten die Eltern der Giant-Rooks-Musiker sein: Ihre Band Kapelle Petra gibt es nämlich schon fast drei Mal so lange, nämlich seit 1996. Nicht so erfolgreich wie die fünf Höhenflieger aus Werries, aber ebenso beständig und ebenso wichtig. Für Hamm und weit darüber hinaus. An diesem 12. Januar 2024 erscheint nun das achte Kapelle-Studioalbum. Und damit hat die kleine Band mit dem skurrilen Namen auch weiterhin Großes vor. (Zum Beispiel ein Kapelle-Kaufhaus, hier klicken.)
„Hamm“ heißt das Album, und es ist ein bemerkenswert starkes Stück Musik. Wobei: Das stimmt nicht ganz, denn die Texte sind mindestens ebenso stark. Wenn Scholz zum Beispiel „Diese Band spielt keine Lieder für böse Menschen“ singt, dann ist ein wichtiges aktuell-politisches Statement, das auch als Opener gut funktioniert hätte: „Das ist für einige der letzte Song hier…“. Musikalisch gesehen macht sich der eigentliche Einstieg allerdings noch besser: „Mittelmäßiges Leben“ ist für Kapelle-Verhältnisse ungewohnt treibend, ein echter Rocker.
Variantenreiche Dynamik zieht sich durch weite Teile der zwölf „Hamm“-Songs. Wer das ganze, melodie- und refrainstarke Album durchhört, wird seine Freude an dessen Aufbaustruktur haben und hoffentlich nie vor dem Abschluss-Song stoppen. Denn „Niemand ist schöner als du“ ist eine Gänsehaut-Ode ans menschliche Verändern und Altern und weckt mit seiner Eindringlichkeit Erinnerungen an Christina Aguileras „Beautiful“ und Sarah Connors „Wie schön du bist“. Eine echte Perle im Kapelle-Katalog.
„Hamm“ von Kapelle Petra: „Nicht alleine“ und „Alle dumm“
Überhaupt begegnen Scholz und seine Mitstreiter – einst vor allem Garanten für Lustig-Songs wie „Geburtstag“ und „Gewitter“ – ihren Hörern mit einer fast altersweisen Empathie, die zum Glück nie aufgesetzt und peinlich wirkt, sondern authentisch und charmant.
Nicht nur „Schöner“ kann viele Menschen ins Mark treffen, sondern auch „Nicht alleine“, ein Mutmacher für vermeintlich einsame Menschen. Fast philosophisch entlarvend kommt „Alle dumm“ daher, über dessen treffsicheren Text sich der eine oder andere Hörer gern mal hinterfragen darf („Alle Idioten außer ich / Warum mag man mich nicht trotzdem nicht?“).
„Hamm“ von Kapelle Petra: druckvoller, transparenter Sound
Von der Band im Februar 2023 im Osnabrücker „Fattoria-musica“-Studio eingespielt, hat Produzent Tobias Röger dem Album einen zeitgemäß druckvollen und transparenten Sound verpasst. Veredelt werden die seit ehedem leicht rumpeligen Drei-Mann-Drei-Minuten-Indie-Songs durch klug verbaute Keyboard- und Klang-Sprenkel von Röger, Siepmann und Scholz.
Und nun? Möchte die Band ihre hier so hofierte Heimatstadt „Hamm“ möglichst sichtbar in die Charts und ihre neuen Songs über die nächste (und sich bereits vielversprechend verkaufende) Tour möglichst begeisternd unters Volk bringen. Mit dabei sein wird diesmal nicht nur „Bühnenskulptur Gazelle“, sondern auch Ole Obering: Der junge Hammer Gitarrist (28, „Pecks“) soll künftig den Livesound ergänzen und den Haupt-Protagonisten dem (humorvoll gemeinten) Vernehmen nach auch als „Pfleger“ dienen. Von Aufhören spricht bei Kapelle Petra nämlich nach wie vor niemand. Und wer weiß, vielleicht überlebt sie ja am Ende noch die jungen Rookies…
„Mittelmäßiges Leben“ ist der Album-Opener:
Das Kapelle-Kaufhaus
Passend zum Titel „Hamm“ wird die Band vom 16. bis 18. Januar der Weststraße 36 ein „Kapelle Kaufhaus“ betreiben. Jeweils zwischen 16 und 20 Uhr gibt es dort unter anderem das Album in verschiedenen Varianten zu kaufen, es wird Livemusik gespielt und in Kooperation mit der Stadt und dem Maxipark ein Gewinnspiel geben, dessen Erlös den Aktionen „Menschen in Not“ des WA und „Lichtblicke“ der Lippewelle zukommt. (Zurück nach oben)
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