- VonFrank Lahmeschließen
Constanze Juckenackschließen
Am Bahnhofsvorplatz gibt es seit Jahren Probleme mit Drogenmissbrauch und Gewalt. Nun sollen Beamte von Polizei und Stadt dauerhaft auf dem Bahnhofsvorplatz präsent und ansprechbar sein - und in der Szene kontrollieren.
Hamm - Polizisten und Mitarbeiter des Ordnungsamts sollen ab sofort am Bahnhof dauerhaft präsent sein. Sie betreiben seit Donnerstag, 17. Oktober, eine gemeinsame mobile Anlaufstelle im Bahnhofsquartier. Das teilten Polizei, Stadt und Bundespolizeiinspektion Münster am Freitag in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit.
Mehrere Beamte stehen dabei an einem Polizeifahrzeug auf dem Bahnhofsvorplatz, wie eine Polizeisprecherin erörtert - etwa in Höhe der Buchsbäume auf dem Platz der Deutschen Einheit. Die neue Stelle soll Bürgern die Möglichkeit geben, sich direkt und unkompliziert an Polizei und Ordnungsamt zu wenden. Feste Einsatzzeiten für die Streifentrupps gibt es dieses Mal nicht. Man wolle der kriminellen Klientel nicht die Chance geben, sich darauf einzustellen, sagte Polizeisprecher Hendrik Heine. Von früh morgens bis in die Abendstunden hinein könnten Kontrollen erfolgen.
In Zukunft wird eine Immobilie für die Anlaufstelle angemietet
Die Maßnahme ist eine Folge der Sicherheitskooperation „Gemeinsam für ein sicheres Leben in Hamm“. Die Stellen wollen sich eng mit der Bundespolizei abstimmen, die für den Hauptbahnhof Hamm zuständig ist. Ziel ist es, die Situation zu verbessern. Künftig, das sagte Polizeipräsident Thomas Kubera, soll eine feste Anlaufstelle eingerichtet werden. Dafür suche man eine geeignete Immobilie. „Wir sind überzeugt, dass dies ein weiterer Beitrag ist, positiv auf die Sicherheitslage einzuwirken. Daher wird aktuell gemeinsam mit der Stadt geprüft, welche Immobilie für dieses Vorhaben in Betracht gezogen werden kann“, erklärte er.
Die Entwicklung der Sicherheitslage im Bahnhofsquartier steht seit langem im Fokus der Polizei Hamm, des Kommunalen Ordnungsdienstes sowie der Bundespolizei. Seit Jahren gibt es Diskussionen um die Situation rund um den Bahnhof, immer wieder gibt es Vorfälle wie Messerstechereien, Drogenhandel oder ähnliches. Teilweise heißt es, dass man es in Hamm inzwischen mit einer offenen Drogenszene zu tun hat.
Gemeinsam erhöhen wir den Kontrolldruck, wo und wann dies geboten ist.
„Es kann keine Toleranz für dieses Verhalten geben“, erklärte nun Oberbürgermeister Marc Herter. „Bahnhofsumfeld und Fußgängerzone sind Ort der Begegnung für alle Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt. Deshalb ist es unser besonderes Interesse, gerade hier im Zentrum unserer Innenstadt für Sicherheit und Ordnung zu sorgen.“ Die gemeinsamen Streifengänge seien ein effektives Mittel, um die Situation zu verbessern. „Gemeinsam erhöhen wir den Kontrolldruck, wo und wann dies geboten ist.“
Das Vorgehen erinnert an das Jahr 2016, als Polizei und KOD für mehrere Monate eine Außenstelle im damals leer stehenden Café-Bereich des Kleist-Forums (heute das „Bei Heinrich“) bezogen. Auch damals ging es ums Bekämpfen von Drogen- und Straßenkriminalität im Bahnhofs- und Museumsviertel.
In der aktuellen Pressemitteilung zählen die Behörden erste Kontrollen und Erfolge auf. So hat der zivile Einsatztrupp am Dienstag, 17. Oktober, Menschen beobachtet und anschließend gezielt kontrolliert. Dabei wurden Betäubungsmittel sichergestellt, Drogen und Bargeld beschlagnahmt. Gegen Konsumenten wurde ein Strafverfahren wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln eingeleitet.
Behörden ergriffen Maßnahmen gegen Dealer
Außerdem gingen die Behörden gegen Dealer vor: Einen 20-jährigen Mann aus Hamm nahmen sie vorläufig fest, ein 22-Jähriger aus Medebach wurde in Gewahrsam genommen.
Bei offenen Kontrollen überprüfte die Polizei am Dienstag, 17. Oktober, Personen und Fahrräder im Innenstadtbereich - schließlich hatte das Fahrradchaos am Bahnhof zuletzt wieder zugenommen. Beamte sprachen mehrere Platzverweise aus. Gegen einen 36 Jahre alten Mann lag ein offener Untersuchungshaftbefehl vor, er kam ins Polizeigewahrsam.
Nach einem Sexualdelikt haben Einsatzkräfte der Polizei Hamm am Sonntag, 15. Oktober, zwei tatverdächtige Männer festgenommen. Ein dritter Verdächtiger floh, die Bundespolizei nahm ihn schließlich in einem abfahrbereiten Zug im Hauptbahnhof Hamm fest.
Mann fällt Beamten mit Joint in der Hand auf
Bei einer Kontrolle des KOD zur Durchsetzung des Glasverbotes am Platz der Deutschen Einheit am Samstag, 14. Oktober, wurde ein alkoholisierter Mann aufgrund seines aggressiven Verhaltens zu Boden gebracht und gefesselt. Gegen den 41-Jährigen aus Hamm wurde ein Strafverfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und gleichstehenden Personen eingeleitet.
Bei einer Streife von KOD und Polizei auf dem Platz der Deutschen Einheit am Freitag, 13. Oktober, leistete ein 35-Jähriger aus Münster ebenfalls Widerstand. Nachdem der Mann dem Streifen-Team mit einem Joint in der Hand auffiel, sollte er kontrolliert werden. Er sei aggressiv auf die Uniformierten losgegangen und habe herumgeschrien. Der 35-Jährige wurde zu Boden gebracht und zur Polizeiwache gebracht. Dort wurde er durchsucht, man fand Betäubungsmittel. Der Mann blieb körperlich aggressiv und verletzte einen Polizisten. Den 35-Jährigen erwartet neben dem Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz ein Strafverfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.
Bundespolizei: „Schnell auf erkannte Kriminalitätsschwerpunkte reagieren“
Polizeioberrat Henning Nagel, stellvertretender Inspektionsleiter der Bundespolizei Münster, ergänzt: „Die Bundespolizei ist rund um die Uhr im Hauptbahnhof Hamm und auf den Bahnanlagen als Sicherheitspartner vor Ort im Einsatz. Eine neu aufgestellte Einsatzeinheit hat Mitte September in Hamm den Dienst aufgenommen. Mit ihr kann die Bundespolizeiinspektion Münster schnell und flexibel auf erkannte Kriminalitätsschwerpunkte im Zuständigkeitsbereich reagieren.“
