VonHannah Deckeschließen
Miele plant einen enormen Stellenabbau. Der Hausgeräte-Hersteller aus Gütersloh spricht von bis zu 2700 betroffenen Arbeitsplätzen. Auch in NRW.
Update vom 6. Februar, 21.20 Uhr: In einer Mitteilung hat sich das Familienunternehmen Miele jetzt selbst zu den Gerüchten um den enormen Stellenabbau geäußert. „Bis zu 2.700 Stellen weltweit sind potenziell von Abbau oder Verlagerung betroffen“, heißt es darin. „Den weltweiten Einbruch der Nachfrage nach Hausgeräten sowie die drastischen Preissteigerungen auf der Kostenseite hat auch die Miele Gruppe zu spüren bekommen.“
Es sei ein Effizienzprogramm gestartet worden, um Strukturen, Prozesse und Kostenpositionen zu verbessern. Die Geschäftsleitung habe der Belegschaft am Dienstag angekündigt, dass ein zusätzlicher Handlungsspielraum von rund 500 Millionen Euro gewonnen werden soll. Und der Preis dafür sei eben auch „eine substanzielle Senkung der Personalkosten“. Es könnten, so schreibt es Miele, weltweit bis zu 2700 Stellen entfallen „oder von Verlagerung betroffen sein“. Welche Bereiche in welchem Umfang von personellen Einschnitten betroffen sein werden, stehe noch nicht fest.
Miele kündigt enormen Stellenabbau an – rund 700 Jobs in NRW betroffen
Vom Abbau betroffenen seien aber bis zu 2.000 Stellen vorwiegend in den indirekten Bereichen, also nicht an den Produktionsmaschinen und Montagelinien. Zudem würden rund 700 Stellen im Werk Gütersloh schrittweise entfallen. Es sei aus „Kostengründen unvermeidbar“, weitere Teile der Waschmaschinenproduktion sowie produktionsnaher Bereiche in das Miele-Werk im polnischen Ksawerów zu verlagern. Dort sollen in Stufen bis 2027 fast alle Waschmaschinen für den Haushalt montiert werden.„Die übrigen Teile der dortigen Geräteproduktion wie Presswerk, Gießerei oder Bearbeitung der gegossenen Teile wären davon nicht erfasst, sondern verblieben bis auf Weiteres in Gütersloh. Dies gilt auch für die Montage der Waschtrockner und der Kleingewerbemaschinen.“
Miele betont zudem, dass der potenzielle Stellenabbau in der genannten Höhe nicht bedeute, „dass auch nur annähernd so viele Kündigungen zu erwarten sind.“ Man wolle die Stellen kürzungen „so sozialverträglich wie möglich und in enger Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretungen“ gestalten.
Update vom 6. Februar, 15.27 Uhr: Wie mehrere Medien berichten, wurde die Belegschaft von Miele am Dienstag über den bevorstehenden Stellenabbau bei dem Familienunternehmen aus NRW informiert. Der WDR berichtet von weltweit 2700 Arbeitsplätzen, die wegfallen sollen, und beruft sich dabei auf ein Dokument, das am Dienstag im Werk in Gütersloh die Runde gemacht habe. Dort sollen demnach 700 Stellen gestrichen werden.
An dem Stammsitz von Miele in Gütersloh werden unter anderem Waschmaschinen produziert. Dem Bericht zufolge soll ein Großteil dieser Produktion ins Miele-Werk nach Polen verlegt werden. Das Unternehmen hatte für Dienstag eine öffentliche Erklärung angekündigt.
Krise bei Firma Miele: Familienunternehmen aus NRW will 2000 Stellen abbauen
[Erstmeldung] Gütersloh - Viele Familienunternehmen aus Nordrhein-Westfalen kämpfen derzeit mit den Auswirkungen der Krisen der letzten Jahre. Vor allem eines macht den Firmen zu schaffen: Nachfragerückgang und damit verbundener Umsatzeinbruch. Damit kämpft auch der bekannte Hausgeräte-Hersteller Miele. Laut Medienberichten will das 125 Jahre alte Unternehmen weltweit Tausende Stellen abbauen.
Wie das Manager Magazin berichtet, gehe es konkret um rund 2000 Arbeitsplätze, die gestrichen werden sollen. Dazu sollen 700 Stellen von Deutschland nach Osteuropa verlagert werden. Dem Handelsblatt bestätigte ein Sprecher von Miele zwar entsprechende Pläne, er äußerte sich aber nicht zur konkreten Zahl der Stellen, die abgebaut werden sollen. Der Firmensprecher kündigte für Dienstag, 6. Februar, eine Erklärung an. Zunächst wolle das Management die Belegschaft persönlich im Rahmen einer extra einberufenen Veranstaltung informieren.
Krise bei Miele: Familienunternehmen aus NRW will 2000 Stellen abbauen
Bereits Ende des Jahres hatte Miele wegen eines Nachfragerückgangs einen Personalabbau für sein Waschmaschinen-Werk in Gütersloh angekündigt. Hier waren zuletzt 1300 Menschen beschäftigt. Ende September lief der 2020 geschlossene Zukunfts-Tarifvertrag, der mit der IG Metall für die Waschmaschinen-Sparte des Unternehmens geschlossen wurde, aus.
Wie das Handelsblatt berichtet, war der Umsatz des Familienunternehmens im Jahr 2023 deutlich zurückgegangen. Aus Unternehmenskreise erfuhr die Zeitung, dass Miele umsteuern müsse, um das Kerngeschäft zukunftsfähig auszustellen. Konkret gehe es dabei um die Produktion.
In NRW gibt es aktuell sieben Produktionsstandorte von Miele
- Arnsberg (Dunstabzugshauben): 260 Beschäftigte
- Bielefeld (Staubsauger, Geschirrspüler): 2000 Beschäftigte
- Bünde (Kochfelder): 700 Beschäftigte
- Euskirchen (elektrische Antriebe): 500 Beschäftigte
- Gütersloh (Waschmaschinen, Trockner, Elektronik): 2700 Beschäftigte
- Oelde (Herde, Backöfen): 650 Beschäftigte
- Warendorf (Kunststoffteile): 340 Beschäftigte
Offiziell ist noch nichts darüber bekannt, welche Standorte vom Stellenabbau betroffen sind. Nach Informationen der WN sollen jedenfalls in Warendorf keine Stellen Arbeitsplätze wegfallen.
Miele hat drei starke Geschäftsjahre hinter sich: 2022 stieg der Umsatz um 12,2 Prozent auf 5,43 Milliarden Euro und damit so viel wie noch nie in der Firmengeschichte. In diesem Jahr feiert die Firma Jubiläum: Gegründet wurde Miele vor 125 Jahren. Der Konzern hat weltweit rund 23.000 Beschäftigte, etwa die Hälfte davon in Deutschland. In Gütersloh arbeiten etwa 5600 Menschen. Miele wird von zwei Inhaberstämmen geführt. An der Spitze stehen Markus Miele (55) und Reinhard Zinkann (66). (mit dpa-Material)
