- VonFrank Lahmeschließen
Über 16.500 Straftaten verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr. Vor allem die Zahl der Einbrüche stieg - ebenso wie die der Tötungsdelikte. Immerhin: Die Aufklärungsquote stieg ebenfalls.
Hamm – Immer mehr Gewalt- und Straftaten: Wer das in der Vergangenheit in Hamm so empfand, lag damit falsch. Fürs vergangene Jahr trügt der düstere Eindruck jedoch nicht. Mehr Straftaten als in 2022 wurden von der Polizei Hamm in den zurückliegenden zehn Jahren nicht bearbeitet und abgeschlossen. 16.549 Fälle waren es insgesamt – fast 2.000 mehr als im Jahr davor. Das geht aus der Kriminalstatistik für 2022 hervor. Nach Corona hatte nicht nur die redliche Bürgerschaft einiges zu kompensieren – auch auf der Schattenseite der Gesellschaft gab es offenbar Nachholbedarf.
Auf NRW-Niveau: Zahl der Straftaten deutlich gestiegen
Weil die Kriminalitätsentwicklung in Hamm aber noch etwas undramatischer als in Gesamt-NRW gewesen ist und weil die Aufklärungsquote in Hamm mit 55,62 Prozent (1.000 mehr aufgeklärte Fälle gegenüber 2021) spürbar höher lag als im Landesschnitt (51,99 Prozent), war es für die Hammer Polizei am Ende doch kein Jahr zum Vergessen. Aber: „2022 war ein Jahr, das uns allen in Erinnerung bleiben wird“, sagte Polizeipräsident Thomas Kubera am Dienstag bei der Präsentation der Kriminalstatistik fürs zurückliegende Jahr.
Mord, Totschlag: Sieben Tötungsdelikte in einem Jahr
Kubera nahm dabei als Erstes die erschreckend hohe Zahl an Kapitalverbrechen in den Blick. Er erinnerte an den Amoklauf an der Hochschule, den psychisch kranken Rentner, der seine Ehefrau in der gemeinsamen Wohnung im Lohauserholz erschlug, und an die Messer-Attacke in der Pizzeria Big Daddy, zu der es offenbar wegen eines falsch belegten Baguettes gekommen war. Sieben Tötungsdelikte (zwei vollendet) wurden registriert.
Es geht auch um die Schicksale. Die Aufarbeitung ist auch mit dem Gerichtsverfahren nicht abgeschlossen.
„In dem Ausmaß hat es das lange nicht gegeben“, sagte Kubera. All die Taten hätten die Polizei nicht nur arbeitsmäßig beschäftigt. „Es geht auch um die Schicksale. Die Aufarbeitung ist auch mit dem Gerichtsverfahren nicht abgeschlossen“, so der Polizeichef.
Zahl der Einbrüche steigt - viele davon wirken dilettantisch
Gestiegen ist auch die Zahl der Wohnungseinbrüche – und zwar deutlich. Mit 286 Taten (davon 119 im Versuchsstadium) wurde eine Steigerung von 44 Prozent gegenüber 2021 verzeichnet. Für die Hammer Polizei ist hier ein Corona-Effekt ganz deutlich sichtbar. Die Menschen waren weniger zu Hause, wodurch sich den Tätern wieder mehr Gelegenheiten zum Einbruch boten.
Professionelle Einbrecherbanden, die von Stadt zu Stadt fahren, sind allerdings weniger am Werk gewesen. Das sei an der vielfach dilettantischen Begehungsweise erkennbar. Vieles spreche dafür, dass in der Regel ortsansässige Beschaffungskriminelle am Werke seien. Urlaubs- und Ferienzeiten würden ebenso wie die dunkle Jahreszeit wieder vermehrt für die Streifzüge genutzt. So unerfreulich die Entwicklung auch ist: Nicht vergessen werden sollte, dass 2015 (568 Fälle) und 2016 (534 Fälle) noch ganz andere Einbruchszahlen in Hamm erreicht worden waren.
Diebstähle von Kraftfahrzeugen - viele davon nicht abgeschlossen
Ebenfalls einen Corona-Effekt sieht die Hammer Polizei bei den Diebstählen auf Kraftfahrzeugen. Um satte 27,14 Prozent schnellten die Fallzahlen nach oben, 1.204 Taten waren es insgesamt. Warum ein Corona-Effekt? Weil die Menschen wieder mobil waren und ihre Autos nicht mehr nur in der heimischen Garage abgestellt hatten. Erstaunlich zudem, dass die Pkw häufig nicht abgeschlossen waren und die Täter (meist auch Beschaffungskriminelle) leichtes Spiel hatten.
Fahrrad-Diebstähle (866) gab es zwar spürbar weniger (-4,20 Prozent) in Hamm, dafür jedoch wurde ein neuer Beuteschaden-Rekord verzeichnet. Mit gut 910 000 Euro lag der Schaden um 230 000 Euro über dem bisherigen Rekord aus dem Vorjahr. Fahrräder werden immer hochwertiger: Im Durchschnitt kostete jedes in Hamm gestohlene Fahrrad 1.054,75 Euro. Im Jahr 2018 waren es noch 519 Euro gewesen.
Enkel-Trick und Schockanrufe: Großer Schaden durch Betrüger
Schockanrufe (Enkeltrick, falsche Polizisten) werden vielfach vom Ausland organisiert. 26 Mal kam es im vergangenen Jahr zu Geldübergaben. Der Schaden: 308.000 Euro – ebenfalls ein neuer, trauriger Rekordwert.

