Krankenhäuser sind versorgt

Es fehlt nicht nur Hustensaft: Apotheken in Hamm gehen Medikamente aus

Den Apothekern in Hamm gehen die Medikamente aus. Bestimmte Präparate sind auch seit geraumer Zeit nicht lieferbar – und die Situation spitze sich zu, sagt Chef-Apotheker Martin Schwarzer.

Hamm – „Nicht lieferbar“ heißt es derzeit bei einer ganzen Reihe von gängigen Arzneimitteln. Nicht nur Husten- und Fiebersäfte für Kinder sind aus. Auch wer nach dem Anti-Epilepsie-Mittel Levetiracetam fragt, kommt nach WA-Recherchen nicht weiter. Das gilt auch für das Diabetes-Mittel Ozempic und der Cholesterin-Senker Rosovastatin.

Martin Schwarzer, Vorsitzender der Hammer Bezirksgruppe im Apotheker-Verband Westfalen-Lippe, könnte die Liste fortsetzen. Der Mangel gehe inzwischen weit über Fiebersäfte und Schmerzmittel hinaus. Sein letzter Notdienst sei der schlimmste seiner 35-jährigen Apotheker-Karriere gewesen. Wegen der Krankheitswelle seien deutlich mehr Kunden gekommen, gleichzeitig habe er immer weniger Medikamente aushändigen können.

„Niemand sollte Medikamente horten, tauschen oder abgelaufene Präparate nehmen“, sagt Martin Schwarzer, der Hammer Apotheker-Sprecher. „Die Apotheker suchen immer nach Lösungen.“

Man bemühe sich immer, ein Ausweichpräparat zu finden, sagte Schwarzer. Aber auch da seien Grenzen erreicht. In seiner Hirsch-Apotheke stelle man jetzt bestimmte Präparate selbst her. Voraussetzung sei aber, die Grundstoffe zu bekommen. Und auch das sei mitunter schwierig.

Was können Patienten tun? Nicht horten, nicht tauschen und nichts Abgelaufenes einnehmen, sagt der Apotheker. Bei verfallenen Präparaten bestehe die Gefahr giftiger Abbauprodukte, beim Tausch könnten Medikamente durcheinander geraten. Und wer jetzt auf Vorrat kaufe, entziehe die Medikamente den Menschen, die sie dringender brauchen.

Keine Engpässe in Krankenhäusern

In den Krankenhäusern sieht man die Situation entspannter, teilen die Hammer Klinken mit. Dort drohten keine Engpässe. „Das betrifft uns auch“, sagt Bettina Otte, Sprecherin des St.-Marien-Hospitals. Doch man wisse sich zu helfen: Meist gebe es Ausweichpräparate oder die Möglichkeit, die Medikamente in der eigenen Apotheke selbst herzustellen. Einige Medikamente importiert das Krankenhaus mittlerweile selbst aus dem Ausland. Die Versorgung der Patienten sei aber sichergestellt; auch Schmerzmittel seien ausreichend vorhanden.

Das sagt auch Alexandra Janiel, Sprecherin der St.-Barbara-Klinik. Täglich dreimal müssten Medikamente wegen Lieferengpässen ersetzt werden. Die Krankenhausapotheke habe ihren Einkauf aber bereits vor Jahren von Medikamenten auf Wirkstoffe umgestellt. Die Versorgung sei so sichergestellt.

Mehr Kunden, weniger Arzneien: Zahlreiche Medikamente sind aktuell nicht lieferbar.

Die Ursachen der Misere beurteilen der Apotheker und das St.-Marien-Hospital ähnlich. Bei Schwarzer ist es die „Billig-Mentalität“ im Gesundheitswesen, die Pharmafirmen aufgrund mangelnder Gewinnaussichten dazu bringt, Produktionen auszulagern oder zu beenden. Und Otte sagt, dass man schon seit Jahren Produkte ersetzen müsse, weil Produktionen preisbedingt ins außereuropäische Ausland verlagert würden. Von dort aus würden nur wenige Hersteller Europa versorgen. Schon kleine Veränderungen in Produktion, Transport oder Nachfrage führten zu Engpässen.

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