VonJan Schmitzschließen
Weltweit sorgt ein Ausfall des Sicherheitsdienstleisters Crowdstrike für eine Mega-IT-Panne. Auch die Systeme der Südwestfalen IT sind lahmgelegt - am Freitag mit Folgen für den MK.
Nach dem Hacker-Angriff im vergangenen Jahr gibt es am Freitag erneut massive Probleme beim IT-Dienstleister Südwestfalen IT, wie das Unternehmen mitteilt. SIT betreut zahlreiche Kommunen und deren Tochtergesellschaften in Südwestfalen sowie und auch den Märkischen Kreis.
Durch ein missglücktes Update von Crowdstrike kann Windows auf den mit der Software gesicherten Geräten der Südwestfalen IT nicht mehr gestartet werden. Das Unternehmen nutzt Crowdstrike zur Sicherung seiner Endgeräte und Server. Aus Sicherheitsgründen hat die SIT nach eigenen Angaben entschieden, dass die Geräte und Server nicht ohne die Sicherung durch Crowdstrike gestartet werden, da sie ansonsten ohne einen Endgeräteschutz online wären und so potenziellen Hackern eine Angriffsfläche bieten könnten.
Das sind die Auswirkungen im Märkischen Kreis am Freitag:
Märkischer Kreis: Der Märkische Kreis ist nach eigenen Angaben per Mail und Telefon am Freitagmorgen erreichbar. Auch in den Bürgerbüros gibt es keine Einschränkungen ebenso wie in den KFZ-Zulassungsstellen. Hier arbeitet der Märkische Kreis allerdings nicht mit SIT zusammen, sondern mit dem Unternehmen Regio-IT, das von den weltweiten Problemen offenbar nicht betroffen ist. Die bislang größten Auswirkungen gibt es in der Ausländerbehörde, wo am Freitagmorgen nichts mehr geht. „Es fallen alle Termine in der Ausländerbehörde aus, da keine Aufenthaltsgenehmigungen, Duldungen, Gestattungen etc. bearbeitet werden können“, sagt Kreissprecher Alexander Bange. „Wir können nicht einmal sehen, wer einen Termin hat.“ In der Folge können die Kunden erst vor Ort über die Situation aufgeklärt und nach Hause geschickt werden. Mit verstärktem Personaleinsatz versucht der Märkische Kreis die Lage zu erklären. „Es läuft alles sehr gesittet ab. Wer heute keinen Termin wahrnehmen konnte, wurde gebeten, sich am Montag telefonisch unter Tel. 02351 966 5603 beim Kreis zu melden. Dann werden wir zeitnah einen neuen Termin anbieten“, betont Bange. Voraussetzung ist, dass das IT-Problem bis dahin gelöst ist.
Stadt Lüdenscheid: Nach Angaben von Stadtsprecherin Marit Schulte-Zakotnik bekommen die Bürgerinnen und Bürger von den Einschränkungen durch die IT-Panne „nach draußen“ nichts mit. Probleme gebe es derzeit bei der Software für fachinterne Verfahren sowie im Standesamt. „Alle Rechner laufen. die Bürgerbüros können uneingeschränkt arbeiten. Wie es scheint, sind wir von dieser IT-Panne weniger betroffen.“ Allerdings könne das Standesamt am Freitag keine Urkunden ausstellen. Dies betrifft Geburts-, Sterbe- und Eheurkunden. Für das eine Brautpaar, das heute im Standesamt getraut wurde, seien die Urkunden aber schon vorbereitet gewesen, hieß es aus dem Rathaus.
Stadt Halver: Die Stadt Halver ist von der IT-Panne ebenfalls nicht betroffen. Nach anfänglichem Schrecken ob der Meldung von SIT wurde im Rathaus schnell Entwarnung gegeben. Dort kommte ein anderes System zum Einsatz, hieß es.
Stadt Kierspe: Von zwei Programmen, die nur noch eingeschränkt gelaufen seien, spricht Liane Schindel im Kiersper Rathaus.
