- VonFrank Lahmeschließen
Nach den Angriffen mit Glasflaschen, bei denen im Juni zwei Männer lebensgefährlich verletzt wurden, reagieren jetzt die Meilenwirte. Sie plädieren für mehr Kontrollen.
Hamm – Sie hatten es vorhergesehen. „Dieses Wochenende wird es ruhig bleiben. Da wird nichts passieren“, hatten die Wirte der Meilen-Lokale kurz vor dem Start ins erste Juliwochenende gegenüber dem WA prophezeit. Die Gastronomen sollten damit richtig liegen: „Keine besonderen Einsätze auf der Südstraße“ bilanzierte Polizeisprecher Daniel Siegesmund am Montag.
Angriff mit Flasche und Glaskrug: Meilenwirte wünschen sich mehr Kontrollen
In den Wochen davor war das bekanntlich anders gewesen. In den Morgenstunden des 10. Junis und des 25. Junis waren zwei Meilenbesucher durch Schläge/Würfe mit/von Bierflaschen und -krügen lebensgefährlich verletzt worden. Einmal geschah dies auf dem Santa-Monica-Platz, einmal auf der Südstraße, beide Male war es 3.30 Uhr in der Frühe gewesen.
Das erste Opfer, ein 32-jähriger Mann aus Hamm, schwebte auch am Montag noch in akuter Lebensgefahr. „An seinem Zustand hat sich nichts geändert“, sagte die ermittelnde Staatsanwältin Gülkiz Yazir dem WA. Die drei algerischen Tatverdächtigen, die direkt am 10. Juni in Tatortnähe festgenommen worden waren, befanden sich weiterhin in Untersuchungshaft. Nach weiteren sieben Mittätern, die den aus Afghanistan stammenden Mann angegriffen hatten, wurde weiter gesucht.
Nach Gewalttaten auf der Meile: „So kann es nicht weitergehen“
Seit diesen beiden Übergriffen tickt auch bei den Meilenwirten die Uhr – und sie tickt nicht unbedingt für sie. Für Karsten Plaß („Pirates“), Ben Böhm („Ulrikeee“), Nasti Islami („Podium“) und Heinz Lepper („Cheyenne“) sind die nächtlichen Auseinandersetzungen Auswüchse einer unguten Entwicklung, die sich mindestens seit dem Corona-Ende abgezeichnet hat. „Diejenigen, die da wahllos auf andere Meilengäste einschlagen, sind nicht in unseren Lokalen und würden dort auch gar nicht erst hereinkommen“, sagen sie.
Es handele sich um Menschen, die sich an Kiosken und Tankstellen mit Alkohol eindeckten und vor den Lokales herumlungerten (aktuell vor dem Ex-Jonathan). Je später die Stunde, desto höher der Pegel und desto größer die Gewaltbereitschaft. Für die Meilenwirte steht fest: „Es muss etwas passieren. Polizei und Ordnungsdienst müssen die Zügel anziehen. Falls nicht, dann wird es hier weiter bergab gehen und ein Stück Freizeit-Kultur in Hamm vernichtet“, sagen sie.
Welche Maßnahmen ergriffen werden sollen, ist den Wirten dabei (fast) egal. Hauptsache sie wirken – was allerdings auch schon schwierig ist. Ein striktes Glasverbot würden sie alle befürworten – allerdings müsse das auch kontrolliert werden. Das allerdings kaum möglich, da der Kommunale Ordnungsdienst üblicherweise nur bis 23 Uhr im Einsatz ist.
Gespräche mit Stadt und Polizei stehen noch aus
Die Ausweisung der Meile als Waffenverbotszone würde die Gastronomen ebenfalls alle begrüßen – hätte aber die letzten beiden Übergriffe auch nicht verhindert, da die verwendeten Waffen da Flaschen beziehungsweise Gläser waren. Ideal würden es die Südstraßen-Wirte finden, wenn sie an den drei Zugängen zur Meile Bauzäune (oder dergleichen) aufstellen könnten, um dann mit eigener Security entscheiden zu können, wer auf das Areal darf und wer nicht. Auch eine Videoüberwachung des Straßenzugs würde aus Wirtesicht helfen.
Gespräche mit der Stadt und mit der Polizei wurden bislang nicht geführt. Ebenso haben sich die Betreiber der vier Lokal noch nicht mit den übrigen Ladeninhabern abgestimmt. „Aber das wird kommen. Wir werden das angehen, denn so wie bisher kann es tatsächlich nicht weitergehen. Wenn wir untätig bleiben, werden wir kaum überleben können“. prophezeien die Gastronomen.
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