Demonstration eskalierte

„Hemmungslose Gewalt“ in Lützerath: Das sagt die Polizei zu den Aktivisten-Vorwürfen

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Nach der Konfrontation zwischen Aktivistinnen sowie Aktivisten und der Polizei in Lützerath am 14. Januar erheben beide Seiten schwere Vorwürfe.

Aachen – Die Ereignisse der Demonstration in Lützerath, bei der sich am 14. Januar Auseinandersetzungen zwischen Aktivistinnen sowie Aktivisten und der Polizei ereigneten, werden auch am Tag nach den teils schockierenden Bildern heiß diskutiert. Am Sonntag (15. Januar) erreichte 24RHEIN eine Sprecherin der Initiative „Lützerath lebt“, um mit ihr über die Vorkommnisse zu sprechen. Die Polizei hatte am Vormittag von 70 verletzten Einsatzkräften berichtet – eine konkrete Zahl Verletzter auf Demonstranten-Seite konnte die Sprecherin nicht nennen, sprach jedoch von einer „hohen, zweistelligen Zahl“.

Aktivisten erheben schwere Vorwürfe gegen Polizei in Lützerath: „vom Ausmaß der Gewalt schockiert“

Räumung des Dorfes Lützerath — Aktivisten und Polizei treffen aufeinander

Die Polizei hat am Mittwoch (11. Januar) damit begonnen, den von Klimaaktivisten besetzten Braunkohleort Lützerath zu räumen.
Räumung des Dorfes Lützerath © Rolf Vennenbernd/dpa
Die Polizei hat am Mittwoch (11. Januar) damit begonnen, den von Klimaaktivisten besetzten Braunkohleort Lützerath zu räumen.
Räumung des Dorfes Lützerath © Rolf Vennenbernd/dpa
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Räumung des Dorfes Lützerath © Rolf Vennenbernd/dpa
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Räumung des Dorfes Lützerath © Rolf Vennenbernd/dpa
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Räumung des Dorfes Lützerath © Rolf Vennenbernd/dpa
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Räumung des Dorfes Lützerath © Rolf Vennenbernd/dpa
Die Polizei hat am Mittwoch (11. Januar) damit begonnen, den von Klimaaktivisten besetzten Braunkohleort Lützerath zu räumen.
Räumung des Dorfes Lützerath © Rolf Vennenbernd/dpa

„Wir waren mit über 50 Sanis im Einsatz, die Verletzungen wurden überwiegend durch Schlagstöcke, Pfefferspray und mehr herbeigeführt. Es war ein sehr chaotischer Einsatz.“ Die Polizei sei mit „hemmungsloser Gewalt“ vorgegangen, so die Sprecherin weiter. „Viele Teams haben zudem gemeldet, dass die Polizei sie während des Behandelns verletzter Personen behindert hätte und in einem Fall eine noch zu behandelnde Person angegriffen hat“, so die Sprecherin, die „vom Ausmaß der Gewalt schockiert“ war. „Diese Stufe der Brutalität kam selbst für uns sehr überraschend.“

Am Samstag (14. Januar) kam es in Lützerath zu einer Konfrontation zwischen Aktivistinnen sowie Aktivisten und der Polizei.

Polizei Aachen ordnet Lützerath-Konflikt aus ihrer Sicht ein – „Personen übten erheblichen Druck aus“

Die Polizei Aachen hatte bereits in der Nacht zum Sonntag eine Mitteilung herausgegeben, in der sie die Vorfälle wie folgt einordnete: „Die vielfach vermummten Personen übten an beiden Orten erheblichen Druck auf die polizeilichen Sperren aus und durchbrachen diese zum Teil.“ Dabei seien auch „Pfefferspray, der Einsatzmehrzweckstock und Wasserwerfer“ eingesetzt worden. Mit dem Ziel, „Störer zurückzudrängen, die versuchten, in den gesicherten Bereich zu gelangen.“

