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Das Krankenhaussterben geht weiter. Nach mehr als 60 Jahren hat die St. Lukas-Klinik in Solingen geschlossen. Etwa 750 Beschäftigte erhalten die Kündigung.
Hamm – Erst die Insolvenz der St.-Vincenz-Krankenhaus GmbH in Paderborn, dann das Aus für das Evangelische Krankenhaus in Holzminden mit Wirkung nach Ostwestfalen hinein. Am 1. Dezember folgte nun der nächste Schlag für die Klinik-Landschaft in Nordrhein-Westfalen. Die St. Lukas-Klinik in Solingen schloss für immer. Rund 750 Beschäftigte müssen gehen.
Krankenhaus in Solingen geschlossen - Kündigung für 750 Beschäftige
Wer seit dem ersten Adventswochenende die Internetseite der St.-Lukas-Klinik ansteuert, dem öffnet sich ein Fenster. „Wichtige Meldung!“, heißt es dort weiß auf grün, darunter der nüchterne Hinweis, dass das Krankenhaus zum 1. Dezember 2023 geschlossen wurde. Es folgt eine Liste mit den nächstgelegenen Krankenhäusern mit allgemeiner Notfallambulanz.
Es ist das sachliche Ende einer mehr als 60 Jahre dauernden Geschichte. Der Niedergang deutete sich schon länger an. Ende Juni 2023 beantragte die katholische Kplus Gruppe für die Klinikstandorte St. Lukas Klinik in Solingen, St. Josefs Krankenhaus Hilden und St. Josef Krankenhaus Haan sowie für die Holding die Eröffnung ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung. Ein knappes halbes Jahr später ist in Solingen nun Schluss. Einen Tag vor dem endgültigen Aus im Stadtteil Ohlings wurde der letzte Patient verlegt. „Die Schließung ist ruhig und professionell abgelaufen“ - mit diesen Worten wird Geschäftsführer Kai Siekkötter in einer Mitteilung zitiert.
Insolvenz-Welle bei Krankenhäusern: Experte fürchtet böses Jahr 2024
Bitter ist das Aus vor allem für die Beschäftigten. Insgesamt wurde laut Klinik etwa 750 Mitarbeitenden an den Klinikstandorten Haan und Solingen sowie der Holding gekündigt. Für das Krankenhaus Hilden hat sich ein Investor gefunden. „Wir hatten ein anderes Konzept erarbeitet, das nur einen Bruchteil des Arbeitsplatzabbaus bedeutet hätte, aber das hat in der Krankenhauslandschaft leider keinen Rückhalt gehabt“, sagte Friedemann Schade, Generalhandlungsbevollmächtigter und Insolvenzanwalt. Immerhin: Viele Betroffenen hätten schon neue Stellen, auch die 150 Auszubildenden seien untergebracht, teilte die Solinger Klinik mit. Fast alle Betroffenen werden eine Abfindung erhalten.
Die Schließung ist ruhig und professionell abgelaufen.
Schlechte Nachrichten wie diese wird es in naher Zukunft häufiger geben, glaubt Gerald Gaß, der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Er fürchtet allein für das Jahr 2024 bis zu 80 Insolvenzen von Kliniken. Dieses Jahr hätten bereits 33 Klinikstandorte Insolvenz angemeldet, sagte Gaß der Rheinischen Post. Bis Jahresende werde die Zahl noch steigen. Als Gründe für die Insolvenz-Welle nannte er einen anstehenden Anstieg der Personalkosten um zehn Prozent sowie weiterhin höhere Energiepreise als vor Beginn des Krieges in der Ukraine.
Zumindest bei den in Schieflage geratenen St.-Vincenz-Kliniken mit Standorten in Paderborn und Salzkotten sieht es gut aus. Dort sollen auf einer Gläubigerversammlung am 12. Dezember 2023 die Weichen für eine sorgenfreiere Zukunft gestellt werden.
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