VonEva Burghardtschließen
Eine Straße im Gelsenkirchener Stadtteil Ückendorf ist für ihren verfallenen Zustand bekannt. Die Stadt hat dafür einen besonderen Plan.
Gelsenkirchen – Leerstehende Häuser, vermüllte Bürgersteige und heruntergekommene Fassaden: Lange war das das tägliche Bild an der Bochumer Straße im Gelsenkirchener Stadtteil Ückendorf in NRW. Dem setzt die Stadt Gelsenkirchen etwas entgegen. Die Bochumer Straße soll als Stadterneuerungsgebiet revitalisiert werden. Ein Künstler- und Szene-Viertel entsteht – doch damit lassen sich nicht alle Probleme beheben.
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Schon einmal sollte die Bochumer Straße als Teil des Stadterneuerungsgebietes „Südost“ stabilisiert und aufgewertet werden. Das Förderprogramm Soziale Stadt dazu lief von 2002 bis 2014. Doch auch danach sei die Situation rund um die Bochumer Straße „weiterhin unbefriedigend“, heißt es von der Stadt.
Noch immer gebe es Probleme: der schlechte bauliche Zustand vieler Gebäude, der hohe Wohnungs- und Ladenleerstand sowie eine starke Verkehrsbelastung. Einige der Hauseigentümer seien zudem finanziell handlungsunfähig, die soziale Lage vieler Bewohner schwierig. Trotz des Förderprogramms hatten sich die Probleme im Viertel vielmehr verschärft.
Bochumer Straße in Ückendorf: Stadt Gelsenkirchen startet Modellprojekt
Seit 2016 hat die Stadt konkrete Pläne, den Zustand an der Bochumer Straße zu ändern. Die Revitalisierung des Quartiers im Süden der Stadt Gelsenkirchen sei eine „zentrale Zukunftsaufgabe“, heißt es bei der Stadt. In diesem Rahmen wurde das Gebiet rund um die Bochumer Straße zum Stadterneuerungsgebiet und zu einem Modellprojekt erklärt. Im integrierten Handlungskonzept der Stadt Gelsenkirchen heißt es dazu: „Gleichwohl verfügt das Quartier auch heute noch über besondere Qualitäten wie eine gute Verkehrsanbindung, eine günstige innerstädtische Lage und die Nähe zu ausgedehnten Grünzügen.“
Wo liegt Ückendorf in Gelsenkirchen?
► Ückendorf ist ein Stadtteil im Südosten der Stadt Gelsenkirchen.
►Hier leben 20.718 Menschen (Stand Dezember 2022).
►Ückendorf hat eine Fläche von 6,82 Quadratkilometern.
►Ückendorf ist über die Anschlussstelle „Gelsenkirchen-Süd“ über die Autobahn A40 an den Ruhrschnellweg angeschlossen.
Vor allem der Gebäudebestand, der noch aus der Gründerzeit des Stadtviertels besteht, weise gute Voraussetzungen für die Entwicklung zu einem attraktiven, urbanen Wohnstandort auf. Konkret geht es dabei um einen rund 30 Hektar großen Bereich entlang der Bochumer Straße, zwischen der Kreuzung am Junkerweg und der Kreuzung Virchowstraße.
„Schrottimmobilien“ werden saniert und wieder bewohnbar gemacht
In diesem Bereich leben nach Auskunft der Stadt 2800 Menschen aus 35 Nationen. In Zukunft soll das Bild der Bochumer Straße geprägt sein von Kultur, Wissenschaft und Bildung. Das passiert durch umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an den Gebäuden und die Ansiedlungen von Künstlerinnen und Künstlern.
So wurde die Heilig-Kreuz-Kirche bereits zum Veranstaltungsort umgebaut, wo Komiker wie Michael Mittermeier auftreten. Sogenannte „Schrottimmobilien“, wie etwa das Haus Reichstein an der Bochumer Straße 114, werden umfangreich saniert. Hier soll es Platz für Wohnungen, Büros und Gastronomie geben.
Ein Künstler- und Szeneviertel soll in Ückendorf entstehen
An der Ecke Bochumer Straße/Junkerweg wurde das Justizzentrum mit Amts-, Sozial- und Arbeitsgericht neu gebaut. Es soll als Schwelle zwischem dem Quartier an der Bochumer Straße und der Innenstadt dienen, ein „Tor zur Gelsenkirchener City“, schreibt die Stadt.
Die Bochumer Straße in Gelsenkirchen Ückendorf
►Ursprünglich war die Bochumer Straße mal ein kleiner Feldweg, der am Dorfplatz von der Ückendorfer Straße abbog.
►Mit den Plänen an diesem Weg das „großbürgerliche Viertel“ in Ückendorf einzurichten, wurde dann eine breite Straße als eine Allee angelegt.
► Die Bochumer Straße erhielt als erste Straße in Gelsenkirchen eine Kanalisation und Beleuchtung.
►Heute fährt die Stadtbahnlinie 302 über die Bochumer Straße.
Ein Ort für Künstler und Studierende soll hier ebenfalls entstehen. In den oberen Etagen der Bochumer Straße 96 gibt es etwa das Projekt „Ninety6“, wo Studierende und Azubis in Wohngemeinschaften zusammenleben. In den Hausnummern 134 bis 142 arbeitet die Stadt an einem kleinen Kultur-Kiez für das Quartier, mit Kunst-Spots und Gastronomie. Ein neues Zentrum für Theater, Kino und Tanz entsteht in der Hausnummer 134 – hier waren die städtischen Bühnen schon einmal untergebracht.
„Schrottimmobilien“ bleiben ein Problem – hinter manchen stecken Gangster
Das auf 15 Jahre angelegte Projekt der Stadterneuerung an der Bochumer Straße ist also bereits fortgeschritten. Trotzdem bleibt das Problem der „Schrottimmobilien“ in Ückendorf. Das liegt nicht zuletzt daran, dass manche Eigentümer mit dem Kauf der Immobilie kriminelle Absichten hatten und sich nun nicht mehr um die Gebäude kümmern. Dahinter steckten „Gangster“, berichtet Stadtsprecher Martin Schulmann. (ebu)
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