Die verlassenen Dörfer bei Lützerath – so sehen sie heute aus

Leerstehende Häuser in Dörfern bei Lützerath
Eine Gaststätte in Keyenberg. Weinranken haben die Fassade überwuchert, der Innenraum ist leer.  © Peter Sieben
Straße in Keyenberg
Leere Straßen und leere Häuser in Keyenberg. © Peter Sieben
Leerstand in Keyenberg
Auch dieser Metzgerladen steht leer. © Peter Sieben
Keyenberg bei Lützerath
In dem Tagebau-Dorf wohnen kaum noch Menschen.  © Peter Sieben
Fenster eines Hauses in Keyenberg
Einige Bewohner sind geblieben – in der Hoffnung, dass es eines Tages wieder lebendig wird in Keyenberg.  © Peter Sieben
Hausfassade in Keyenberg
Um viele Häuser kümmert sich niemand mehr. © Peter Sieben
Verlassene Häuser in Keyenberg
In einigen Dörfern wohnt nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen Einwohnerzahl © Peter Sieben
Leerstand in Kuckum
Ein leerstehendes Geschäft in Kuckum. Von den einst 500 Einwohnern sind noch etwa 40 übrig.  © Peter Sieben
Überwuchertes Ladenschild
Ein Laden in Unterwestrich bei Lützerath, den es schon lange nicht mehr gibt.  © Peter Sieben
Verlassener Hof in Unterwestrich
Auch dieser alte Hof in Unterwestrich bei Lützerath ist längst verlassen. © Peter Sieben
Leere Straßein Keyenberg
Die Rolläden sind an den meisten Häusern in Keyenberg heruntergelassen.  © Peter Sieben
Weihnachtsschmuck in Keyenberg
Obwohl nicht mehr viele Menschen hier leben, steht ein Weihnachtsbaum vor der Kirche in Keyenberg. © Peter Sieben
Schild gegen Diebe in einem Vorgarten
In den leerstehenden Häusern in Unterwestrich, Keyenberg oder Kuckum kommt es oft zu Einbrüchen. Die, die noch hier wohnen, wollen Diebe und Vandalen mit solchen Schildern fernhalten.  © Peter Sieben
Gelbes Kreuz auf einer Mauer
Das gelbe Kreuz ist zum Symbol der Protestierenden geworden, die Dörfer wie Lützerath vor dem Abriss bewahren wollen. Man findet es überall in den halbverlassenen Orten nahe dem Tagebau Garzweiler.  © Peter Sieben
Der Friedhof von Kuckum bei Lützerath
Der Friedhof von Kuckum: Regelmäßig werden Gräber werden immer noch umgebettet – obwohl der Ort erhalten bleibt.  © Peter Sieben
Camp in Lützerath
Von den ursprünglichen Hof-Bewohnern ist in Lützerath niemand mehr da. Heute besetzen Klimaaktivisten den Weiler.  © Peter Sieben
Camp Lützerath
Das Camp der Klimaaktivisten in Lützerath am 7. Dezember: RWE hat das Dorf an diesem Tag vom Strom getrennt. © Peter Sieben
Baumhaus im Camp von Lützerath
Ähnlich wie im Hambacher Forst, leben die Aktivisten auch in Baumhäusern.  © Peter Sieben
Baumhaus in Lützerath
Manche der Baumhäuser in Lützerath sind in großer Höhe erbaut. © Peter Sieben
Hof in Lützerath
Die alten Gehöfte bieten ohnehin nur bedingt Schutz – ohne Strom wird es in Lützerath noch härter © Peter Sieben
Barrikaden in Lützerath
Im Januar soll Lützerath geräumt werden. Die Klimaaktivisten rund um die Initiative „Lützerath lebt“ haben Widerstand angekündigt.  © Peter Sieben
Ein zerstörtes Auto im Camp von Lützerath
Direkt an der Grenze zum Camp in Lützerath liegt der Tagebau Garzweiler von RWE.  © Peter Sieben
Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler II
Die gigantischen Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler II sind dauerpräsent: Langsam graben sie sich in Richtung Lützerath.  © Peter Sieben
Plastikstühle in Lützerath am Tagebau Garzweiler II
Protestcamp am Abgrund: Lützerath liegt direkt am RWE-Tagebbau Garzweiler II.  © Peter Sieben
Braunkohlebagger
Die Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler von RWE stehen unmittelbar an der Kante zu Lützerath.  © Peter Sieben
Heimtrainer vor der Grube von Garzweiler
Ein Heimtrainer am Abgrund. Am Tagebau Garzweiler gibt es immer wieder Mahnwachen der Aktivisten aus Lützerath. © Peter Sieben
Gespensterpuppe in Lützerath
Plakativ: Für die Aktivisten aus Lützerath ist Strom aus Kohle ein Schreckgespenst.  © Peter Sieben
Besetzer mit Sturmhauben in Lützerath
Wenn Menschen von außerhalb kommen, vermummen sich viele Besetzerinnen und Besetzer.  © Peter Sieben
Besetzer auf einem Hochsitz in Lützerath
„Wir bauen in die Höhe, um es der Polizei so schwer wie möglich zu machen“, erklärt eine Aktivistin. An mehreren Stellen in und um Lützerath besetzen die Aktivisten permanent Hochsitze, verbringen dort oft Stunden. © Peter Sieben
Ein alter Wohnwagen dient als Barrikade vor Lützerath
Ein alter Wohnwagen dient als Barrikade vor Lützerath. Unterstützung gibt es auch von Gruppen aus anderen Städten. © Peter Sieben
Menschen besuchen das besetzte Lützerath
Anfang Januar kommen immer mehr Menschen nach Lützerath. Aktuell besetzen mehrere hundert Menschen das Dorf. Am 8. Januar gab es zudem einen öffentlichen Dorfspaziergang.  © Peter Sieben

Nach Pressekonferenz von „Lützerath lebt“ – Polizei Aachen mit neuer Stellungnahme am Nachmittag

Nachdem Aktivistinnen und Aktivisten die Vorwürfe auch am Vormittag des 15. Januar noch einmal auf einer Pressekonferenz wiederholt hatten, veröffentlichte die Polizei eine weitere Stellungnahme. „Im Rahmen der zum Teil gewalttätigen Aktionen am Samstag wurden insgesamt zwölf Personen fest- bzw. in Gewahrsam genommen. Seit Beginn des Einsatzes wurden mehr als 70 Polizistinnen und Polizisten verletzt, neun Aktivisten wurden mittels Rettungswagen einem Krankenhaus zugeführt.“ Lebensgefährlich verletzt worden sei „glücklicherweise niemand.“ (mo)

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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