Im Januar 1926

Hochwasser vor 100 Jahren – mit Booten wurden die Menschen aus der Altstadt gebracht

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Beim Neujahrshochwasser im Jahr 1926 erreichte der Rhein einen Pegel von rund 10 Meter. Ein altes Foto aus dieser Zeit zeigt, welche Folgen das hatte.

Köln – Im November 2023 ist der Rheinpegel wieder deutlich gestiegen und erreichte einen Wert von 7 Meter. Dass allerdings ganze Straßen der Kölner Innenstadt geflutet werden, ist wohl ein seltener Anblick. So auch 1926, als das Neujahrshochwasser des Rheins Teil von Köln überschwemmte. Mit Booten wurden die Menschen in Sicherheit gebracht – das zeigt auch ein Foto aus dieser Zeit.

Mit Booten durch die Kölner Altstadt: Das „Neujahrshochwasser“ von 1926

Um Menschen aus der überfluteten Kölner Altstadt zu evakuieren, wurden bei dem Neujahrshochwasser Boote eingesetzt. (Bild aufgenommen an der Frankenwerft, 1926)

Im Januar 1926 trat der Rhein in Köln aufgrund anhaltender Regenfälle und Schneeschmelze über die Ufer und verursachte erhebliche Überschwemmungen im Stadtgebiet, wie Thomas Kesseler-Lauterkorn vom DWD erklärt.

„Beim sogenannten ‚Neujahrshochwasser‘ von 1926 wurde ein neuer Rekordpegelstand für das 20. Jahrhundert registriert“, sagt eine Sprecherin der Stadtentwässerungsbetriebe Köln (Steb). Fünf Tage lang lag der Wasserstand bei 10,69, was laut Steb sehr ungewöhnlich war. Zum Vergleich: Bereits ab einem Wert von 4,50 Meter spricht man von Hochwasser, bei dem erste Schutzmaßnahmen eingeleitet werden. Wenn der Wasserstand auf einen Wert von 10,70 Meter kommt, wird der Katastrophenalarm ausgerufen.

Kölner Altstadt überflutet: Menschen mit Booten evakuiert

Blick auf die Kölner Altstadt, die 1926 durch ein Hochwasser des Rheins teilweise überflutet wurde.

1926 wurden bei der Überschwemmung Häuser, Straßen und Geschäfte überflutet. Um Menschen aus der überfluteten Altstadt zu evakuieren, wurden daraufhin Boote eingesetzt. „Obwohl die Stadt aufgerüstet hat und 14 Kilometer Stege verbaut wurden, war die Lage äußerst ernst“, erklärt die Sprecherin. Unter anderem fiel in weiten Teilen Kölns der Strom aus. Bei Merkenich (Stadtbezirk Köln Chorweiler) drohte sogar der Rheindamm zu brechen. Helfer mussten das Loch mit Pfählen, Sandsäcken, Lehm und Dünger stopfen.

Aus diesen beiden Hochwassern zog die Stadt Köln Konsequenzen. Im Zusammenhang mit dem im Jahr 1927 begonnenen Bau der Mülheimer Brücke 1929 wurde ein Vorflutgelände auf der Riehler Seite errichtet. Außerdem entstand ein neuer Damm im Verlauf des Niederländer-Ufers bis zum Molenkopf nach Niehl.

„Neujahrshochwasser“ von 1926 – nicht das erste große Hochwasser in Köln

Die Steb listet auf ihrer Seite Hochwasserereignisse auf, die höher als 7,50 Meter waren. Dabei lag der höchste gemessene Wert bei 13,55 Meter im Jahr 1784. Das sogenannte „Eishochwasser“ war „das schwerste, das Köln jemals heimgesucht hat“, so die Steb. Eine Auswahl an Hochwasserereignissen zwischen den Jahren 1342 bis 2021:

Jahreszahl:Pegelstand:
134211,52 Meter
178413,55 Meter
188210,52 Meter
192610,69 Meter
194810,41 Meter
19658,45 Meter
19777,93 Meter
19878,55 Meter
19989,49 Meter
20039,71 Meter
20118,91 Meter
20188,78 Meter
20218,69 Meter

Rheinpegel in Köln: Schutz vor Hochwasser heute durch moderne Technologien

Heute ist der Schutz vor Hochwasser durch Technologien wie dem Pumpwerk Bayenthal gewährleistet, das mit seiner Gebäudefarbe vor Niedrig- und Hochwasser warnt. Erste Schutzmaßnahmen der Steb sollen das Eindringen des Rheinwassers in das städtische Kanalnetz verhindern. Auch wurde ein Hochwasserkonzept in Köln entwickelt. „Es kombiniert den vorsorgenden Hochwasserschutz mit dem Ausbau technischer Schutzanlagen“, so die Steb. Mindestens einmal im Jahr findet eine gemeinsame Übung der Steb Köln, der städtischen Ämter, stadtnaher Betriebe und anderer Organisationen statt.

