Durch Sparbeschlüsse beim Bund

Kosten für Strom und Gas steigen: 100 Euro Mehrkosten beim Verbraucher

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Der Weg vom Strom bis nach Werl ist lang – und das Netz kostet Geld. Weil der Bund Zuschüsse streicht, muss nun der Endverbraucher zahlen.
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Das Haushaltsloch in Berlin wird auch mit Geldscheinen der Werler Bürger gestopft: Weil der Bund sparen muss, müssen die Menschen für die Energie mehr bezahlen. Und das auf gleich zwei Ebenen, beim Strom und beim Gas: Die Stadtwerke Werl werden ihre Preise zum 1. März hin anheben. Auf den Musterhaushalt wird sich das auf Mehrkosten von etwas mehr als 100 Euro für die verbleibenden zehn Monate im Jahr summieren.

Werl – „Wir wollen nicht, wir müssen“, sagt Stadtwerke-Chef Robert Stams zur Anhebung der Kosten. Sowohl beim Strom als auch beim Gas seien die Zusatzkosten allein auf kurzfristige Entscheidungen der Bundesregierung zurückzuführen, die ihr Milliardendefizit im verfassungswidrigen Haushalt ausgleichen muss. In zwei Fällen habe das Auswirkungen auf die Energiekosten – und zwar nicht nur bei den Kunden der Stadtwerke, sondern auf alle Nutzer von Strom und Gas.

Wir müssen die Mehrkosten weitergeben.

Robert Stams, Stadtwerke-Chef

So habe die Regierung den Zuschuss für Übertragungsnetzentgelte in Milliardenhöhe gestrichen und zudem die CO2-Bepreisung stärker angehoben als gedacht. Das Erste hat Auswirkungen auf den Strompreis, das Zweite auf den Gaspreis. In beiden Fällen aber gilt laut Stams: „Wir müssen die Mehrkosten weitergeben.“ Sie summieren sich allein für die Stadtwerke Werl auf 1,7 Millionen Euro.

Folgen beim Strom

Um fünf Prozent wird der Strompreis in Werl zum 1. März angehoben. Das wird für den Musterhaushalt (Verbrauch von 3 500 Kilowattstunden im Jahr) nahezu 75 Euro ausmachen. Dass der Strompreis um 2,5 Cent pro Kilowattstunde angehoben werden muss, begründet Stams so: Durch den politischen Koalitions-Kompromiss für den Haushalt 2024 falle der bereits geplante Zuschuss für die Übertragungsnetzbetreiber in Höhe von 5,5 Milliarden Euro weg. „Dadurch müssen die Stromnetzentgelte für alle Endkunden neu berechnet werden.“ Dass es soweit kommen könnte, hatte Stams bereits Anfang Dezember befürchtet.

Die Übertragungsnetzbetreiber hatten im Rahmen der im Oktober berechneten Netzentgelte für 2024 den von der Bundesregierung angekündigten Zuschuss zwar berücksichtigt. „Diese vorläufigen Netzentgelte standen allerdings unter dem Vorbehalt, dass die Bezuschussung auch tatsächlich erfolgt“, so Stams. Die Regierung habe diese Zusage unter dem Druck des Sparen-Müssens dann aber wieder einkassiert.

Daraufhin haben die Übertragungsnetzbetreiber am 13. Dezember und in Folge dessen die Westenergie als vorgelagerter Netzbetreiber der Stadtwerke deutlich erhöhte Netzentgelte für 2024 veröffentlicht. „Im bundesweiten Durchschnitt liegt die Neuberechnung auf der Höchstspannungsebene nun bei 6,43 Cent je Kilowattstunde. 2023 lagen diese Netzentgelte aufgrund des Zuschusses aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds noch bei 3,12 Cent je Kilowattstunde; die Neuberechnung entspricht somit in etwa einer Verdopplung der Netzentgelte, rechnet Stams vor.

„Das rollt uns nun direkt vor die Haustür“, sagt der Geschäftsführer. Die Stadtwerke Werl müssten ebenso wie alle anderen Energieversorger in Deutschland neu rechnen. Heißt: Die Tarife für die Kunden müssten entsprechend steigen. Die Neufestlegung der Netzentgelte sorgen allein beim heimischen Energieversorger für Mehrkosten in Höhe von 1,3 Millionen Euro gegenüber der ursprünglichen Berechnung. Das wirft die für Januar erstellte Kalkulation der Endkundenpreise der Stadtwerke über den Haufen. Die Stadtwerke hatten den Strompreis gerade erst in einer zweiten Stufe gesenkt – um fünf Prozent. Nun geht es um diesen Satz durch die neuen Beschlüsse im Bund wieder hoch: in etwa ein Nullsummenspiel also.

Den Kunden kommt zugute, dass Preisänderungen in der Grundversorgung sechs Wochen vorher öffentlich bekannt gemacht werden müssen. Daher erfolgt die Anhebung erst zum 1. März.

Folgen beim Gaspreis

Zudem erhöht die Bundesregierung durch eine stärkere Anhebung des CO2-Preises die Einnahmen für den Bundeshaushalt. Jener Preis steige nicht wie bisher geplant von 30 auf 35, sondern auf 45 Euro pro Tonne. Durch die Neufestlegung des CO2-Preises entstehen bei den Stadtwerken Werl Mehrkosten in Höhe von 320.000 Euro gegenüber der Kalkulation des Gaspreises ab Januar. Dies entspricht einer Erhöhung beim Gas zum 1. März um 1,5 Prozent. Für den Musterhaushalt (15 000 Kilowattstunden im Jahr) bedeutet das Mehrkosten von rund 30 Euro für die verbleibenden zehn Monate 2024.

Energieversorger wie die Stadtwerke Werl agieren in diesem Fall nur als Inkasso-Unternehmen der Bundesregierung.

Robert Stams, Stadtwerke-Chef

Allerdings hatten die Stadtwerke erst zu Jahresbeginn den Gaspreis deutlich gesenkt – um 35 Prozent. Aber auch das hat noch einen Haken: Streicht der Bund die noch laufende Mehrwertsteuersenkung (7 statt 19 Prozent) wie erwartet zum April, wird es auch dadurch wieder teurer: um rund zehn Prozentpunkte.

Das Hin und Her bei den Energiekosten hält also an. Preisdeckel, Mehrwertsteuer, Wegfall der Netzentgeltzuschüsse, CO2-Bepreisung, Umlagen: Verlässlichkeit bei Entscheidungen im Energiesektor sehe anders aus, kritisiert der heimische Energieversorger. Stams „bedauert, dass durch die Regierungsbeschlüsse zur Haushaltskonsolidierung die Preise wieder angehoben werden müssen. Das sind politisch gewollte Aufschläge und Einnahmequellen, die alle Energieversorger an Strom- und Gaskunden weitergeben.“ Energieversorger wie die Stadtwerke Werl „agieren in diesem Fall nur als Inkasso-Unternehmen der Bundesregierung“.

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