Speiseeis und Sommer gehören einfach zusammen. Schon das anhaltend schlechter Wetter hat daran in diesem Sommer gerüttelt, die Preiserhöhung je Kugel aber noch mehr. Hat es den Eisdielen in Hamm geschadet?
Hamm – Im Sommer genüsslich ein Eis in der Sonne genießen – das mag doch eigentlich jeder. Etwa seit Ende des letzten Jahres sind die Produktionskosten allerdings aufgrund der Inflation in Folge des Ukraine-Krieges in die Höhe geschossen. Das geht auch an den Eisdielen hier bei uns in Hamm nicht spurlos vorüber. Anfang 2023 zeichnete sich ab, dass die Preise erhöht werden müssen (hier die Preis-Umfrage aus 2022). Jetzt in Richtung Ende der Sommersaison haben wir nachgefragt, wie die Reaktionen der Kunden ausfallen.
Der Geschäftsführer der „Eis-Oase“, Jakup Jakupi, berichtet von gestiegenen Nebenkosten wie Strom, der Mindestlohnerhöhung und Lebensmittelpreisen. Um die zusätzlichen Kosten auszugleichen müsste er die Preise eigentlich um 15 Prozent erhöhen. Er hat sie allerdings nur um 7 Prozent erhöht, auf 1,40 Euro pro Kugel Eis. Die gestiegenen Eis-Preise rufen laut Jakupi allerdings keine negativen Reaktionen der Kunden hervor. „Wir haben zwar weniger Einnahmen, aber nicht durch weniger Kunden.“ Wenn die Kosten wieder sinken, hat er außerdem vor, die Eis-Preise auch wieder zu senken.
Saqip Jakupi, seit fast 25 Jahren Geschäftsführer von „Eis Venezia Remor“ in der Fußgängerzone, berichtet ähnliches. „Um die Produktionskosten komplett auszugleichen, müsste eine Kugel Eis mittlerweile 2,20 Euro kosten“, sagt er. Aber so teuer könne man das nicht machen, bei ihm kostet sie aktuell ebenfalls 1,40 Euro. „Ich bin hier, um den Leuten das Leben zu versüßen.“ Und so spare dafür am Personal und arbeite selber mehr. Die Kunden akzeptieren das und essen so viel Eis wie vorher, bei ihm habe sich noch niemand beschwert.
Eisdielen in Hamm: Einige Kugeln statt großer Becher
Auch im „Eiscafe Venezia di Vinti“ in Heessen mussten die Preise erhöht werden. Eine Kugel Eis kostet nun 1,30 Euro. Inhaber Marco di Vinti sagt: „Wir haben nicht weniger Kunden, aber sie bestellen weniger.“ Anstatt großer Becher würden die Leute nur noch einige Kugeln essen, diese Entwicklung habe er aber auch schon letztes Jahr bemerkt.
Xantos Argiriou, Geschäftsführer der „Kuhbar“ in Herringen, bestätigt diese Entwicklung. Auch bei ihm mussten Anfang des Jahres aufgrund der gestiegenen Produktionskosten die Preise erhöht werden. 1,60 Euro kostet eine Kugel Eis mittlerweile. „Die Kunden wissen, woran das liegt, sie sehen es beim Einkauf ja selbst, und haben Verständnis“, so Argiriou. Er berichtet, dass die Kunden dadurch zwar nicht seltener kommen, aber dafür eher Probierkugeln oder kleinere Becher bestellen.
Eisdielen in Hamm: teuerstes Eis gibt‘s in München
Der Kostenanstieg betrifft und betraf natürlich nicht nur die Eisdielen in Hamm, in ganz Deutschland sind die Preise gegenüber 2022 im Durchschnitt um 11 Prozent angestiegen. Zum Vergleich: In Köln kostet dieses Jahr eine Kugel Eis durchschnittlich 1,67 Euro, in Berlin 1,77 Euro und in München sogar 2,03 Euro. Insgesamt ist deutschlandweit eine Kugel Eis in Nordrhein-Westfalen noch am günstigsten.
Aber nicht nur die gestiegenen Nebenkosten erschweren Eisdielenbesitzern das Leben, in diesem Sommer machte sich bei den Hammer Eisdielen auch das herbstliche Wetter der letzten Wochen bemerkbar. Durch den viele Regen und die niedrigen Temperaturen sei der Umsatz nicht so hoch ausgefallen wie in vergangenen Sommern. Saqip Jakupi bringt es auf den Punkt: „Eis ist mit Sonne verbunden: Wenn das Wetter schlecht ist, essen die Leute weniger Eis.“ (Franka Liesegang)
Wer in Hamm ein frisches Eis genießen möchte, kommt an der Eis-Oase nicht früher oder später nicht vorbei. Das liegt nicht nur an den zwei (bald drei) Standorten, sondern war im Sommer 2021 auch überwältigender Tenor unserer Umfrage.