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Hamm hat in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ein ungewöhnliches Schauspiel erlebt: das Anliefern und Entladen eines tonnenschweren MRT-Geräts für eine Radiologiepraxis. Wir waren dabei.
Hamm - Viele Zuschauer hatten Dipl.-Ing. Stefan Baranski und das Team der Spedition DB Schenker in der Nacht zu Mittwoch nicht. Die letzten Gäste des Stunikenmarkts eilten schnell vorbei. Dabei war die Szenerie am Westentor in Hamm durchaus beeindruckend.
Mitten auf der Ritterstraße parkte ein mächtiger Autokran, und statt der Linienbusse stand der Container-Lkw einer Hamburger Spedition an der Haltestelle. Die Radiologie-Praxis Radtop in der City-Galerie bekam einen neuen, so genannten offenen Magnetresonanztomographen (MRT) durchs Dach in eine neue Kabine gestellt. Gesamtgewicht: 15 Tonnen! (Erinnern Sie sich? Ende 2020 hatte es ein ähnliches Spektakel in Rhynern gegeben, damals bei Tageslicht. Auch dort haben wir viele Fotos gemacht.)
„Es ist hier bereits die dritte Aktion dieser Art“, blickt Projektleiter Sercan Sevinc vom Immobilienmanagement der Topcu Holding zurück. Vor einem Monat sei der bildgebende Vorgänger, den der radiologische Vorgänger Dr. Landwehr 2008 installiert hatte, ausgebaut worden. Dann wurde ein stählernes Podest in die Kabine gestellt. „Der Permanent-Magnet des neuen MRT hat 0,4 Tesla, der alte hatte 0,3. Aber für diese Feldstärke braucht man eine Menge mehr Material“, erklärt Biomedizintechniker Baranski die notwendige Verstärkung der Statik.
Nächtliche Mega-Aktion: MRT-Fracht wird in der Innenstadt entladen




MRT schwebt in Hamm ein: mehrere Straßen gesperrt
Alles geschieht in Hamms Innenstadt direkt übers Dach der City-Galerie, da die Praxis direkt unter deren Haut liegt. „Der einfachste Weg“, sagt Baranski. „Die Betondecke ist ja aufgeschnitten, man muss nur die Holzdecke entfernen.“
Die Straßensperrungen Ritterstraße und Westentor galten von Dienstag um 22 Uhr bis Mittwoch um 5 Uhr. „Wir müssen hier nachts arbeiten, wegen des Busverkehrs“, erklärt Sevinc. „In der Niederlassung Bochum machen wir es tagsüber.“ Dort werde am 15. Oktober ein offenes MRT installiert. Das Verfahren wird wesentlich komplizierter. „Dort haben wir noch eine Etage über uns. Wir fahren dort seitlich rein, über ein Schwerlastgerüst durch die Fassade“, so der Architekt.
MRT schwebt in Hamm ein: „Jungs absolut eingespielt“
Auf dem Platz 20 Meter unter der City-Galerie wird derweil fleißig gesächselt. Bei der Ertüchtigung des 160-Tonnen-Krans mit schweren Druckplatten für die nötige Standfestigkeit herrscht besondere Betriebsamkeit. Aus den kleineren Lastwagen, die eingangs der Fußgängerzone abgestellt sind, wird Zubehör, sowie Stapler, Hubwagen und Werkzeug entladen.
Hektisch wirkt nichts. Die Dresdner Schenker-Leute seien spezialisiert auf die Lieferung von Spezialmaschinen - ob für medizinische Einrichtungen oder auch die Reinräume der Chipindustrie. „Die Jungs sind absolut eingespielt“, weiß Baranski. Einmal im Monat richtet der Fujifilm-Mann ein MRT ein. Dann trifft man sich.
MRT schwebt in Hamm ein: ein bisschen wie Bescherung
Nach anderthalb Stunden ist der Kran dann bereit, um ein Uhr in der Früh ist der Container entladen. Die Szene an der zentralen Bushaltestelle wirkt ein bisschen wie eine Bescherung an Weihnachten: überall Päckchen und Glitzerfolie.
Fujifilm-Einrichter Baranski fegt oben in der Kabine noch einmal durch. Danach schwebt die erste Holzkiste mit dem „Cover“ des Geräts ein. Das Alublech, die Schränke mit Elektronik werden in den anderen Praxisräumen geparkt, bevor der neun Tonnen schwere Magnet durch die Dachöffnung bugsiert wird. Das Verpackungsmaterial - immerhin rund 30 Kubikmeter - wird mit den Lkw nach Dresden gehen und dort entsorgt werden.
Alles verläuft reibungslos - am Mittwochmorgen konnten die Busse wieder frei ins Westentor einfahren.
Zum neuen Gerät
Während der Zeit des Austausches des offenen MRT gegen ein modernes Aperto Lucent Plus von der Firma Fujifilm inklusive der Arbeiten an der neuen Kabine und einer zusätzlichen Umkleide läuft der Praxisbetrieb bei Radtop weiter. Für die entsprechenden Untersuchungen steht ein Hochfeld-MRT zur Verfügung.
Der offene MRT ist im Gegensatz zu konventionellen (Hochfeld-)MRT-Systemen kein geschlossenes System, keine „Röhre“, sondern besteht aus zwei übereinander liegenden Permanentmagneten. 270 Grad, drei Seiten also sind offen, das „Enge-Gefühl“ bleibt aus. Selbst Patienten mit ausgeprägter Klaustrophobie und altersbedingten oder körperlichen Einschränkungen erleben in der Regel auf diese Weise eine komfortable und stressfreie Untersuchung. Das neue Gerät ermöglicht zudem kürzere Untersuchungszeiten bei gleichzeitig höherer Bildqualität aufgrund verbesserter Hard- und Software.
Die Kapazität der Praxis und die Treffsicherheit der Diagnose werden erhöht. Es können auch arterielle Gefäßuntersuchungen der Kopf- und Halsregion im offenen MRT durchgeführt werden – Untersuchungen, die insbesondere das Risiko für die Erkrankung an klassischen Volkskrankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall erkennen lassen.
Wenn alles planmäßig weiterläuft, können Mitte Oktober erste Untersuchungen gefahren werden.
Die Röntgenanlage wurde Anfang des Jahres 2022 umgebaut und voll digitalisiert, anschließend der Computertomograph und nun das offene MRT erneuert. Standortleiter Dominic Pierog und Radtop-Gründer und Inhaber Dr. med. Mehmet Topcu betonen die Notwendigkeit moderner Geräte zur Verbesserung der Diagnostik.
Die radiologische Praxis in Hamm, die Dr. Topcu 2013 übernahm, verfügt über zwei MRT, ein CT, jeweils ein volldigitales Röntgengerät, Mammographie mit Schichtaufnahmen, Knochendichtemessung und Sonographie.
Von dieser Volkskrankheit sind viel mehr Menschen betroffen als die meisten glauben: Allein in Deutschland haben rund 23 Millionen Frauen und Männer mit chronischen Schmerzen zu kämpfen. Einer von Deutschlands renommiertesten Schmerzmedizinern erklärt, wie man die Lebensqualität trotz heftiger Rückenschmerzen verbessern kann.
Rubriklistenbild: © Markus Liesegang
