VonBenjamin Strokaschließen
Notrufe ohne Not: Viele Handys sorgen aktuell quasi selbstständig für Fehlanrufe bei Feuerwehr und Polizei. Ein neues Update soll die Probleme beheben.
Köln – Bei einem Notruf ist oft schnelles Handeln von Polizei und Feuerwehr gefragt. Schließlich kann die in Notlage befindliche Person sogar in Lebensgefahr sein. Umso wichtiger ist es, dass die Notrufnummern, wie die 110 bei der Polizei und die 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst, frei bleiben und nur bei „echten“ Notfällen gewählt werden. Entsprechend ist auch der Missbrauch von Notrufen in Deutschland strafbar. Doch seit einiger Zeit klagen Feuerwehr und Polizei über immer mehr Notrufe, bei denen es sich offenbar um Fehlanrufe von Smartphones handelt.
50 Prozent mehr Notrufe bei der Feuerwehr – und das wird zum Problem
„Bei der Feuerwehr Köln gehen seit mehreren Wochen rund 50 Prozent mehr Notrufe ein als üblich, die Zahl der Einsätze ist hingegen konstant“, heißt es beispielsweise in Köln. Im Märkischen Kreis in NRW berichtet die Polizei: „Auch in der Kreisleitstelle und bei der Polizei Märkischer Kreis mehren sich Fehlanrufe aus den Mobilfunknetzen.“ Ähnliche Meldungen gibt es auch aus Kerpen oder Bocholt. Die Polizei im Kreis Siegen-Wittgenstein berichtet ebenfalls von täglich „einer Vielzahl von Hosentaschenanrufen“.
Das Problem tritt aber nicht nur in NRW, sondern laut Angaben der Behörden sogar weltweit auf. Allein in Deutschland gibt es weitere Meldungen über Fehlanrufe beim Notruf aus vielen anderen Großstädten, unter anderem aus Berlin, München, Potsdam und Hannover.
Handys lösen versehentlich Notruf aus: Android-Update sorgt für ungewünschte Notrufe
Die Anruferinnen und Anrufer können in den allermeisten Fällen aber gar nichts dafür. Denn die Notrufe werden sehr oft versehentlich durch das Handy ausgelöst. „Die Smartphone-Besitzer merken oftmals nicht einmal, dass ihr Handy aus Versehen den Notruf gewählt und einen Anruf gestartet hat“, erklärt die Feuerwehr Kerpen das Phänomen.
„Als Ursache konnte ein Handy-Update (Android 13) ausgemacht werden, durch das es für die/den Nutzer*in einfacher sein soll, den Notruf auszulösen. Diese gut gemeinte Funktion sorgt leider dafür, dass der Notruf sehr oft versehentlich ausgelöst wird, etwa beim Tragen des Handys in der Hosentasche“, erläutert die Feuerwehr Köln. Schon leichte Stupser oder Erschütterungen könnten durch das Update einen solchen, ungewollten, Hosentaschennotruf auslösen. Betroffen sind demnach besonders Handymodelle von Samsung und Google.
Fehlanrufe beim Notruf kosten Zeit und Ressourcen
Besonders prekär daran: In der entsprechenden Notrufleitstelle ist für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht einfach ersichtlich, dass es sich um einen Fehlanruf handelt. Sie können das Telefonat nicht einfach beenden.
„Erreicht ein solches Telefonat die Leitstelle oder die Polizei, ist von den Disponenten höchste Konzentration gefordert. Sie müssen aus den Geräuschen heraushören, ob es sich um einen unbeabsichtigten Anruf handelt oder ob ein Unglück geschehen ist. Jeder Anruf wird mit der gleichen Akribie behandelt. Erst wenn sicher ist, dass es sich nicht um einen Notfall handelt, wird das Gespräch unterbrochen“, erklärt die Polizei im Märkischen Kreis dazu.
„In dieser Zeit verzögern sich im schlimmsten Fall wirkliche Notrufe, bei denen jede Sekunde zählt“, sagt Michael Zell, der Leiter des Führungs- und Lagedienstes bei der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein.
Feuerwehr und Polizei mit wichtigem Appell für Android-User
- Bei wem tritt das Problem auf? Betroffen sind Handy-Nutzer, die ein Smartphone mit dem Android-Betriebssystem haben. Vor allem bei Handys der Marken Samsung und Google tritt das Problem verstärkt auf.
- Bitte von Polizei und Feuerwehr: Wer das Android-Update 13 heruntergeladen hat, soll unter den Einstellungen auf seinem Smartphone das neue Update herunterladen, um die Fehlfunktion zu beseitigen.
Nach Bekanntwerden des Problems haben die jeweiligen Hersteller ein neues Update bereitgestellt, das die Problematik mit den Fehlanrufen beheben soll. Feuerwehren und Polizeien appellieren dringend an alle Nutzer eines Handys mit Android 13, das neue Update zu installieren. Bis das flächendeckend passiert ist, dürfte es aber noch dauern. Bis dahin muss in den Leitstellen wohl weiterhin in vielen Fällen unterschieden werden, ob es sich um einen Hosentaschenanruf oder doch um einen echten Notfall handelt. (bs)
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