Das verflixte Jahr

Krise, Überfall, Rohrbruch: „Manu’s Lädchen“ kämpft mit Widrigkeiten

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Mit Planen abgedeckt: Ein wichtiger Teil von „Manu’s Lädchen“ ist derzeit nicht nutzbar.
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Die „Heart Biker“ aus Hamm trommeln auf Facebook, bitte bei ihr einkaufen zu gehen. Auch andere Unterstützungs-Aufrufe machen die Runde: Manuela Koslowski, besser bekannt als Manu von „Manu’s Lädchen“, bekommt gerade jede Menge Rückenwind. Den braucht sie auch – 2023 war wirklich nicht ihr Jahr.

Hamm-Süden – Koslowski, 59 Jahre alt, graue kurze Haare, rote Brille, ist eine freundliche Frau. „Frühstücken wie früher bei Mutter“, könne man bei ihr, schreibt eine Nutzerin auf Facebook. Nirgends sonst bekomme man so ein schönes Lächeln. Koslowski hat an der Eschenallee einen klassischen Tante-Emma-Laden mit Brötchen, Wurst und Kleinigkeiten, die man für das tägliche Leben braucht.

Wasserschaden: Geschäft nur teilweise nutzbar

Allerdings kann Koslowski seit Ende Oktober nur einen Teil ihres Geschäfts nutzen. Es befindet sich in einem Mehrfamilienhaus. Im September bemerkte sie Flecken an der Decke und informierte ihren Vermieter, die LEG. Diese beauftragte Handwerker, die nicht erkannten, dass es sich um einen Wasserschaden handelte. Die Flecken wurden überstrichen.

„Leider hat sich in der Folge doch herausgestellt, dass es sich um einen großen Wasserschaden handelt“, erklärt ein LEG-Sprecher dazu. Eine Abwasserleitung war defekt. „Wir konnten zuschauen, wie Wasser in den Laden lief“, sagt Koslowski über das Oktoberwochenende.

Sie informierte gleich freitags die LEG – die erst montags Handwerker schickte. Derweil lief das Wasser weiter. „Wir haben mit meinem Bruder und meiner Schwägerin die ganze Zeit das Wasser herausgeschippt, sonst hätte der Laden unter Wasser gestanden.“

Laden vor allem für ältere Leute wichtig

Montag wurde die Leitung repariert, Trockengeräte wurden aufgestellt. Koslowski musste einen Teil des Ladens mit einer Plastikplane abteilen. Vom Eingangsbereich her sieht man kaum, dass sie improvisiert hat und ihr Sortiment etwa so viel umfasst wie sonst. „Ich sehe manchmal, wie Leute gleich wieder kehrtmachen, weil sie meinen, dass wir gar nicht geöffnet haben“, sagt Koslowski.

Eigentlich hätte sie schließen können – doch sie wollte nicht. „Ich glaube, der Laden ist vor allem für viele ältere Leute wichtig“, sagt Koslowski. Menschen aus den großen Mehrfamilienhäusern in der Umgebung zum Beispiel, die nicht mehr gut zu Fuß sind. „Sie müssten sonst zum Einkaufen mit dem Bus fahren“, sagt Koslowski. Also könnten sie im Zweifel zu ihr kommen – manchmal liefert sie Lebensmittel auch. „Für manche sind wir der einzige Kontakt am Tag.“

In Folge der Krisen: Geld sitzt nicht mehr locker

Koslowski hat ihr ganzes Berufsleben in dem Geschäft im Hammer Süden verbracht. Erst arbeitete sie dort im Coop. 2010 machte sie sich selbstständig. Sie hofft, das Geschäft mindestens bis zum Rentenalter weiterführen zu können.

Doch klappt das? „Die Inflation, die Energiekrise, das beschäftigt ja alle“, sagt sie. Das Geld sitze nicht mehr locker. „Die meisten müssen gucken, wie sie finanziell klarkommen.“ Vor der Pandemie kauften täglich 150 bis 170 Kunden bei ihr ein, inzwischen nur noch zwischen 70 und 100. „Das ist ein gewaltiger Einbruch“, sagt Koslowski.

Zu allem Überfluss wurde sie im Sommer überfallen. Ein Einbrecher bedrohte sie mit dem Messer. „Zum Glück wurde er gefasst und verurteilt.“

„Ich bin dankbar für die viele Unterstützung“

Auch der Wasserschaden soll in ein paar Wochen überstanden sein. Die LEG will bis 14. Dezember alle Arbeiten abgeschlossen haben. Außerdem kündigt die Firma nun an, das persönliche Gespräch mit Koslowski zu suchen – und eine angemessene Mietminderung für den Schadenszeitraum zu vereinbaren.

„Ich bin dankbar für die viele Unterstützung, die ich erhalten habe“, sagt Koslowski. „Ich hoffe, dass ich noch lange hier weitermachen kann.“

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