Automobilzulieferer

Nach Gerhardi-Insolvenz: Mehrere Investoren erwägen Übernahme

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Verhalten optimistisch beginnt das neue Jahr für Gerhardi, für das Rettungsteam und die rund 1500 Beschäftigten an den vier Standorten des insolventen Automobilzulieferers.

Lüdenscheid – Wie der WDR zuerst berichtete, hätten mehrere Investoren Interesse an einem Kauf angemeldet. Der Sender zitiert Insolvenzverwalter Dr. Jan-Philipp Hoos mit den Worten: „Für das Unternehmen gibt es zahlreiche Interessenten.“ Das spricht dafür, dass Gerhardi mit einer Reihe von Pluspunkten in weitere Verhandlungen gehen kann, unter anderem mit dem hochmodernen Rosmart-Standort.

Nach Gerhardi-Insolvenz: Mehrere Investoren erwägen Übernahme

Im Gespräch mit der Redaktion hatte der Insolvenzverwalter Anfang Dezember den Jahreswechsel wegen der Weihnachtspause noch als „schwierig“ gesehen, um schnell zu greifbaren Ergebnissen zu kommen. Und vor allem gelte: „Wir müssen den richtigen Investor finden“, hatte er damals schon betont. Dem Ziel scheint man nun möglicherweise etwas schneller als erwartet nähergekommen zu sein. Hatte der Insolvenzverwalter anfangs noch seiner Hoffnung Ausdruck gegeben, „dass wir im Februar deutlich weiter sein werden“, so rechnet er nun damit, dass bereits Ende Januar erste Angebote von Kauf-Interessenten vorliegen könnten.

Nach der Insolvenz-Nachricht beginnt das neue Jahr für den Automobilzulieferer Gerhardi offenbar verhalten optimistisch.

Ende November hatte die Nachricht von der Insolvenz des Lüdenscheider Traditionsunternehmens nicht nur in der Bergstadt hohe Wellen geschlagen. Die Gerhardi Kunststofftechnik GmbH hat Standorte in Lüdenscheid, in Altena (Rosmart), Ibbenbüren und Montgomery (USA). Die Anfänge liegen weit zurück: Gegründet wurde Gerhardi 1796. Heute ist der Betrieb einer der größten Arbeitgeber in Lüdenscheid.

Nach Gerhardi-Insolvenz: „Wir müssen den richtigen Investor finden“

Mit dem Werk Rosmart begann erst im Januar 2020 ein neues Kapitel für Gehardi. Die Produktion auf einer Fläche von mehr als 26 000 Quadratmetern erfolgte seitdem mithilfe neuester Technik. Am Standort Rosmart, so hieß es nicht ohne Stolz, befinde sich eine der weltweit modernsten und größten Galvanikanlagen. Doch es wurde zunehmend schwieriger auf dem Markt der Automobilzulieferer.

Im Sommer 2023 galt die Lage im Unternehmen bereits als angespannt. Das bezog sich vor allem auf den Standort Ibbenbüren, wo Kurzarbeit gefahren wurde und es Pläne für einen Arbeitsplatzabbau gab. Als, dem Vernehmen nach, ein großer Auftrag wegbrach, war das nicht zu kompensieren. Jetzt habe das Unternehmen, so hatte Dr. Hoos im Dezember betont, „einen erheblichen Finanzbedarf für die Vorfinanzierung von Projekten“. Und dafür stünden die Banken „leider nicht“ zur Verfügung.

Wir müssen den richtigen Investor finden.

Dr. Jan-Philipp Hoos, Insolvenzverwalter

In der Gesamtsicht zeigt sich die Gewerkschaft IG Metall eher zurückhaltend mit einer Bewertung der ersten Investoren-Signale. Der WDR zitiert Kevin Dewald als IG Metall-Sprecher im Märkischen Kreis mit einer eher abwartenden Haltung – letztlich komme es auf die Zukunftskonzepte möglicher Investoren an.

Wer die Interessenten sind, darüber herrscht zunächst noch Stillschweigen. Aber die offenbar rege Nachfrage zeigt auch: Die Anreize, in Gerhardis Zukunft zu investieren, sind da.

Rubriklistenbild: © Cedric Nougrigat

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