Die Unsicherheit über die Rente wächst. Viele sorgen nicht vor, obwohl die Zukunft ungewiss ist. Eine Rentenexpertin aus NRW weiß, was aber noch viel wichtiger ist.
Hamm – Was einst als Grundsatz des Sozialstaates galt, bereitet vielen mittlerweile Sorgen. Die Rente ist schon lange nicht mehr sicher. Wer kann, sorgt privat vor. Nicht alle sind dazu in der Lage. Doch trotzdem sollte sich jeder Gedanken rund um die Altersvorsorge machen. Eine Rentenberaterin aus NRW hat die nötigen Tipps parat und spricht Klartext.
„Die gesetzlichen Rentenregeln gelten bundesweit, doch die Lebensrealitäten unterscheiden sich. In NRW gibt es große Unterschiede zwischen den Regionen. Ballungsräume wie Köln, Düsseldorf oder das Ruhrgebiet haben viele Menschen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien, Teilzeitstellen oder Niedriglöhnen“, erklärt Greta Lutterbach vom Landesverband NRW des Sozialverbands Deutschland. Diese Faktoren würden oft zu geringeren Rentenansprüchen führen. Gleichzeitig seien die Lebenshaltungskosten, insbesondere für Mieten und Energie, vielerorts höher als in anderen Regionen Deutschlands.
Rentenmisstrauen wächst – Politik in der Kritik
Basierend auf dem aktuellen Altersvorsorge-Report 2025 zeigt sich ein dramatisches Bild der deutschen Rentenängste, wie unter anderem auch Die Zeit berichtet. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung glauben nicht mehr daran, dass die gesetzliche Rente langfristig zuverlässig funktionieren kann Altersvorsorge: Mehrheit der Deutschen hat geringes Vertrauen in die Rente. Dieses Misstrauen ist seit 2019 erheblich gestiegen – damals waren es noch 54 Prozent der Befragten, die skeptisch waren. Die Ängste werden zusätzlich durch das Gefühl verstärkt, dass die Politik das Problem nicht ernst genug nimmt: 86 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Bundesregierung nicht genug gegen die Probleme in der Rentenversicherung unternimmt.
„Niemand kann alle Risiken ausschließen, aber gute Vorbereitung schafft Sicherheit“, rät daher Rentenexpertin Lutterbach. „Wir empfehlen, sich frühzeitig beraten zu lassen, zum Beispiel bei der Deutschen Rentenversicherung oder beim SoVD“, sagt sie. Dort könne man klären, welche Rentenansprüche bestehen und ob im Zweifelsfall ein Anspruch auf Grundsicherung oder Wohngeld möglich sei und wie sich ein Nebenverdienst auswirken würde.
Schlager- und TV-Stars packen über Höhe ihrer Rente aus: Einer kriegt nur 41 Euro im Monat
Das verschafft Planungssicherheit. Denn: Besonders belastend empfinden die Deutschen die Ungewissheit über ihre finanzielle Zukunft. Knapp drei Viertel der Umfrageteilnehmer geben an, dass ihnen der Gedanke an die finanzielle Situation im Alter als Belastung erscheint. Paradoxerweise sparen jedoch 31 Prozent der Befragten überhaupt nicht für den Ruhestand, weitere 23 Prozent sparen weniger als 23 Prozent ihres Einkommens. Diese Diskrepanz zwischen Sorge und Handeln verdeutlicht die Hilflosigkeit vieler Menschen angesichts der komplexen Rentensituation.
Wer das System dahinter besser versteht, dem können diese Ängste vielleicht etwas genommen werden. Die gesetzliche Rente allein reicht schließlich nicht aus und stellt nur eine der drei Säulen der Rente dar. Das Rentensystem baut auf einer Kombination aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Absicherung auf. „Das wird leider von vielen Menschen überlesen, bzw. ist dies vielen Menschen nicht bekannt. Das bedeutet, dass die gesetzliche Rente von Grund auf nicht so gedacht war, dass sie als alleinige Rente für den Lebensunterhalt im Alter reicht“, sagt Rentenexpertin Lutterbach.
Rentenangst in NRW – Experten raten zur Vorsorge
Wer rechtzeitig zusätzlich spart, sorgt daher für mehr Unabhängigkeit im Alter. „Trotzdem ist uns bewusst, dass es viele Arbeitgeber gibt, die kein Interesse an der Unterstützung der betrieblichen Altersvorsorge haben und viele Einkommen aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten nicht dazu reichen, regelmäßig einen ausreichend hohen Betrag zur Seite zu legen“, weiß Lutterbach vom Sozialverband. Trotzdem sollte niemand „den Kopf in den Sand stecken“ und zumindest versuchen, in vorerst kleinen Schritten für das Alter zu sparen – das gilt auch für junge Menschen in Nordrhein-Westfalen.
Die sind von den Rentenängsten besonders stark betroffen. 64 Prozent der Umfrageteilnehmer sind der Meinung, dass das bestehende Rentensystem nicht gerecht sei und junge Menschen benachteilige Altersvorsorge: Mehrheit der Deutschen hat geringes Vertrauen in die Rente. Fast 60 Prozent der 18- bis 29-Jährigen geben sogar an, dass ihnen das Thema Altersvorsorge Angst macht. Diese Generationenangst ist verständlich, da junge Menschen heute länger in das System einzahlen müssen, während gleichzeitig die demografische Entwicklung und politische Unsicherheiten die Zukunft der Rente ungewiss machen. Die geplante Kommission ab 2026 und der Widerstand gegen das Festschreiben des Rentenniveaus bis 2031 verstärken zusätzlich das Gefühl der Unsicherheit.
Nicht immer sollte es aber nur ums Geld gehen. Es gibt Wichtigeres im Leben. Das weiß auch die Rentenexpertin. Sie meint: „Wer gesundheitlich fit bleibt, kann oft länger arbeiten und gleichzeitig mehr finanzielle Freiheiten gewinnen. Wer sich aber überlastet fühlt, sollte die eigene Lebensqualität nicht dem letzten Renteneuro opfern.“ Eine gute Rente ist wichtig, ein gesundes, langes Leben ist wertvoller.