Zahlen lügen nicht

Kriminalstatistik „kürt“ Pelkum zum sichersten Stadtbezirk in Hamm

+
Familiendrama an der Wegastraße: Am 24. Oktober 2022 stach ein 40-Jähriger auf seine Ehefrau ein und verletzte sie lebensgefährlich. Das war aber eine Ausnahme: In Pelkum lebt es sich vergleichsweise sicher.
  • schließen

Nicht Rhynern und nicht Uentrop: Pelkum ist laut der Kriminalstatistik 2022 der sicherste Hammer Stadtbezirk. Hier gab es nicht nur die wenigsten Straftaten insgesamt, sondern auch die wenigsten Delikte pro 1000 Einwohner.

Wie der Eingangsstatistik 2022 zu entnehmen ist, wurden im Stadtbezirk Pelkum insgesamt 1 339 Straftaten registriert – 41 weniger als im Jahr zuvor. Erfasst wurden die Delikte, die zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember verübt wurden. In früheren Statistiken der Polizei waren die Straftaten aufgeführt, die in dem betreffenden Jahr abschließend bearbeitet wurden.

Was auffällt: Die Zahl der Delikte bewegt sich in Pelkum seit Jahren etwa auf einem Niveau. Im Fünf-Jahres-Vergleich gab es 2021 die meisten Straftaten (1380), die wenigsten 2018 (1279). So knapp ging es sonst nur im Nachbarbezirk Herringen zu. Mit Blick auf die Einsätze insgesamt bezeichnete Polizeisprecher Hendrik Heine Pelkum als „weitgehend unauffällig“. Ausreißer nach oben oder unten gab es nicht, Einbruchs- und Brandserien wie in anderen Bezirken ebenfalls nicht. Die spektakulärsten Einsätze waren ein blutiges Familiendrama an der Wegastraße und der Mord an einer Rentnerin im Hölzken.

Interessant ist der Vergleich zur Gesamtstadt: Während hier die Zahl der Straftaten gegenüber dem Vorjahr um fast 2000 angestiegen ist, ging es in Pelkum bergab – und zwar nur hier. Insgesamt wurden in Pelkum knapp 68 Straftaten pro 1000 Einwohner verübt, was Platz 1 vor Uentrop bedeutet. Zum Vergleich: Im dicht bevölkerten Stadtbezirk Mitte gab es 2022 rund 223 Straftaten pro 1 000 Einwohner. Obwohl Pelkum im Vergleich mit den anderen Stadtbezirken insgesamt also gut dasteht, ist bei den Straftaten noch Luft nach unten. Das wird auch beim Blick auf die einzelnen Delikte deutlich.

Knapp 68 Straftaten pro 1000 Einwohner gab es 2022 im Stadtbezirk Pelkum.

Kriminalstatistik: Einbrüche in Wohnungen fast halbiert

Diebstahl: Die Zahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle hat sich in Pelkum gegenüber dem Vorjahr fast halbiert – von 36 auf 19. Nur im ersten Corona-Jahr 2020 – die Menschen waren deutlich weniger außer Haus – war der Wert niedriger (15). Angestiegen ist hingegen die Zahl der Diebstähle von/an/aus Pkw. 2021 waren es 84, im vorigen Jahr 92. Die Entwicklung hier gibt der Polizei Anlass zur Sorge. Seit 2018 ist die Zahl der Straftaten in diesem Bereich kontinuierlich angestiegen – von 37 auf eben 92. Das war sonst nirgendwo in Hamm der Fall. Daher der dringende Appell der Polizei: Sichern Sie Ihre Autos und lassen Sie keine Wertgegenstände wie Handys, Geldbörsen oder Handtaschen drin liegen.

Zugenommen hat auch die Zahl der Taschendiebstähle. 2021 gab es davon 10, im vorigen Jahr 17. Auch das ist im Fünf-Jahres-Vergleich der höchste Wert.

Anders sieht es bei den Fahrraddiebstählen aus, deren Zahl sich fast halbiert hat. 27 Delikte bedeuten den niedrigsten Wert in den vergangenen fünf Jahren.

Körperverletzung: Wie schon im Jahr zuvor wurden 2022 im Stadtbezirk Pelkum 22 schwere beziehungsweise gefährliche Körperverletzungen registriert. Weniger waren es nur in Rhynern (10). Allerdings sind das auch die beiden kleinsten Stadtbezirke in Hamm. In Hamm-Mitte, wo täglich deutlich mehr Menschen aufeinander- treffen, waren es 196.

Kriminalstatistik: Auch Sachbeschädigungen gehen zurück

Sachbeschädigungen: Deutlich zurückgegangen ist die Zahl der Sachbeschädigungen – und zwar von 130 auf 101. Auch das ist der niedrigste Wert in der Fünf-Jahres-Statistik.

Sexualdelike: Bei den Sexualdelikten – dazu gehört auch das Versenden von Nacktbildern – geht das Auf und Ab weiter. Gegenüber 2021 gab es in 2022 einen Anstieg um 9 auf 31. Das sind aber immer noch 29 weniger als 2019, als Nacktbilder die Zahlen nach oben schnellen ließen. Erfahrungsgemäß gibt es bei den Sexualdelikten aber auch noch eine Dunkelziffer, da hier nicht jede Straftat – oft aus Scham – zur Anzeige kommt.

Kriminalstatistik: Mehr häusliche Gewalt

Brandstiftung: Mit sieben Delikten so wie auch schon 2021 befindet sich die Zahl der Brandstiftungen auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Ob das so bleibt, muss abgewartet werden. Denn allein in dieser Woche gab es im Stadtbezirk gleich zwei Brandstiftungen: An der Werner-Heisenberg-Straße brannten ein Müllcontainer und ein Auto, in einem Supermarkt in Pelkum Kleidung und Spielzeug.

Raubdelikte: Bei den Raubdelikten, zu denen auch die räuberische Erpressung gehört, gab es einen Fünf-Jahres-Höchstwert. Angezeigt wurden neun Fälle, vier mehr als 2021.

Häusliche Gewalt: Unter „Häusliche Gewalt“ tauchen unter anderem auch Hausfriedensbruch und Beleidigungen auf. Davon gab es in Pelkum 35, ähnlich viel wie 2020/21 und deutlich mehr als im Vor-Corona-Jahr 2020 (19).

Korrekte Daten: Der Polizei war bei der ersten Erhebung der Daten für die Kriminalstatistik ein Fehler unterlaufen. Deshalb war ein Großteil der Werte für 2022 falsch, über die der WA in mehreren Stadtbezirken berichtet hat. Der Fehler war beim Verfassen der Texte für Mitte, Pelkum und Herringen bereits bekannt. Deshalb enthält dieser Text die laut Polizei korrekten Werte.

Kommentare