VonMirjam Ratmannschließen
Fernab der ehemaligen Industriestädte des Ruhrgebiets liegen Orte der Natur. Diese fünf lohnen einen Besuch ins Grüne.
Hamm – Wer mal wieder genug von der Stadt hat, findet im Ruhrgebiet einige Möglichkeiten, dem Großstadtwahnsinn zu entfliehen. So gibt es rund um Essen einige Wanderwege, zum Beispiel den Baldeneysteig. Und auch der Rest der Umgebung bietet zahlreiche Möglichkeiten für einen ausgedehnten Spaziergang oder um sonst eine Auszeit im Grünen zu verbringen. Diese fünf Orte bieten besonders viel Natur.
Hinein in den Märchenwald – die Westruper Heide
Beinahe märchenhaft erstreckt sich die Westruper Heide am Halterner Stausee an der Grenze zum Münsterland. Die 1937 unter Naturschutz gestellte Westruper Heide ist geprägt durch lila Besen- und pinke Glockenheiden, Sandmagerrasen und lila Wacholderbüsche. Teilweise gibt es auch die fleischfressende Pflanze Sonnentau zu bestaunen.
| Was? | Westruper Heide |
| Wo? | Haltern am See |
| Größe? | 90 Hektar |
In dieser malerischen Landschaft finden zudem zahlreiche seltene Tierarten ein letztes Rückzugsgebiet, zum Beispiel die Schlingnatter, die Zauneidechse oder die Heidelerche. Daher dürfen Besuchende in der Heide die markieren Wege auch nicht verlassen – andernfalls werden sowohl Tiere als auch Pflanzen gestört. Außerdem müssen Hunde angeleint sein. Fahrradfahren ist in der Heide verboten.
- Wanderparkplatz 35 – Hohe Niemen, Hullerner Str., 45721 Haltern am See
- Wanderparkplatz Westruper Heide, 45721, Flaesheimer Damm, 45721 Haltern am See
Die Westruper Heide ist kein natürlicher Naturraum, sondern konnte erst nach intensive Nutzung entstehen: durch den Raubbau des Menschen am Wald, insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert. Für mehrere Jahrhunderte bildete sie außerdem die Lebensgrundlage von Heidebauern.
Heute umfasst das 90 Hektar große Naturschutzgebiet vier Themenwanderungen, die auf drei bis vier Kilometern durch die Heidelandschaften führen. Erkundet werden können die Bienen-Route, die Naturerlebnis-Route, die Heide-Wald-Route sowie die Dünen-Route. Regelmäßig finden öffentliche Führungen durch die Westruper Heide statt. Mehr als 30 Bänke laden für eine Pause oder ein Picknick ein.
Fast wie in den Alpen – die Elfringhauser Schweiz
Die Elfringhauser Schweiz erstreckt sich zwischen Hattingen, Wuppertal, Sprockhövel und Velbert. Mit ihren zahlreichen Hügeln gehört sie zur Bergisch-Märkischen Hügellandschaft und wird auch „Hattinger Hügellandschaft“ genannt. Dort erstrecken sich bewaldete Hügel, idyllische Bäche, Auen, Höhen und romantische Täler.
| Was? | Elfringhauser Schweiz |
| Wo? | Hattingen |
| Höchster Punkt? | 315 Meter |
Weil die 300 Meter hohen Erhebungen an die Alpen erinnern, erhielt die Hügellandschaft bei Elfringhausen den Beinamen Schweiz. Die Hügel werden von den beiden Bachtälern, dem Deilbachtal und dem Felderbachtal eingerahmt.
