VonSarah Hankeschließen
Neben Menschen sieht man nicht selten auch mal Hunde auf der Allerheiligenkirmes. Warum Bello keine gute Begleitung ist.
Soest – Gefüllte Gläser klingen hell beim Anstoßen, Gelächter brandet auf und ebbt wieder ab. Schlagermusik-Beschallung aus den Lautsprechern der Getränkebuden tut ihr übriges, während sich die Besucher dicht und dicht über das Gelände drängen. Pure Lebensfreude. Für Hunde sind solche Veranstaltungen wie die Allerheiligenkirmes eine völlige Reizüberflutung. Das Team vom Soester Tierheim appelliert deshalb an die Besitzer, ihren Vierbeiner während des Rummelbesuchs Zuhause zu lassen.
„Wir können Gerüche und Geräusche einordnen und verbinden damit meist etwas positives. Für uns riecht die Kirmes gut“, sagt Tierheimleiterin Birgit Oberg. „Der Vierbeiner empfindet das aber komplett anders.“ Hunde hören, riechen und sehen empfindlicher als der Mensch. Vor allem der Geräuschpegel sei für die Vierbeiner schrecklich. Wer die Körpersprache sowie Gestik und Mimik der Hunde lesen kann, sehe schnell, welche Angst der Kirmestrubel bei den Vierbeinern auslöst. „Kein Hund möchte und muss auf die Allerheiligenkirmes“, sagt Oberg. „Es geht wirklich um das Wohlbefinden der Vierbeiner.“
Mit Hund durchs dickste Gewühl
Viele aus dem Team des Soester Tierheims seien auch Soester. Der Besuch der Allerheiligenkirmes ist ein Pflichttermin. Ohne den Hund. Doch für viele Besitzer scheint das alles andere als selbstverständlich. „Die Mitarbeiter sind jedes Jahr aufs Neue geschockt, wie viele mit ihren Hunden auch durchs dickste Gewühl ziehen“, berichtet Oberg.
So auch Christina Sondermann. Sie ist Hundetrainerin und betreut im Tierheim Soest die Verhaltenssprechstunde. Nicht jeder Hund habe das Glück, über die Kirmes getragen zu werden. Viele seien auch noch zu Fuß unterwegs – egal ob kleiner oder großer Hund. Eine mitunter lebensbedrohliche Situation. „Kleine Hunde gehen in dem Gedränge völlig unter. Das ist ja oft auch ein Grund, weshalb Kinder auf den Schultern eines Erwachsenen über die Kirmes getragen werden“, sagt Sondermann. „Tritt man aus Versehen mit seinen Stiefeln auf den Hund, bemerkt man dies möglicherweise nicht einmal“, so die Hundetrainerin, die den Kirmesbesuchern nichts Böses unterstellen will.
Verletzungsgefahr für die Pfoten
Aber: Auf der Kirmes könne eben nur schwer Rücksicht genommen werden. „Es geht um Leib und Leben. Eine Kirmes ist kein Ort für einen Hund. Wenn man eine Umfrage machen könnte, bin ich sicher das Tier würde ankreuzen, dass es lieber daheim bleiben als auf die Kirmes möchte“, sagt Sondermann. Dies gelte ebenso für andere Veranstaltungen mit Gewühl in Soest wie den Gräfte-Trödel.
Auch aus tierärztlicher Sicht von Dr. Meike Stüber ist ein Besuch mit dem besten Freund auf vier Pfoten eher nicht empfehlenswert. „Der Hund ist ja massiven Reizen ausgesetzt, von Lichtblitzen über Gerüchen bis hin zu Geräuschen“, sagt sie. Nicht jeder Vierbeiner habe ein gleich stabiles Nervenkostüm. Es gebe durchaus Hunde, die mit solch einer besonderen Ausnahmesituation besser klarkommen als andere.
Dennoch sei ein Kirmesbesuch mit Risiken verbunden: So könnten Hunde auf dem Boden liegende Dinge fressen, die für sie eigentlich nicht bekömmlich sind oder in Scharfkantiges treten und sich Stichverletzungen an den Pfötchen zuziehen.
Tierpensionen zur Kirmes voll
Wenn der Hund nicht alleine bleiben kann, muss der Besitzer eine Alternative finden. Sei es bei Familie, Bekannten, Freunden, einem professionellen Hundesitter oder einer Pension. Auf ein frühzeitiges Kümmern kommt es dabei an. Denn an solchen Tagen sind die Plätze in den Tierpensionen heiß begehrt, wie unsere Zeitung bereits im Juni 2023 berichtete. „Bei der Kirmes ist das wie bei Weihnachten: Man weiß schon ein Jahr vorher, dass sie kommt“, sagt Tierheimleiterin Oberg. „Und so ein Kirmesbesuch dauert ja meist nur zwei bis drei Stunden.“ Und wenn alle Stricke reißen, verzichtet man auf den Kirmesbesuch. Dem Hund zuliebe.
Ein Hundeverbot, so wie es bereits auf Jahrmärkten anderswo eingeführt wurde, wäre ein Weg, um auch den letzten Hundebesitzer zur Vernunft zu bringen.
