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Die St.-Vincenz-Krankenhaus GmbH in Paderborn hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Betroffen sind mehr als 3000 Mitarbeiter. Aber es gibt auch gute Nachrichten.
Paderborn - Schlag für Paderborn mitten in der Libori-Hochstimmung: Die St.-Vincenz-Krankenhaus GmbH hat beim Amtsgericht Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das Krankenhaus sieht sich „nicht mehr in der Lage, die bereits begonnenen Restrukturierungsmaßnahmen aus eigener Kraft umzusetzen“, heißt es in einer Mitteilung der Kliniken vom Donnerstag (27. Juli).
| Krankenhaus | St.-Vincenz-Klinik |
| Stadt | Paderborn |
| Gründung | 1901 |
St.-Vincenz-Kliniken Paderborn stellen Antrag auf Insolvenz in Eigenverantwortung
Die mehr als 3000 Mitarbeiter an den Standorten in Paderborn und Salzkotten wurden am Donnerstag über den Schritt des Unternehmens informiert. Bei aller Betroffenheit gab es in der Belegschaft auch gute Nachrichten: Die Gehälter seien über das Insolvenzgeld gesichert, auch der Ausbildungsbetrieb laufe weiter. Das gelte auch für die Versorgung der Patienten, wie die St.-Vincenz-Kliniken mitteilten.
Zur St. Vincenz-Krankenhaus GmbH Paderborn gehören neben den St. Vincenz-Kliniken mit den drei Standorten St. Vincenz-Krankenhaus Paderborn, St. Louise Frauen- und Kinderklinik und St. Josefs-Krankenhaus Salzkotten, der St. Vincenz-Campus für Gesundheitsfachberufe, Angebote im Bereich „Mobile Pflege“ an den Standorten in Salzkotten und Paderborn sowie zwei Medizinische Versorgungszentren und das B+V-Labor.
Das Gesundheitsunternehmen ist nach eigenen Angaben der größte Anbieter von Krankenhausleistungen im Kreis Paderborn. In 18 Fachabteilungen mit insgesamt 800 Betten versorgt das Team jährlich mehr als 41.000 Patienten stationär. Die Geburtshilfe ist nach Angaben der Kliniken mit rund 3700 Geburten die größte in Nordrhein-Westfalen und unter den Top 10 deutschlandweit.
Insolvenzantrag der St.-Vinzenz-Kliniken Paderborn: Gehälter gesichert
In der zukünftigen Krankenhausplanung seien die St. Vincenz-Kliniken voll berücksichtigt. Das Ziel ist es jetzt, das Unternehmen mit seinen Kliniken neu aufzustellen und spätestens im Laufe der ersten Jahreshälfte 2024 über ein sogenanntes Planverfahren „vollständig zu sanieren“, erklärte Anwalt André Dobiey.
„Wir nehmen mit diesem Schritt die Chance einer umfassenden und gesetzlich geschützten Neuausrichtung wahr“, wird Geschäftsführer Jürgen Thau in der Mitteilung zum Insolvenzantrag zitiert, der am Mittwochabend beim zuständigen Amtsgericht Paderborn gestellt wurde. In enger Abstimmung mit Gläubigern, Aufsichtsrat und Mitarbeitervertretung werde in den kommenden Wochen ein Restrukturierungskonzept erarbeitet.
Für die Umstrukturierung habe man sich die Mitarbeit von Fachanwälten für Insolvenz- und Sanierungsrecht gesichert, die in den vergangenen Jahren bereits eine Reihe von Krankenhausträgern erfolgreich durch Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung begleitet haben, heißt es in der Pressemitteilung weiter.
2023 ist das Jahr der Insolvenzen. Neben dem Warenhaus-Giganten Galeria Karstadt Kaufhof gerieten auch die Hersteller von Kult-Produkten in wirtschaftliche Schieflage. Die mehr als 120 Jahre alte Firma Weck, bekannt für ihre Einmachgläser, meldete Insolvenz an. Auch der Hersteller hinter dem millionenfach verkauften Römertopf musste diesen Schritt gehen.