- Wanderparkplatz Bergerhof, Berger Weg 8, 45527 Hattingen
- Wanderparkplatz Kauerhof, Oberstüterstraße 20, 45527 Hattingen
- Wanderparkplatz Berger Kapelle, Oberstüterstraße 6, 45527 Hattingen
- Wanderparkplatz Auermühle, Felderbachstraße 85, 45529 Hattingen
- Wanderparkplatz Friedhof Elfringhausen, Felderbachstraße 65, 45529 Hattingen
Neben zahlreichen Wanderwegen gibt es in der Elfringhauser Schweiz auch die Möglichkeit Erdbeeren zu pflücken. Wer aber die bisweilen sehr steile Hügellandschaft erkundet, wird mit Aussichten auf die umliegende Landschaft belohnt. Einer der Rundwege führt beispielsweise durch das Felderbachtal und um den Immelberg bei Velbert-Langenberg. Kommt man am Erlebnisbauernhof Bergerhof vorbei, kann man Ziegen, Eseln, Ponys, Pferden sowie Gänsen einen Besuch abstatten.
Eintauchen ins größte Waldgebiet des Ruhrgebiets – die Haard
Im Osten grenzt die Stadt Datteln an das größte zusammenhängende Waldgebiet des Ruhrgebiets: die Haard, die sich zu über einem Viertel auf Dattelner Boden befindet. Es liegt zwischen Haltern am See im Norden, Recklinghausen im Süden, während Marl im Westen und Olfen im Osten die Grenzen bilden.
Mit einer Gesamtwaldfläche von etwa 5.500 Hektar gehört die Haard zum Naturpark Hohe Mark. Dieser wiederum zählt zu den größten Naturparks in NRW.
| Was? | Die Haard |
| Wo? | Kreis Recklinghausen |
| Größe | 5.500 Hektar |
Die Haard ist durch eine Hügellandschaft geprägt. Der im Süden gelegene Stimberg ist dabei mit 157 Metern die höchste Geländeerhebung. Darüber hinaus prägen Trockentäler das Landschaftsbild. Das Hügelland besteht aus den „Halterner Sanden“, die aus dem Erdzeitalter der Oberkreide stammen.
Hauptsächlich finden sich hier Kiefernwälder, aber auch Eichen und Birken haben auf dem sandigen Untergrund ihre Heimat. Außerdem liegen in die Haard einige Feuchtbiotope in den Tälern versteckt, wie im Nordosten der Baggersee Flaesheim zwischen Haard und Wesel-Datteln-Kanal.
- Wanderparkplatz Zum Dachsberg, Zum Dachsberg, 45721 Haltern am See
- Wanderparkplatz am Haargrenzweg, Haardgrenzweg 338, 45739 Oer-Erkenschwick
- Wanderparkplatz Friedhof Haltern, Otto-von-Ravensberg-Straße, 45721 Haltern am See
- Wanderparkplatz Stimbergpark, Am Stimbergpark – 45739 Oer-Erkenschwick
- Wanderparkplatz Mutter Wehner, Haardstraße 196/198, 45739 Oer-Erkenschwick
- Wanderparkplatz Forsthaus Haidberg, Halterner Str. 294, 45770 Marl
34 Wanderwege bieten auf insgesamt 154 Kilometern die Möglichkeit, diese einzigartige Naturlandschaft im Ruhrgebiet zu erkunden. Auch für Radfahrerinnen und Mountainbiker sowie für Reitfans gibt es ausgewiesene Wege. Wer möchte, kann neben dem Stimberg auch den etwas kleineren Weseler Berg (126 Meter) besteigen. Ein besonders Highlight ist außerdem der Feuerwachturm Rennberg, von dem man das Waldgebiet überblicken kann.
