VonJohanna Werningschließen
Der Hauptbahnhof Köln ist riesig. Was viele jedoch nicht wissen: Unter den Gleisen gibt es kilometerlange Tunnel. Noch heute haben sie eine wichtige Aufgabe.
Köln – Der Hauptbahnhof Köln liegt nicht nur direkt in der Kölner Innenstadt, neben dem Kölner Dom und dem Kölner Rhein. Der Hauptbahnhof ist auch mit 255 Metern Länge das längste Gebäude in Köln – sogar rund 100 Meter länger als die benachbarte Kathedrale. Was jedoch viele der rund 318.000 Reisenden pro Tag nicht wissen: Das wahre Ausmaß des Ungetüms erstreckt sich unter den Gleisen: ein Labyrinth aus kilometerlangen Geheimtunneln.
Seit über 150 Jahren: Geheim-Tunnel unter dem Hauptbahnhof Köln
Die heutige große Stahlhalle vom Kölner Hauptbahnhof wurde zuletzt von 1997 bis 2000 modernisiert. Doch die geheimen – für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen – Tunnelanlagen sind viel älter: Entstanden sind sie teilweise in der Zeit des ersten Kölner „Centralbahnhofs“, der 1857 neben dem Kölner Dom gebaut wurde. Also dort, wo auch heute der Kölner Hauptbahnhof steht.
Früher „Centralbahnhof“, heute Katakomben des Kölner Hauptbahnhofs. Hier befindet ein Labyrinth aus Tunneln, in denen Kabel für den heutigen Bahnhof verlegt sind. Insgesamt über 1000 Kilometer. Nur so ist man in der Lage, den „Bahnhof heute überhaupt so betreiben zu können“, sagt Peter Kradepohl, Leiter des Bahnhofsmanagements Köln, in der WDR-Doku „Geheimnis Kölner Hauptbahnhof“. Übrigens: Auch unter dem Rhein gibt es einen Tunnel, den viele nicht kennen.
Alter Posttunnel unter dem Kölner Hauptbahnhof versorgt Züge mit Lebensmitteln und Ausrüstung
Neben dem Kabeltunnel gibt es unter dem Bahnhof einen weiteren, noch größeren Tunnel. Dieser befindet sich acht Meter unter den Gleisen. Gebaut wurde er bereits 1873. Er ist rund vier Meter hoch, vier Meter breit und insgesamt 1,4 Kilometer lang. Der sogenannte alte Posttunnel führt von der Stolkgasse bis zum Breslauer Platz hinter dem Bahnhof.
Der Tunnel sollte das damalige Postzentrum in der Stolkgasse 4 mit dem Vorgänger des heutigen Bahnhofs verbinden, um Briefe und Pakete einfach und schnell zu den Zügen zu transportieren. Übrigens: Zur selben Zeit wurde in Köln der unterirdische Kronleuchtersaal in der Kanalisation gebaut.
Auch heute noch wird das rund 3600 Quadratmeter große Tunnelnetz unter den Gleisen, der Bahnhofshalle und den Geschäften genutzt. Wo früher Briefe und Pakete von der Post gelagert worden sind, befindet sich heute ein Lager für Getränke, Snacks und Ausrüstung der Bord-Bistros der Deutschen Bahn. Und der Tunnel selbst sorgt dafür, dass Lieferanten und Bauarbeiter weitgehend ungestört durch den Kölner Bahnhof kommen, die Geschäfte mit Waren beliefern, die Züge abfahrbereit machen und Kleinigkeiten reparieren. Mehrere Aufzüge führen vom Tunnel direkt zu den einzelnen Gleisen.
Etwa 120 Züge werden so pro Tag beladen. Dank des alten Posttunnels kommen so täglich insgesamt 500 Liter Kaffee, 800 Flaschen Bier, 900 Brötchen, 600 Croissants und 300 Brezel vom Lager in die Züge.
Hauptbahnhof mittlerweile zu klein – Projekt „Neue Mitte Köln“ will ihn nach Kalk verlegen
Doch trotz der „besonderen Tunnelanlage“ hat der Kölner Hauptbahnhof einige Kritiker. Mehrfach wurde heiß diskutiert, ob der Hauptbahnhof nicht besser verlegt werden sollte. Immerhin ist er für den internationalen Zugverkehr viel zu klein.
Auch aktuell gibt es mit der „Neuen Mitte Köln“ wieder eine große Diskussion. Das Vorhaben: Der Hauptbahnhof Köln soll nach Köln-Kalk verlegt und die Innenstadt bis ins Rechtsrheinische vergrößert werden. Die dadurch freigewordene Fläche soll für neue Parks, Büroflächen, Geschäfte und Wohnraum Platz machen. (jw) Fair und unabhängig informiert, was in Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.
Rubriklistenbild: © Christoph Hardt/Imago