Gemeinde Schalksmühle: Bei der Gemeinde Schalksmühle gibt es Einschränkungen bei einigen verwendeten Programm, grundsätzlich wird der Betrieb aber aufrechterhalten. Nach anfänglichen Probleme können auch im Bürgerbüro wieder Bürgerangelegenheiten wie ein neuer Personalausweis bearbeitet werden. Im Standesamt allerdings verwehrt das System den Zugriff. Hier können derzeit keine Eintragungen vorgenommen werden, wie Fachbereichsleiterin Silvia Gonzalez Algaba am Freitag erklärte. Dennoch nähmen die Kollegen das gewünschte Anliegen auf und würden es dann so schnell wie möglich nachtragen. Gonzalez Algaba: „Wir wissen ja jetzt, wie es geht nach dem Cyber-Angriff im vergangenen Jahr.“
Stadt Meinerzhagen: Auch bei der Stadt Meinerzhagen wird für viele Vorgänge im Rathaus ein anderes System verwendet. Dort aber, wo Software bei der SIT gehostet wird, sind die Systeme lahmgelegt, unter anderem beim Rechnungsworkflow, wie es aus dem Rathaus heißt.
Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde: Glück für Nachrodt-Wiblingwerde: IT-Probleme gibt es am Freitag bei der Gemeindeverwaltung nur bei Anwendungen, die in direktem Zusammenhang mit der Südwestfalen-IT (SIT) stehen. „Ich kann die Finanzsoftware nicht starten, also auch keine Steuerbescheide ‚rausschicken. Aber das wird die Bürger sicher nicht beunruhigen“, sagt Benjamin Rottmann. Auch das Standesamt sei betroffen, nicht aber beispielsweise das Meldeamt. „Es werden unterschiedliche Sicherheits-Systeme genutzt, damit man bei einem Ausfall oder Angriff nicht komplett lahmgelegt wird“, erklärt Benjamin Rottmann, warum Nachrodt glimpflich davon gekommen ist. „Das kann beim nächsten Mal aber anders sein.“
Stadt Plettenberg: Laut Hauptamtsleiter Matthias Steinhoff nutzt die Südwestfalen-IT Crowdstrike zur Sicherung seiner Endgeräte und Server. „Die Stadt Plettenberg hat die EDR-Lösung selbst nicht im Einsatz. Signifikante Ausfälle sind bei unseren Dienstleistungen aktuell nicht zu verzeichnen“, teilt Steinhoff auf Anfrage mit.
Stadt Altena: Auch in Altena sind die Folgen der neuen IT-Probleme überschaubar. „Die Auswirkungen sind sehr gering“, teilt Tanja Jäker, im Rathaus zuständig für Zentrale Dienste, auf Nachfrage mit. Es seien nur einzelne Fachanwendungen auf Servern der SIT, die per Crowdstrike gesichert sind, betroffen, dies sind die Finanzsoftware und die für das Standesamt. Andere Anwendungen, die im Altenaer Rathaus verwendet werden, seien dagegen auf eigenen Servern und nicht betroffen. Der Email-Verkehr sei nicht von den IT-Problemen betroffen, ebensowenig das Telefonsystem, welches separat gesichert sei. „Wir können noch relativ normal arbeiten“, sagt Jäker, was auch daran liege, dass man sich für einen anderen Anbieter von Sicherheitssystemen entschieden habe. Dass es nun einen anderen Anbieter und nicht den eigenen getroffen habe, sei aber auch Glückssache.
Gemeinde Herscheid: Im Rathaus der Ebbegemeinde treten durch die große IT-Panne derzeit lediglich Probleme im Rechnungswesen auf. Bis auf diesen Ausfall seien ihr keine Störungen aus ihrem Hause bekannt, sagt Fachbereichsleiterin Bärbel Sauerland. Sämtliche Bürgerdienste funktionieren demnach ohne Einschränkungen.