Aus Heide wird Waldgebiet – Streifzug durch die Kirchheller Heide
Zwischen Bottrop, Oberhausen und Dinslaken liegt die Kirchheller Heide: eine grüne Landschaft voller Wälder, Heiden- und Moorlandschaften sowie zahlreichen Seen. Der Heidhofsee, der Heidsee und der Elsbachsee, auch Pfingstsee genannt, sind gute Ausgangspunkte oder Rastmöglichkeiten für einen Spaziergang durch die Heidelandschaft. Die Seen sind erst durch den Steinkohleabbau entstanden.
| Was? | Kirchheller Heide |
| Wo? | Bottrop |
| Größe | 2.000 Hektar |
Von der einstigen Heidelandschaft ist inzwischen allerdings nicht mehr viel zu sehen. Reste finden sich im Schutzgebiet Kletterpoth, wo man noch heute das Wollgras, Torfmoose, Glockenheide und den Sonnentau antrifft. Hier konnten auch seltene Tierarten wie der Moorfrosch und die Kreuzotter überleben.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann man damit, die Naturlandschaft aufzuforsten. Mittlerweile sind zwei Drittel der Kirchheller Heide mit Laubwald bestanden, darunter viele Buchen-, Eichen-, Erlen und Birkenwälder. Der Fernewald, der Grafenwald und der Köllnischen Wald zeichnen sich zudem durch wertvolle alte Laubwälder aus. Aufgrund ihrer hohen Bedeutung für den Naturschutz sind große Teile der Kirchheller Heide als Schutzgebiete ausgewiesen.
- Parkplatz am Heidsee, Alter Postweg, 46244 Bottrop
- Wanderparkplatz Kletterpoth/Heidhofsee, 46244 Bottrop
- Parkplatz an der Grafenmühle, Alter Postweg 108, 46244 Bottrop
- Parkplatz Grafenmühle, Alter Postweg 120-122, 46244 Bottrop
- Wanderparkplatz Lindhorststraße, Lindhorststraße, 46240 Bottrop
Die Kirchheller Heide gehört heute zum Naturpark Hohe Mark-Westmünsterland und verfügt auf circa 100 Kilometern über etliche Rad- und Wanderwege. Einen guten Überblick über die Kichheller Heide hat man von der nahen Halde Haniel, der höchsten ständig begehbaren Bergehalde im Ruhrgebiet.
Blick auf die Ruhrmetropole – Die Sechs-Seen-Platte
Südlich von Duisburg schließen sich der Wambachsee, der Masurensee, der Böllertsee, der Wolfssee, der Wildförstersee und Haubachsee zur Sechs-Seen-Platte zusammen. Zwischen Wolfssee und dem Naturschutzgebiet Haubachsee befindet sich der Wolfsberg, der bei einem Spaziergang bestiegen werden kann. Ein entsprechender Aussichtsturm bietet in 22 Metern Höhe eine gute Aussicht über Duisburg.
| Was? | Sechs-Seen-Platte |
| Wo? | Duisburg |
| Größe | 150 Hektar |
Die Sechs-Seen-Platte ist inzwischen nicht nur ein beliebtes Naherholungsziel für Menschen in und um Duisburg. Die Gegend gilt auch als wichtiger Naturraum. So sind nahezu der gesamte Uferbereich und das umliegende Gelände Waldgebiet.
Dieses ist wichtig, um die Pflanzenvielfalt zu erhalten, Nadelhölzer und Laubbäume zu fördern und bestimmte Waldtypen heimisch zu machen. In kleineren Buchten, durch Inseln und breite Flachwasserzonen, sind außerdem Lebensräume speziell für Amphibien geschaffen worden.
- Parkplatz Sechs Seen Platte, Kalkweg 250, 47279 Duisburg
- Parkplatz Wolfsee, 47279 Duisburg
- Parkplatz Entenfang, Am Entenfang 7, 45481 Mülheim an der Ruhr
Als 1912 Sand und Kies für den Bau des Verschiebebahnhofs und einer Wohnsiedlung in Duisburg-Wedau benötigt wurden, begann die Kiesgewinnung im Duisburger Süden. Innerhalb der nächsten 80 Jahre entwickelte sich die Kiesabgrabung von Norden nach Süden. So entstanden die sechs miteinander verbundene Seen mit einer Wasserfläche von 150 Hektar. Mit dem Haubachsee wurde im Juni 2001 der letzte See fertiggestellt. (mira)





