„Nationaler Rat“ besucht drei Unternehmen im MK

Bereit für Wasserstoff: Nationaler Rat besucht Altenaer Unternehmen

Eine zentrale Frage der Energiewende führte den Nationalen Wasserstoffrat (NWR) auch nach Altena im Märkischen Kreis.

Altena – In einer Region, die stark vom industriellen Mittelstand geprägt ist, konnte sich das Expertengremium vor Ort informieren, welche Schritte notwendig sind, um das Potential des Wasserstoffs konkret zu heben. Der NWR war dabei auch zu Besuch im Altenaer Drahtwerk Lüling. Wie die Gesellschaft zur Wirtschafts- und Strukturförderung (GWS) im Märkischen Kreis in einer Pressemitteilung erläutert, diente der von der GWS initiierte Besuch dazu, die Herausforderungen, vor denen die Industrie steht, zu erörtern und die Bedeutung von Wasserstoff als Zukunftstechnologie zu unterstreichen. Dazu wurden verschiedene Unternehmen besucht: Neben Lüling in Altena waren dies Risse und Wilke in Iserlohn und Otto Fuchs in Meinerzhagen.

Bundesregierung beraten

Der NWR unter dem Vorsitz von Katherina Reiche ist ein unabhängiges Beratungsgremium der Bundesregierung, dem 26 Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft angehören. Seine Aufgabe ist es, die Bundesregierung bei der Weiterentwicklung und Umsetzung der Nationalen Wasserstoffstrategie zu beraten.

Katherina Reiche, Vorsitzende des NWR, wird in der Mitteilung so zitiert: „Der Besuch bei den Unternehmen im Märkischen Kreis hat unseren Blick auf die nächsten notwendigen Schritte für den Wasserstoff-Hochlauf noch einmal geschärft. Die Verteilnetze sind entscheidend für die Zurverfügungstellung von klimaneutralem Wasserstoff. Jetzt muss die Politik die nächsten Schritte angehen und zeitnah die weiteren erforderlichen Rahmenbedingungen für den Wasserstoff-Hochlauf entwickeln und festlegen. Wir brauchen dazu zügig Planungssicherheit für Transformation und Investitionen vor Ort. Nur so kann es gelingen, Deutschland als globalen Vorreiter im Bereich Wasserstoff zu etablieren und die Energiewende erfolgreich zu gestalten sowie lokale Wertschöpfung zu sichern.“

Unternehmen fordern Subventionen

„Wir freuen uns, dass sich das Gremium persönlich vor Ort bei den mittelständischen Betrieben abseits der großen Ballungsräume informiert“, wird Jochen Schröder, Geschäftsführer der GWS, die den Besuch mit organisiert hatte, zitiert.

Drei Industrieunternehmen, die exemplarisch für die gesamte Region stehen, waren Ziel des Besuchs des NWR. Bei der Risse + Wilke Kaltband GmbH & Co. KG in Iserlohn, einem Familienunternehmen in vierter Generation, das für seine hochwertigen Stahlprodukte bekannt ist, berichtete Geschäftsführer und Gesellschafter Jörg Lohölter laut Mitteilung von explodierenden Energiekosten und einer fehlenden Wasserstoffinfrastruktur, die den Standort Iserlohn unattraktiv machen.

Christian von der Crone, Geschäftsführer der Altenaer Firma Lüling, hatte eine klare Botschaft für die Delegation des „Nationalen Wasserstoffrates“ beim Besuch im Drahtwerk.

Auch bei der FR. u. H. Lüling GmbH & Co. KG in Altena, einer der größten stahlwerksunabhängigen Drahtziehereien Europas, ist die Lage ebenfalls angespannt. Geschäftsführer Christian von der Crone erklärte laut Pressemitteilung, dass das Unternehmen bereit sei, auf wasserstoffbasierte Verfahren umzustellen. Das Unternehmen begreift Zuwanderung als eine Chance und bietet Geflüchteten eine Ausbildung.

Technischen Möglichkeiten

Die technischen Möglichkeiten stünden zur Verfügung, da es aber an allen Standorten an der Versorgungsinfrastruktur fehle, lägen die Projekte auf Eis. Auch sei Wasserstoff im Vergleich zu Erdgas und Strom aufgrund der Energiekostenzuschläge derzeit nicht wirtschaftlich und steht zudem noch nicht „grün“ zur Verfügung. Auch die Umstellung auf Strom sei mit enormen Herausforderungen verbunden, wirke aber derzeit als der realistischere Ansatz.

Beim Luftfahrt- und Automobilzulieferer Otto Fuchs KG in Meinerzhagen begrüßte Landrat Marco Voge die Mitglieder des Nationalen Wasserstoffrats. Jörn Grotepass, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter der Aerospace Division sowie Arne Wiemer, Leiter Operations Aerospace, schilderten laut GWS Mitteilung im Anschluss die Herausforderungen, vor denen das Unternehmen stehe. Die Umstellung der Hochtemperaturprozesse und der Blockheizkraftwerke auf klimaneutrale Energieträger erforderten den Einsatz von Wasserstoff, doch die Unsicherheiten seien enorm: Es fehle eine verlässliche Versorgungsinfrastruktur, die Kosten seien schwer kalkulierbar, und auch die Auswirkungen auf Fertigungsprozesse und Produkte müssten erforscht werden. Ohne entsprechende Unterstützung seitens der Politik, sowohl in der Bereitstellung der richtigen Infrastruktur als auch durch Subventionen bei der Umstellung auf neue Technologien werde eine entsprechende Transformation nicht funktionieren.

Das Fazit der Unternehmer und der GWS fällt laut Pressemitteilung wie folgt aus: Im Märkischen Kreis, der abseits des geplanten Kernnetzes für Wasserstoff liegt, fehle es an konkreter Planungssicherheit. Der Besuch des Nationalen Wasserrats im Märkischen Kreis hat nach Ansicht der GWS deutlich gemacht: Ohne eine gezielte Unterstützung und den Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur in der Fläche könnte eine der zentralen Industrieregionen Deutschlands im globalen Wettbewerb zurückfallen. Die Unternehmen seien bereit, ihren Beitrag zur Dekarbonisierung zu leisten – sie brauchten aber die richtigen Rahmenbedingungen, um dies auch wirtschaftlich umsetzen zu können.

Rubriklistenbild: © LÜLING / FREIWERK MAIK WIESEGART

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