Stadt arbeitet an Konzept für die Wohnungspolitik

Kaum Wohnungen frei in Hamm - doch gebaut wird kaum

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Glück hat, wer fertig mit dem Bauen ist: Vor einigen Jahren ist das Baugebiet Everdings Hof entstanden. Im Jahr 2023 wurden kaum Neubauten genehmigt.

Die Stadt will Strategien für eine zukunftsgerichtete Wohnungspolitik entwickeln - und unter anderem dafür sorgen, dass Ältere seltener allein oder zu Zweit in großen Häusern wohnen bleiben.

Hamm – Die Nachfrage von Familien nach größeren Wohnungen oder Einfamilienhäusern kann in Hamm nicht gedeckt werden. So steht es im Sachstandsbericht zum „Masterplan Wohnen“. Dabei gibt es mehr als 7000 Häuser, in denen Paare und Einzelpersonen im Rentenalter wohnen. Diese wolle man anregen, in barrierefreie Wohnungen umzuziehen.

Im Ausschuss für Stadtentwicklung, Wohnen und Mobilität wurde der Sachstandsbericht zum Masterplan jüngst vorgestellt. Mit diesem Plan soll eine gesamtstädtische Strategie für wohnungswirtschaftliche und -politische Entscheidungen entworfen werden. 2022 wurde das Dortmunder Büro Institut für Raumforschung und Immobilienentwicklung (IRI) damit beauftragt.

Der Zwischenbericht von Ende November gibt einen Überblick über die aktuelle Lage auf dem Hammer Wohnungsmarkt. Außerdem wurden erste Ziele formuliert. Klar ist: Es muss sich einiges ändern.

Große Häuser, wenig Bewohner

In knapp 7100 Ein- und Zweifamilienhäusern, Doppelhaushälften, Reihenhäusern in Hamm leben Einzelpersonen oder Paare über 65 Jahre. Remanenzeffekt heißt das Phänomen, bei dem Menschen ihre Wohnform nicht anpassen, wenn sich ihre Lebensverhältnisse geändert haben.

Ich habe mehrfach erlebt, dass Menschen irgendwann gern umziehen, wenn ihnen ihr Haus oder ihr Garten zu viel werden.

Peter Scholz (CDU), Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung, Wohnen und Mobilität

Eins der Ziele im Masterplan Wohnen soll sein, diesem Effekt entgegenzuwirken. Dafür soll barrierefreier Wohnraum geschaffen werden. Es gehe nicht darum, jemanden aus seinem Haus zu werfen, sagt Peter Scholz, der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses. „Ich habe mehrfach erlebt, dass Menschen irgendwann gern umziehen, wenn ihnen ihr Haus oder ihr Garten zu viel werden.“ Die Voraussetzung dafür sei es, dass es ein gutes anderen Angebot von barrierefreiem oder -armen Wohnraum gibt – und zwar in den Stadtvierteln, in denen die Senioren leben. Ziehen sie um, wird Platz geschaffen für Familien, die Häuser suchen. Als Beispiel nennt er die sehr begehrten HGB-Mehrfamilienhäuser am Stadttor Ost.

Wie viel Wohnraum braucht Hamm?

2021 gab es 87.784 Wohnungen in Hamm. Etwa 1100 standen leer – das ist wenig. „Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir keinen Wohnraum mehr zur Verfügung haben. Diese 1100 Wohnungen können in der Regel nicht wirklich genutzt werden, beispielsweise, weil sie saniert werden müssen“, sagt Scholz. Außerdem passen die freien Wohnungen oftmals nicht zur Nachfrage.

Es muss also gebaut und saniert werden – aber wie viel? Dafür haben die Planer mehrere Szenarien entwickelt.

Der niedrigsten Schätzung zufolge gäbe es 2035 600 Haushalte weniger in Hamm als 2021. Das tritt ein, wenn weniger Menschen aus dem Ausland zuziehen und mehr Menschen aus Hamm wegziehen als aus anderen Orten Deutschlands zuziehen.

Doch die Zahl der Haushalte könnte auch um knapp 4000 steigen – wenn weiter so viele Menschen aus dem Ausland zuziehen wie bisher und gleichzeitig mehr Menschen aus dem Inland zuziehen als Hamm verlassen.

Als Trendszenario gehen die Planer davon aus, dass die Zahl der Haushalte bis 2035 um 590 steigen wird. Das tritt ein, wenn weniger Menschen als bisher aus dem Ausland zuziehen und gleichzeitig die Binnenwanderung ausgeglichen wäre.

Bauen und sanieren ist notwendig

Bei allen diesen Szenarien müsste gebaut und saniert werden, schon weil Angebot und Nachfrage nicht zusammenpassen. Aktuell passiert das kaum. „Die Gesamtsituation ist nicht berauschend“, sagt Scholz. Hohe Zinsen für Kredite bei gleichzeitig hohen Baukosten halten viele Interessenten vom Bauen und Sanieren ab, auch die allgemeine Verunsicherung trägt dazu bei. So ist die Zahl der Baugenehmigungen von Januar bis September 2023 eingebrochen. Scholz fordert, dass die Bundesregierung für verlässliche Rahmenbedingungen sorgt und ein Förderprogramm auflegt, damit wieder mehr gebaut wird.

Im Masterplan wird zugleich der Vorschlag formuliert, dass die Stadt Hamm selbst Grundstücke kauft und vermarktet. So könne sie dafür sorgen, dass nachhaltig Wohnraum entsteht. 104 Hektar mit Bauland gebe es, so heißt es in der Wohnbaulandinitiative.

Im Bericht zum Masterplan sind weitere Ziele formuliert, etwa, dass flächensparend und klimaschonend gebaut und saniert werden soll. Im zweiten Quartal 2024 soll der Masterplan fertig sein.

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