VonMarkus Hannekenschließen
Nach wie vor gibt es im künftigen „Erlebensraum Lippeaue“ in Hamm einen Blindgängerverdacht im Stand-by-Modus. Es ist der einzig verbliebene dort. Doch er bereitet den Verantwortlichen größeres Kopfzerbrechen als üblich. Und verursacht deutlich höhere Kosten.
Hamm - Im März 2022 wurde bekannt, dass in der Nähe des Ruderclubs noch ein Blindgänger zu entschärfen ist. Damals hieß es, die Aktion solle möglichst im zweiten Quartal 2022 über die Bühne gehen. Bis heute – also ein halbes Jahr später – ist das nicht passiert. Nun drängt die Zeit: Ende März 2023 soll Eröffnung sein, zuvor gilt es auch in diesem Teil des Projektgebiets Erlebensraum Lippeaue noch allerhand Schönheitsarbeiten zu erledigen.
Nach Angaben von Stadtsprecher Tom Herberg liegt die mutmaßliche Weltkriegsbombe südlich der Kläranlage Mattenbecke. Der betreffende Baustellenbereich sei abgesperrt und daher ohnehin nicht zugänglich. Weiter südlich wird die fragliche Stelle ganz natürlich durch die Lippe begrenzt.
Während der vierjährigen Bauphase wurden im Erlebensraum schon jede Menge größere und kleinere Blindgänger unschädlich gemacht. „Mit so vielen Kampfmitteln haben wir nicht gerechnet“, hatte Projektleiterin Silke Bielefeld schon im März 2022 gesagt. Kein anderer stellte dem Anschein nach aber eine solche Herausforderung dar wie der hier thematisierte.
Blindgänger im Erlebensraum: sehr aufwendiger Planungsprozess
„Es handelte sich um einen sehr aufwendigen Planungsprozess, da der Punkt sehr tief und daher auch im Grundwassereinstrom liegt“, erklärt der Stadtsprecher. „Aufgrund der Nähe der Gewässer Fischumgehungsgerinne und Lippe ist außerdem ein großer Einstrom von Grundwasser zu erwarten.“ Zusätzlich liegt in direkter Nähe zum Verdachtspunkt eine Hauptleitung der Kläranlage, die für die Überprüfung zeitweise umverlegt werden muss.
Dieses Sammelsurium an Problemen musste zuerst planerisch gelöst werden. Wann die entscheidende Aktion samt Entschärfung endlich durchgeführt wird, ist noch immer unklar: „Je nach Witterung noch in diesem Jahr“, heißt es offiziell immerhin. Zumal sich ja auch noch herausstellen kann, dass der mögliche Gefahrenpunkt tatsächlich gar nicht (mehr) gefährlich ist.
Blindgänger im Erlebensraum: Aktion diesmal besonders teuer
Das allerdings wird erst am Tag X klar werden, also erst wenn der Verdachtspunkt komplett freigelegt ist. Abhängig von der Größe des Kampfmittels wird dann ein entsprechend großer Radius für die Räumung bestimmt, ehe es zur Entschärfung kommt – das ist dann das übliche und bekannte Vorgehen. In der Regel liegt dieser Radius bei 250 oder 500 Metern. Nach der Entschärfung müssen alle Maßnahmen bis hin zum Verfüllen der Baugrube wieder rückgängig gemacht werden.
Die materielle Crux ist auch eine finanzielle: Denn gleich ob sich der Blindgängerverdacht bestätigt oder nicht, werden die Gesamtkosten im sechsstelligen Bereich liegen: Ein solcher Betrag wird bei den allermeisten normalen Entschärfungen nicht erreicht.
In Hamm wurden in den vergangenen Jahren dutzende Blindgänger entdeckt, entschärft und geborgen. Über der Stadt waren im Zweiten Weltkrieg auch wegen des wichtigen Verschiebe- und Güterbahnhofs besonders viele Bomben niedergegangen. Erst am Dienstagvormittag wurde in Heessen ein Kampfmittel entschärft.
