Gartenserie

Lieblingsobst der Deutschen

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Da freut sich des Gärtners Herz, wenn ein Apfelbaum, hier ein Viertelstamm der Sorte „Alkmene“, im Herbst prallvoll mit Früchten hängt.
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Apfelbäume für fast alle Standorte geeignet und blicken auf jahrtausendealte Züchtungstradition in vielen Kulturen zurück.

Soest – „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Dieser Spruch wird Martin Luther zugeschrieben. Zwar gibt es keine Belege dafür, dass der Reformator dieses tatsächlich gesagt hat. Heute vermutet man, dass er erst im 20. Jahrhunderten nach den Weltkriegen als Hoffnungsanstoß Luther zugeschrieben wurde. Bekannt aber ist, dass Luther den Apfelbaum als Symbol für die göttliche Gnade im irdischen Leben gesehen hat.

Auch in der Bibel spielt der Apfel eine bedeutende Rolle, wenn auch beispielsweise als verbotene Frucht. Als Reichsapfel der Kaiser gilt er sogar als Symbol für die Weltherrschaft.

Bei all diesen hohen Bedeutungen, die die Menschen dem Apfel zugeschrieben haben, kann es nicht verwundern, dass er das Lieblingsobst der Deutschen ist. Mit einem Jahreskonsum von bis zu 35 Kilogramm pro Kopf liegt der Apfel weit vor der zweitplatzierten Banane, die es nicht mal auf die Hälfte bringt mit etwa zehn Kilogramm pro Kopf und Jahr.

Süßsäuerlich, saftig und knackig

Natürlich verzehren wir vor allem deshalb so viele Äpfel, weil sie einfach lecker sind, süßsäuerlich, saftig, knackig und dazu noch sehr gesund. Dafür spricht auch die englische Volksweisheit: „An apple a day keeps the doctor away“ (ein Apfel am Tag, mit dem Doktor kein Plag).

Langer Rede kurzer Sinn: Eigentlich sollte in jedem Garten ein Apfelbaum wachsen. Er bereitet uns das ganze Jahr über Freude. Im Frühling bezaubert er durch sein weiß-rosa Blütenkleid, im Sommer sorgt sein üppiges Grün für Schatten, im Herbst lachen uns die reifen Äpfel an, und im Winter schmecken diese uns besonders gut und stärken so ganz nebenbei unsere Gesundheit.

Jeder Garten ist anders. Es gibt winzige Fleckchen, großzügige Parkflächen, Millionen „Durchschnittsgärten“, Schrebergärten, schattige Innenhöfe, besonnte Vorgärten und, und, und… Für (fast) all diese Gärten gibt es geeignete Apfelbäume.

Die Menschen haben sich seit vielen Jahrhunderten schon mit der Züchtung von Apfelsorten für alle erdenkliche Bedingungen befasst. Als älteste bekannte und urkundlich verbriefte Apfelsorte weltweit gilt der Borsdorfer, der schon in einem Dokument der Zisterzienser im Jahr 1170 erwähnt wird. Bekannt ist aber auch, dass schon im alten Ägypten, bei den Persern und in China vor 3000 Jahren Äpfel gezüchtet wurden. Karl der Große sorgte um 800 dafür, dass Obstbaumschulen angelegt wurden. 1582 erließ Kurfürst August von Sachsen eine Verordnung, nach der jedes Ehepaar zwei Obstbäume pflanzen musste.

Ein prächtiges Bild bieten Apfelbäume im Frühling mit ihrer weißen Blütenpracht, hier Hochstämme der Sorten „Schöner aus Nordhausen“(vorne) und „Dülmener Rosenapfel“.

Stammvater für alle unsere Apfelsorten sind die Wildäpfel und da vor allem der asiatische Wildapfel. Aber auch der kaukasische und der europäische Wildapfel sollen einige Gene beigesteuert haben. Leider sind nahezu alle Wildapfelbestände weltweit in ihrem Bestand gefährdet. Zumeist wachsen diese Wildlinge zu stattlichen Bäumen heran, die locker eine Höhe von zehn und bis zu 30 Metern erreichen können.

Angesichts solcher Ausmaße ist eine Forderung, dass in jedem Garten ein Apfelbaum wachsen sollte, ziemlich gewagt. Denn in den meisten Hausgärten dürfte für einen solch üppigen Baum schlicht der Platz fehlen. Aber es gibt Abhilfe. Denn heutzutage werden Apfelbäume von winzig bis sehr groß angeboten. Die kleinsten Vertreter sind so zierlich, dass sie sogar im Kübel auf dem Balkon oder der Terrasse gehalten werden können. Bis zum Großapfelbaum, etwa einem Kaiser-Wilhelm-Hochstamm oder Jakob Lebel, die zehn Meter in der Breite und Höhe erreichen können, gibt es jede Menge Zwischengrößen.

Um zu verstehen, wie das funktioniert, muss man sich ein wenig mit der Züchtung von Apfelbäumen befassen. Natürlich könnte man aus einem reifen Kern aus einem Apfel ein neues Bäumchen ziehen. Es gibt da aber mehrere gravierende Probleme. Das schwerwiegendste: Die Nachkommen aus den Kernen sind keineswegs sortenrein. Es kann passieren, dass aus zehn Kernen zehn unterschiedliche Sorten entstehen, nur nicht die gewünschte. Wer also seinen Lieblingsapfel vermehren wollte, wird sicherlich schwer enttäuscht sein, wenn er nach Jahren feststellen muss, einen ganz anderen Apfel herangezogen zu haben.

Züchtungen brauchen Geduld

Das ist das nächste Problem: Züchtungen aus Apfelkernen brauchen mitunter zehn Jahre, bis sie erstmals Obst tragen. Es kann sogar passieren, dass sie lebenslang keine Äpfel hervorbringen. Und ein dritter gravierender Nachteil: Sämlinge wachsen ungehemmt, wie das Erbgut es vorgibt. Sie werden am größten – und dann erhebt sich gleich das schon angesprochene Platzproblem.

Aus diesen Gründen haben die Menschen schon vor Jahrhunderten begonnen, Apfelbäume je nach Anforderungen passend aus einem „Baukastensystem“ zusammenzubauen. Alle Edelapfelsorten, die wir heute in unseren Gärten haben oder im Gartenhandel kaufen, bestehen aus mindestens zwei unterschiedlichen Teilstücken, manchmal auch aus dreien. Edelsorten, also das Obst, das wir heute essen, sind immer durch Veredlung entstanden. All diese Bäume sind also ungeschlechtlich vermehrt worden – im Gegensatz zu den Sämlingen.

Wie das geht und welche Bedeutung das hat, davon mehr in der nächsten Folge.

Hier geht es zur Folge der vergangenen Woche.

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