VonAchim Kienbaumschließen
Der Baum für den Soester Weihnachtsmarkt kommt in diesem Jahr aus Völlinghausen. Warum der Transport der vier Tonnen schweren Nordmanntanne zur logistischen Herausforderung wurde.
Völlinghausen – Ein Weihnachtsmarkt ohne Baum? Theoretisch möglich, aber praktisch für Dirk Bröcking von der Soester Wirtschaftsförderung keine Option. Deshalb war er sehr froh, als er einen Anruf aus Völlinghausen bekam und ihm dort eine ziemlich große Nordmanntanne angeboten wurde. Am Freitag wurde der Baum geschlagen und auf den eigentlich gar nicht so weiten Weg zum Soester Marktplatz geschickt. Der aber erwies sich als beträchtliche logistische Herausforderung.
Über 40 Jahre lang war Brigitte Schnarr die Tanne vor ihrem Haus in Völlinghausen nicht nur ans Herz gewachsen – das Baum-Baby, das sie 1979 mit ihrem Mann Wilhelm eigenhändig gepflanzt hatte und das ein Geschenk ihres ehemaligen Vermieters zum Einzug ins neue Eigenheim gewesen war, hatte sich mit der Zeit zu einem zuletzt 16 Meter hohen und ausgesprochen stattlichen Prachtexemplar gemausert.
Wie das Baum-Baby zum Problem-Baum wurde
Eigentlich eine wunderbare Sache von Mutter Natur, wäre da nicht das Problem gewesen, dass der üppige Nadelbaum eher am Rand des Grundstücks stand und das Nachbarhaus zunehmend in den Schatten stellte. Im durchaus wörtlichen Sinne: Das Baum-Baby wurde leider zum Problem-Baum.
Immer wieder steckten Brigitte Schnarr, inzwischen 86 Jahre alt, und ihre Nachbarin Veronika Brand-Kaiser die Köpfe zusammen und suchten nach Lösungen – bis sie sich schließlich daran erinnerten, dass in Soest ein möglichst stattlicher Nadelbaum als schmückendes Element für den Weihnachtsmarkt gesucht wurde. Sie griffen zum Telefon – und wenig später stand – genau – Dirk Bröcking vor der Tür.
Vier Tonnen schwerer Baum
Das tat er am Freitagmorgen, 17. November, wieder, dieses Mal aber hatte er Verstärkung dabei: kräftige Männer mit Motorsägen und Spezialausrüstung, einen 70-Tonnen-Kranwagen und einen Tieflader – unter anderem. Menschen und Maschinen, das stellte sich schnell heraus, hatten sich da einiges vorgenommen: In der eher schmalen Sackgasse, die zum Grundstück von Brigitte Schnarr führt, mussten die mächtigen Fahrzeuge extrem vorsichtig und zentimetergenau rangieren – und der Ausleger des Kranes hatte über Garagen hinweg 20 Meter bis zur Tanne zu überwinden.
Die wiederum stand so nah am Haus von Veronika Brand-Kaiser, dass unbedingt vermieden werden musste, den schließlich frei am Haken des Krans schwebenden Baum ins Schwingen zu bringen, nachdem ihm Andre Rosenthal mit seiner Motorsäge auf den Stamm gerückt war.
Mit viel Fachsimpelei und Geschick gelang es nach fast zwei Stunden, den fast vier Tonnen schweren Koloss in die Höhe zu hieven, ohne irgendwelche Schäden am Boden zu verursachen, und dann auf dem bereitstehenden Tieflader abzulegen.
Polizeiwagen sicherte Baumtransport
Der konnte sich dann zwar langsam in Bewegung setzen, wirklich weit kam er mit seiner nadelnden Fracht allerdings nicht: Wegen der beeindruckenden Maße legte der Schwertransport zunächst auf einem Parkplatz in der Nähe einen ausgedehnten Stopp ein, bevor er sich am Abend wieder – mit einem sichernden Polizeiwagen vorneweg – in Richtung Soest in Bewegung setzte. Wo der Tieflader in der Altstadt ähnlich präzise wie in der Nachbarschaft am Fillenkamp in Völlinghausen vorgehen muss, bevor die Nordmanntanne am Samstagmorgen auf dem Marktplatz aufgestellt wird.
Übrigens: Für die Veranstalter des Weihnachtsmarktes bei der Soester Wirtschaftsförderung wachsen die Bäume, jedenfalls die für das Event geeigneten, nicht in den Himmel. Sie freuen sich über Anrufe wie den von Brigitte Schnarr – und die Möglichkeit, ein in die Jahre gekommenes Baum-Baby noch einmal groß raus zu bringen.