Die Abflusssteuerzentrale überwacht täglichen das Kölner Kanalnetz mithilfe eines modernen Leitsystems. Nochdazu wird auch der unterirdische Hochwasserschutz sichergestellt. Hier werden im Falle eines Hochwassers über 800 Messstellen und 24 reine Hochwasserpumpanlagen überwacht und teilweise direkt von der Abflusssteuerzentrale gesteuert.

  • 3,21 Meter: Normalstand (10-Jahres-Mittelwert, statistisch berechnet).
  • 4,50 Meter: Im Kanalnetz werden erste Hochwasserschutzmaßnahmen durchgeführt. Ab dieser Marke spricht man laut StEB offiziell von Hochwasser.
  • Ab 5 Meter: Unterer Bereich des Rheinboulevards wird gesperrt.
  • 5,50 Meter: Kleine Hochwasserschutzzentrale wird eingerichtet. Der Leinpfad wird stellenweise schon angeflutet und muss bereits abgesperrt sein.
  • 5,80 Meter: Parkplatz an der Bastei wird gesperrt.
  • Ab 6 Meter: Die Parkplätze an der Bastei stehen teilweise unter Wasser.
  • Ab 6,20 Meter: Hochwassermarke 1 – Schiffe dürfen nur noch mit verminderter Geschwindigkeit und im mittleren Stromdrittel fahren.
  • Ab 6,30 Meter: Die Parkplätze an der Bastei sind vollständig überflutet.
  • Ab 6,70 Meter: Campingplätze in Poll und Rodenkirchen müssen geräumt sein.
  • Ab 6,80 Meter: Das Hubtor in Rodenkirchen muss geschlossen sein.
  • 7 Meter: Große Hochwasserschutzzentrale wird je nach Steigerungsrate eingerichtet (Tag- und Nachtdienst). Im Rodenkirchener Auenviertel werden erste mobile Wände aufgebaut. In Porz Zündorf wird die Groov geflutet.
  • Ab 8,10 Meter: Die Rheinuferpromenade der Altstadt wird teilweise überflutet, erste Hochwassertore in der Altstadt müssen geschlossen sein.
  • Ab 8,20 Meter: In Zündorf wird die mobile Hochwasserschutzwand aufgestellt.
  • Ab 8,30 Meter: Hochwassermarke 2 – Der Schiffsverkehr wird gesperrt.
  • Ab 8,40 Meter: Der Stadtteil Kasselberg wird vom Hochwasser umschlossen und wird zu einer Insel. Der Stadtteil ist nur noch mit watfähigen Fahrzeugen, bzw. mit Booten zu erreichen (Fährdienst).
  • Ab 9,40 Meter: Jetzt müssen die mobilen Hochwasserschutzwände in der Altstadt und an der Rodenkirchener Uferstraße stehen.
  • Ab 9,80 Meter: Im Malerviertel/Rodenkirchen wird eine „Aqua Barrier“ aufgebaut.
  • Ab 10 Metern: Sperrung des Rheinufertunnels. In Rodenkirchen werden auf dem Auenweg und der Hauptstraße Stahlwände als „zweite Verteidigungslinie“ aufgestellt.
  • Ab 10,70 Meter: Katastrophenalarm.
  • Ab 11,30 Meter: Überflutung der Altstadt.
  • Quelle: Stadt Köln

Neben dem unterirdischen Schutz beinhaltet der oberirdische Hochwasserschutz in Köln unter anderem die mobilen Hochwasserwände und -tore sowie die Deiche und Mauern entlang des Rheins. Dazu zählen aber auch Aufgaben wie der Sandsackeinsatz, Fährdienste und der Stegebau. (spo) Fair und unabhängig informiert, was in Köln und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © Jakob Volk/United Archives/Imago

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