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Was haben Allerheiligenkirmes und Weihnachtsmarkt gemeinsam? Personal zum Auf- und Abbau und für den Service wird gebraucht. Wie Schausteller versuchen, Mitarbeiter zu finden und zu halten.
Soest – Nach der Allerheiligenkirmes geht es für Schausteller und Standbetreiber weiter. Die Zeit der Weihnachtsmärkte beginnt. Obwohl nur ein Katzensprung zwischen den beiden Veranstaltungen liegt, könnten wieder neue Gesichter hinter einigen Tresen stehen. An manchen Ständen wurde per Aushang auf der Allerheiligenkirmes nach Personal für die anstehenden Weihnachtsmärkte gesucht.
Waffelbäckerei bleibt für Weihnachtsmarkt an Ort und Stelle
„Wenn sich jemand bei mir bewerben möchte, kann er das jederzeit tun“, sagt Rene Dierichs. Für den Soester Weihnachtsmarkt bleibt er als einziger mit seinem Stand mit Süßwaren, Mandelbrennerei und Waffelbäckerei nach der Kirmes direkt an Ort und Stelle vor dem Rathaus – für den Weihnachtsmarkt.
Aber bis zum Beginn der Veranstaltung am 27. November versucht er, noch den ein oder anderen Mitarbeiter für sein Team zu gewinnen. Das würde einiges für seinen Betrieb erleichtern. Jonglieren sei da schon gefragt, sagt Dierichs. „Es fehlt überall Personal. Und man fragt sich, wo die Leute geblieben sind.“ Bei seinen eigenen Mitarbeitern weiß er es – zum Teil. Die Lebensumstände hätten sich geändert, durch Studium oder Job. Einige seien weggezogen, bei anderen fehle schlicht die Zeit. Was aber nicht heißt, dass ihnen die Arbeit keinen Spaß gemacht hat. Deshalb hofft Dierichs auch, durch positives Weitersagen neue Mitarbeiter für sein Team zu finden.
„Jeder wird mit Kusshand genommen“
„Jeder braucht Personal. Wer arbeiten will, kann sich hier an jedem Stand melden und wird mit Kusshand genommen“, sagt Patrick Risse von der gleichnamigen Eventmanufaktur. Mit seinem Stand zieht er mit dem Team nach der Soester Allerheiligenkirmes weiter nach Hirschberg zum Weihnachtsmarkt. „Wir suchen auch noch Personal“, sagt er. Gebraucht werden Aushilfen, Aufbauer oder auch Servicekräfte. „Eigentlich fehlt alles. Wir sind ja auch auf riesengroßen Events vertreten.“ Um sie zu stemmen, werden Menschen gebraucht, die mit anpacken.
Kommunikation sei bei der Personalsuche heute das A und O – egal, ob Mund-zu-Mund oder in den sozialen Netzwerken wie Instagram oder Facebook. So habe man auch das Team für die Soester Kirmes gefunden, so Risse.
Keiner will am Wochenende hinterm Tresen stehen
Dass es schwieriger geworden ist, Personal zu finden, bestätigt auch ein Mitarbeiter vom Imbissstand neben der Eventmanufaktur. Sein Eindruck: Kaum jemand will heute noch hinterm Tresen stehen. „Die müssen dann auch samstags und sonntags arbeiten. Bei uns gibt es ja auch kein frei. Es wird kontinuierlich gearbeitet.“ Er sei der einzige Festangestellte an diesem Stand und seit 30 Jahren mit an Bord, sagt er. Die Personalsuche sei am ehesten über Bekanntschaften erfolgreich. Per Aushang sei sie nur selten von Erfolg gekrönt. „Auf unseren Aushang im Imbiss hat sich keiner gemeldet. Es ist sehr, sehr schwierig.“ Die nächste Station des Imbissstands: der Weihnachtsmarkt in Düsseldorf.
Mit fast 81 Jahren am Hotdog-Stand
Auf einen festen Stamm an Leuten aus Herford können Heinz Lafontien und seine Frau am Hotdog-Stand zurückgreifen. „Wir sind da ein bisschen anders aufgestellt und haben einen riesengroßen Bekanntenkreis. Die Leute vermitteln sich quasi untereinander“, sagt der Betreiber, der mit fast 81 Jahren mit seinen heißen Würstchen im Brötchen von Veranstaltung zu Veranstaltung zieht.
Kooperation
Für die Allerheiligenkirmes 2023 arbeiteten die Agentur für Arbeit Meschede-Soest, die Stadt Soest und die Schausteller in diesem Jahr erstmals eng zusammen, um helfende Hände zu suchen. Eine solche Kooperation ist für den anstehenden Weihnachtsmarkt bislang nicht im Gespräch. Für eine Wiederholung im nächsten Jahr zur Kirmes sei man aber offen, heißt es von Elisabeth Bormann aus dem Jobcenter.
Dass es künftig schwieriger wird, Personal zu finden, befürchtet er aber dennoch und berichtet: „In Sachen Hardware, also Aufbau, Leute zu finden, wird immer ein bisschen schwieriger.“ Ohne Leute brauche man auf der Allerheiligenkirmes gar nicht anzufangen. „Soest ist ja schon extrem. Man braucht hier einen ordentlichen Mitarbeiterstamm.“
Kirmes und Weihnachtsmarkt
Nur so kann der Betrieb auf zwei Veranstaltungen gleichzeitig werkeln: Während Heinz Lafontien noch mit dem Hotdog-Stand in Soest vor Ort war, hat sein Sohn mit einem anderen Team bereits mit dem Aufbau auf dem Herforder Weihnachtsmarkt begonnen.
Buntes Team am Bier-Pub dank Agentur
Ein buntes Team an Mitarbeitern – unter anderem aus Polen und Rumänien – steht am Bier-Pub „Leo’s Treff“ hinterm Tresen. „Die Leute kommen von einer Agentur“, berichtet ein Mitarbeiter. „Dadurch haben wir immer genug Leute zur Verfügung“, sagt er.
Bekannte Gesichter beim Soester Bonbon-Kontor
Auf die bekannten Gesichter von Elke Mettner, Wiltrud Gerke und Sabine Lelanz vom Bonbon-Kontor können sich die Weihnachtsmarktbesucher in Soest freuen. „Der Chef ist super. Das macht viel aus“, sagen die drei Mitarbeiterinnen. Deshalb gibt es ein Stammpersonal, das immer wieder kommt. Respektvoller Umgang, ein gutes Arbeitsklima und faire Bezahlung seien dafür wichtig, sind sie sich einig.
Schausteller Gustav Schneider kann ebenso auf treue Mitarbeiter setzen, die auch beim Soester Weihnachtsmarkt dabei sein werden. Gute Rahmenbedingungen würden eben dafür sorgen, dass gute Mitarbeiter seinem Betrieb treu bleiben.
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